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11 Seiten

Mortal Sin Spätsommer 2005- Time Is Over, Bitch!

Romane/Serien · Spannendes
© JoHo24
Wer andere beherrscht, ist vielleicht mächtig, aber wer sich selbst beherrscht, ist noch viel mächtiger.
- Laotse


Das Zwitschern der Vögel erfüllte die Sommerluft, die wegen der hohen Temperaturen an den vergangenen Tagen bereits in den frühen Morgenstunden warm und leicht stickig war. Auf-grund dessen hatte sie sich für ein luftiges Outfit entschieden, das aus einem pfirsichfarbenen Rock und hellen tief ausgeschnittenen Top bestand. Darüber trug sie einen schwarzen transparenten Mantel mit Ornamenten im Boho-Chic Style, der bei jedem ihrer hastigen Schritte wild um ihre nackten Knie flatterte.
Sie war mit ihrem Boss verabredet und ausgerechnet heute war einer der seltenen Tage an denen sie verschlafen hatte. Nun musste sie sich beeilen, wenn sie noch pünktlich sein wollte. Die Absätze ihrer Riemchensandaletten klackerten laut auf dem Bordsteinpflaster was sie zusätzlich unter Stress setzte. Sie hatte förmlich den Zeitdruck im Ohr, der sie antrieb und ihren Puls beschleunigte. In diesem Zustand hetzte sie durch die Innenstadt, bis sie den vereinbarten Treffpunkt erreichte.
Emilia Sophia McDermott nahm ihre Sonnenbrille ab, öffnete die Tür und betrat das schicke Cafè. Dieses war ein Sammelbecken für die Mitglieder der gehobenen Klasse Saint Berkaines, die hier den köstlichen Brunch genoss und mit teurem Champagner ihre Kehlen herunter-spülte. Das fast vollständig verglaste Gebäude war sonnendurchflutet und wirkte dadurch wie ein Gewächshaus, in dem nur die edelsten und exklusivsten Blumen zu finden waren. Und heute war sie ein Teil dieser erlesenen Pracht, die sie mit ihren Designeroutfits und Luxusuhren blendete.
Emilia fühlte sich in dieser oberflächlichen und arroganten Gesellschaft unwohl und völlig fehl am Platz. All diese Menschen waren falsch und widerten sie einfach nur an. Wenn sie hier nicht mit William verabredet gewesen wäre, dann hätte sie diesen Ort niemals freiwillig aufgesucht. Darum verweilte sie auch nicht lange an Ort und Stelle, sondern steuerte zielstrebig den Empfangstresen des Cafès an, hinter dem eine junge Frau stand, um dieses Treffen so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.
„Guten Morgen“, begrüßte Emilia etwas gehetzt und ungeduldig ihr Gegenüber als sie beim Tresen ankam.
„Guten Morgen, Miss. Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Nun, ich bin mit einem Mr. Cunningham verabredet und…“
„Ja, er ist bereits hier und erwartet Sie. Folgen Sie mir bitte“, wurde Emilia kurzerhand von ihr mit einem breiten Lächeln unterbrochen, bevor jene sich in Bewegung setzte und Meter und Meter von ihr entfernte. Die Killerin war dermaßen perplex, dass sie im ersten Moment völlig regungslos stehen blieb. Doch dann fokussierte sie sich und beeilte sich ihr durch das vollbesetzte Cafè zu folgen.
Die Mitarbeiterin führte sie hinaus auf die weiträumige Terrasse zu einem Tisch an dem Wil-liam Cunningham entspannt unter einem Sonnenschirm saß. Er trug beige Chinohosen und dazu ein hellblaues Hemd dessen Ärmel hochgekrempelt waren. Sein legerer Freizeitlook überraschte Emilia denn sie hatte ihn bisher immer nur im Anzug gesehen. Sein Anblick war genauso ungewohnt wie die Tatsache, dass sie sich am helllichten Tag außerhalb seines Büros trafen. Sogleich wurde sie misstrauisch und verzog dementsprechend das Gesicht zu einer Grimasse, die ihrem Boss nicht entging.
„Die Widersehensfreude hält sich aber in Grenzen“, war sein kecker Kommentar den er mit einem schelmischen Grinsen unterstrich.
„Entschuldigen Sie.“ Mehr sagte sie nicht dazu, stattdessen ließ sie sich auf den Stuhl rechts neben ihn fallen. Kaum hatte sie Platz genommen, da wurde ihr von der Mitarbeiterin eine Speisekarte in die Hand gedrückt und sich nach ihrem Getränkewunsch erkundigt.
