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4 Seiten

Vacuum Cleaner Head (Teil 1)

Romane/Serien · Amüsantes/Satirisches
Kennt ihr Siren Head? Das ist eine Kreatur, die angeblich wie ein Telefonmast aussieht, mit Lautsprechern am Kopf und hoch wie ein Baum. Sie hat einen humanoiden Körper, nur eben viel größer und dünner, knöchrig und mit ledriger Haut überzogen. Das besondere jedoch sind die Lautsprecher am Kopf, mit denen das Wesen Geräusche und auch Stimmen imitieren kann.
Siren Head lebt überwiegend in Wäldern und dort kommt es immer wieder vor, dass Wanderer Stimmen hören, die nach ihnen rufen, sie um Hilfe bitten oder klingen wie die Stimmen ihrer Liebsten. Oft soll es vorgekommen sein, dass Menschen diesen Stimmen nachgegangen sind, ihren Rufen folgten, doch wenn sie dann das Monster erblickten, war es auch schon zu spät. Keiner dieser Menschen, die von Siren Head angelockt wurden, ward je wieder gesehen.
Derzeit kursieren zahlreiche Berichte über das Monster im Internet, es gibt etliche Creepypastas und sogar Spiele, in der man vor der Kreatur flüchten muss. Ein Entkommen vor Siren Head sei angeblich unmöglich.
Ihr wollt nun wissen, was dran ist an der Geschichte? Nun ja, es ist einfach eine gute Horrorgeschichte, denn dieses Wesen ist eine Erfindung des Künstler Trevor Henderson, der sich selbst als Horror Artist bezeichnet und schon viele Monster erschaffen hat. Ein solcher Hype wie mit Siren Head ist allerdings beispiellos und ich freue mich für ihn, das sein Geschöpf inzwischen weltweit für Furore sorgt.
Als ich über dieses Internetphänomen recherchierte, bin ich allerdings auf etwas ganz andere gestoßen. Denn tatsächlich gibt es ja immer wieder Fälle von Menschen, die verschwinden und nie wieder auftauchen. Und ziemlich häufig wird von Augenzeugen wirklich über seltsame Wesen berichtet, denen sie begegnet sein sollen.
Natürlich glaubt niemand diesen Aussagen, denn schließlich leben wir in einer Zeit, in der wir glauben, alles zu kennen und alles erklären zu können. Dennoch machte es mich stutzig, dass solche Berichte sich häufen. So fand ich im Netz zum Beispiel Geschichten über Light Head, der wie eine Straßenlaterne aussehen soll und Menschen frisst, sobald sie in seinen Lichtkegel treten. Das ist natürlich alles Humbug.
Allerdings wollte ich der Sache doch auf den Grund gehen und machte mich also auf in ein Stadtviertel, in dem es den Erzählungen nach in letzter Zeit auffällig viele Vermisstenfälle gab. Auch hier gab es Seiten, auf denen Menschen von einer seltsamen Kreatur, ganz ähnlich wie Siren Head oder Light Head berichteten. Selbstverständlich glaube ich nicht an sowas, aber um euch kein substanzloses Video wie alle anderen zu präsentieren, machte ich mich mit einem Freund und meiner Kamera neulich nachts auf den Weg in dieses Viertel.
Es ist eine eher heruntergekommene Gegend, eine in der die Häuser renovierungsbedürftig aussehen, die Straßen nicht eben sauber sind und nicht selten Müll auf den Gehwegen und in den Ecken liegt. Genau das, so wurde im Internet behauptet, ziehe diese Kreatur an. Sie ernähre sich von Zivilisationsabfall, so hieß es, zumindest dann, wenn sie sich nicht über einen auf einer Bank schlafenden Obdachlosen oder einen betrunkenen Nachtschwärmer hermacht.
Mein Kumpel und ich suchten also genau jene Straßen auf, die besonders heruntergekommen aussahen, in denen Leute ihren Sperrmüll einfach aus dem Fenster warfen und die Müllcontainer überquollen. Zunächst entdeckten wir nichts, zumindest keine gefährliche Kreatur, sondern nur etliche zwielichtige Leute, denen wir aber lieber aus dem Weg gingen.
Allmählich wurde es kälter und ein Wind frischte auf. Auch darüber hatten wir im Netz gelesen, dort stand nämlich, dass es an den Tagen des Verschwindens oft ziemlich stürmisch gewesen sein soll. An anderer Stelle hieß es sogar, das liege nicht am Wetter, der Sturm sei vielmehr plötzlich und unerwartet aufgezogen.