„Ich hätte gerne einen Cappuccino“, kam es unwirsch und zickig über ihre Lippen, da sie genervt war von der Hektik und affektierten Überfreundlichkeit dieser Frau.
„Und die Karte können sie gleich wieder mitnehmen. Ich habe keinen Hunger.“ Emilias Überheblichkeit und ablehnende Haltung stieß sie sichtlich vor den Kopf und verunsichert sie, sodass sie beinahe fluchtartig den Tisch verließ um sich um ihre Bestellung zu kümmern.
„So schlechter Laune heute, meine Liebe?“ Als ihr Boss sie so direkt auf ihr Verhalten an-sprach, wurde ihr erst bewusst, dass sie keinen Deut besser war als die reiche Oberschicht die sie so sehr verachtete. Vielleicht passte sie ja doch hierher; in den Sumpf der Verkommenheit und Gier.
„Ich habe nicht gut geschlafen“, versuchte sie sich vor William zu rechtfertigen, der unentwegt sein dümmliches Grinsen zur Schau stellte. Dieser Umstand trug nicht gerade dazu bei ihre Laune zu heben.
„Ist es etwa noch zu früh für Sie, McDermott?“, fragte er sie spitz mit hochgezogener Augen-braue. Seine gesamte Aura strahlte dabei reine Provokation aus als wolle er sie mit voller Absicht reizen. Aber warum? Aufmerksam studierte sie seine Miene um möglichen Beweggründe dafür auf die Spur zu kommen, doch sie fand nichts. Immer stärker wurden das Misstrauen und die Skepsis gegenüber ihrem Boss. Was zur Hölle wurde hier bloß gespielt?
Die Blondine öffnete gerade den Mund um ihm genau diese Frage zu stellen, als sie die Antwort plötzlich mit eigenen Augen auf sich zukommen sah.
Ophelia Monroe stolzierte auf ihren High Heels schnurstracks über die Terrasse zu ihnen her-über. Mehrmals blinzelte sie, in der Hoffnung, dass sie sich als Fata Morgana entpuppte und so schnell verschwand, wie sie aufgetaucht war. Aber dieses Glück war ihr nicht vergönnt und so kam die Brünette stetig näher.
Das letzte Mal hatte sie ihre Kollegin nach ihrem Kampf in Williams Haus gesehen: blutüberströmt und mit dem Tod ringend. Dieses Bild hatte ihr deutlich besser gefallen als das was sich ihr aktuell bot. Denn jetzt präsentierte sie sich mal wieder in vollkommener Perfektion wofür sie sie abgrundtief hasste. Die hochtaillierte blau-weiß gestreifte Stoffhose, die sie trug, war unten geschlitzt wodurch ihre Unterschenkel bei jedem Schritt keck hervorblitzten und das schwarze enganliegende Top setzte ihre beneidenswerte Figur in Szene. Emilia wurde nur von dem Anblick Ophelias übel und der Hass überwältigte sie. Sie konnte dieses Drecksstück nicht ertragen. Nicht jetzt. Nicht heute. Nie wieder.
„Nein“, war daher das Einzige was sie hervorbrachte, ehe sie sich eilig von ihrem Stuhl erhob. Sie war bereits im Begriff die Terrasse schnellstmöglich zu verlassen, als William ihr linkes Handgelenk umfasste und sie zurück auf ihren Platz bugsierte.
„Sie bleiben gefälligst hier, McDermott“, raunte er ihr ins Ohr, damit keiner der anderen Gäste ihn hören konnte. „Sie laufen nicht davon.“
„Lassen Sie mich sofort los, William, sonst fange ich an zu schreien.“ Sie warf ihrem Boss einen drohenden Blick zu, der ihn dazu veranlassen sollte seine Hand endlich von ihr zu nehmen. Aber er ließ sich nicht einschüchtern und hielt sie unverändert fest.
„Ich lasse mich nicht von solch miesen und unverschämten Drohungen beeindrucken“, sagte er in einem Ton, der ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. „Ist das klar?“
Um seine Worte zu unterstreichen, packte er mit seiner anderen Hand grob in ihren Nacken und drückte zu. Es fühlte sich an als habe eine Stahlklaue sie in ihrem Griff und wolle ihr brutal den Kopf vom Hals trennen. Für die Außenstehenden musste es allerdings so aussehen als wolle er sie küssen.