So war es auch an jenem Abend. Eigentlich hatten wir eine sternenklare Nacht, doch dann wurde es zunehmen windiger und vor allem heulte es laut aus den engen düsteren Gassen, so dass uns allmählich doch ein wenig mulmig zumute wurde. Trotzdem gingen wir weiter, die Kamera immer im Anschlag, falls wir doch etwas entdecken sollten.
Schließlich kamen wir in eine Sackgasse, in der sich die Müllsäcke zu beiden Seiten hoch auftürmten, überall Berge von Sperrmüll lagen, kaputte Möbel, defekte Elektrogeräte und mittendrin ein ziemlich großer Staubsauger. Genau der erregte unsere Aufmerksamkeit, denn zum einen war er wirklich sehr groß für einen Staubsauger, zum anderen hatten wir eine solche Beschreibung bei unserer Recherche entdeckt.
Vacuum Cleaner Head, so hatte ihn jemand genannt, diese Kreatur, die angeblich in der Lage war, einen Menschen schlicht einzusaugen. Wir zweifelten beide am Wahrheitsgehalt der Geschichte, mein Kumpel noch mehr als ich, so dass er auch ohne zu zögern näher heranging, während ich aus einer Eingebung heraus doch ein Stück hinter ihm blieb.
Das Heulen des Windes wurde jetzt lauter, nein, wir stellten fest, dass es gar nicht der Wind war, der heulte, sondern der riesige Staubsauger. Kaum dass wir in seiner Nähe waren, heulte er immer lauter auf, dazu bemerkten wir, wie er uns aus schmalen Augen böse anfunkelte und in seinem Maul blitzten spitze Zähne auf.
Mein Freund und ich machten auf dem Absatz kehrt und liefen, bloß weg von diesem Ding, egal, was es war. Doch obwohl wir so schnell liefen, wie wir konnten, kamen wir nicht voran, denn der Sog aus dem Maul des Vacuum Cleaner Head hinderte uns am Fortkommen, zog uns immer mehr in seine Richtung.
Mit aller Kraft stemmten wir uns gegen den Sog, während das Heulen anschwoll und jetzt ohrenbetäubend laut wurde. Dazu kam die Kreatur immer näher, schleppte einen massigen Leib hinter sich her, in den sie schon wer weiß was eingesaugt hatte. Mein Freund und ich schrien um Hilfe, wurden aber vom Heulen der Kreatur übertönt, die schon bald so nah war, dass sie den Fuß meines Freundes in ihr großes Maul saugte und der noch lauter kreischte als zuvor.
Aus purem Glück bekam ich eine Straßenlaterne zu fassen, krallte mich mit letzter Kraft daran fest, während der gewaltige Sog an mir zerrte, mir zum Glück aber nur die Kamera fortriss, die ich um den Hals gehängt hatte. Mein Freund hatte deutlich weniger Glück als ich, er verschwand immer mehr im Maul der Kreatur, fuchtelte mit den Händen, schrie aus Leibeskräften, doch nichts half.
Zuerst verschwanden seine Beine in dem Staubsauger, dann seine Hüfte, sein Oberkörper und schließlich auch sein Kopf und die hilflos fuchtelnden Arme. Alles wurde in den langen Schlauch oder Hals gezogen, der den Kopf mit dem Körper verband und es sah aus wie bei einer Schlange, die ein zu großes Beutetier geschluckt hatte.
Diesen Moment allerdings nutzte ich, um wegzulaufen, denn während des Schluckens konnte das Monster ja nicht saugen. Ich rannte also los, rannte um mein Leben, wurde erst wieder langsamer als ich zuhause ankam und die rettende Tür hinter mir schloss.
Wenn ich daran denke, zittere ich immer noch, hätte nicht für möglich gehalten, dass die Geschichten über Vacuum Cleaner Head aus dem Internet wahr sind. Mein Freund gilt inzwischen als vermisst, bei der Polizei hat mir natürlich niemand geglaubt, was ich erzählte und Fotos kann ich euch leider auch nicht zeigen, weil die Kreatur ja auch meine Kamera verschluckt hat. Doch ihr müsst mir glauben, es ist alles wahr, was ich euch erzähle.
Und wenn ihr beim nächsten Sperrmüll einen Staubsauger an der Straße stehen seht, dann lauft so schnell ihr könnt!

Die Story gibt es auch auf Youtube: https://youtu.be/a9L2DWDu2_A
 
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