„Ich habe Sie etwas gefragt.“ Da sie sich nicht im Stande sah etwas zu erwidern, nickte Emilia bloß was ihr wegen seines Griffes jedoch unglaublich schwer fiel.
„Dann ist ja gut“, zischte er ihr ins Ohr, eher er sie losließ und endlich von diesem enormen Druck befreite. Die Blondine zog blitzschnell ihren Kopf zurück um aus seiner Reichweite zu entkommen und tief durchzuatmen. Während sie sich wieder sammelte, lehnte er sich gelassen in seinem Stuhl zurück und genehmigte sich einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. In diesem Moment erreichte Ophelia Monroe ihren Tisch und schaute dabei unzufrieden aus der Wäsche. Dies zeigte ihr, dass auch sie nicht darüber informiert worden war, dass ihre Kollegin bei dem Treffen anwesend sein würde.
„Scheiße, was soll das hier werden, William?“, fiel dementsprechend aufgebracht ihre Reaktion aus. Dabei traf ihre geballte Wut ihren Boss, der sie genauso selbstgefällig angrinste wie vorhin Emilia. Ihn schien es zu amüsieren, dass er Verwirrung und Zorn bei seinen Killerin-nen stiftete.
„Ich werde Ihnen alles erklären, also setzen Sie sich bitte.“ Er blieb unverändert die Ruhe selbst und verhielt sich so, als sei dies ein ganz normales und unschuldiges Treffen zwischen Bekannten und keines zwischen zwei rachsüchtigen Auftragskillerinnen, die danach lechzten die jeweils andere zu töten. Sie an einen Tisch zu bitten und dann auch noch von ihnen zu verlangen sich gegenüber voneinander zu setzen, grenzte schier an Wahnsinn. William musste ernsthaft den Verstand verloren haben, wenn er glaubte, dass dies ein unblutiges Ende nehmen würde.
Ophelia machte ein würgendes Geräusch, womit sie deutlich wiedergab was sie über die aktuelle Situation dachte, ehe sie sich auf den noch freien Stuhl niederließ.
„Also, raus mit der Sprache, William. Was soll das hier?“, verlor die Brünette keine Zeit um herauszufinden was ihr Boss im Schilde führte. Dabei hielt sie unentwegt und ausschließlich die Augen auf William gerichtet, während sie Emilia rigoros ignorierte. Jene wusste nicht, ob sie dies eher gut oder schlecht finden sollte.
„Möchten Sie vorher vielleicht noch etwas bestellen, Monroe?“
„Nein, will ich nicht. Ich will, dass Sie mich nicht länger hinhalten“, kam es in einer Mischung aus Gereiztheit und Überheblichkeit über ihre vollen Lippen.
„Ich merke schon, dass ich um einen weiteren Aufschub wohl nicht herumkomme.“ Ihr Boss gluckste nach dieser Aussage vergnügt was sie als unangebracht und respektlos erachtete und ihren Zorn nur noch steigerte. Ihrer verhassten Kollegin ging es nicht anders, denn sie schnaubte laut vor Empörung und warf William unter ihren dichten Wimpern einen giftigen Blick zu.
„Nun…ich habe Sie beide hierher bestellt damit Sie ihre Differenzen beilegen“, offenbarte er die absurde Absicht, die ihn dazu bewogen hatte dieses Treffen einzuberufen.
Die blonde Killerin traute ihren Ohren nicht, als sie das hörte. Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen schaute sie ihren Boss an, der weiterhin seelenruhig neben ihr saß und dem offensichtlich das Bewusstsein dafür fehlte, was er da von seinen Mitarbeiterinnen erwartete. Für sie bestätigte sich in diesem Moment der Verdacht, dass er komplett den Verstand verloren hatte.
Bevor allerdings eine von ihnen die Möglichkeit hatte zu reagieren oder etwas zu entgegnen, grätschte die Kellnerin dazwischen, indem diese plötzlich auftauchte und den von Emilia bestellten Cappuccino brachte.
Es herrschte eine angespannte und eiskalte Stimmung, die förmlich greifbar war und auch die Kellnerin spürte. Daher beeilte sich diese ihren Tisch so schnell wie möglich wieder zu verlassen und suchte das Weite.
„Sie sind doch völlig irre, William“, ergriff Ophelia zuerst das Wort, kaum waren sie wieder unter sich. „Erwarten Sie allen Ernstes, dass wir miteinander reden und uns vertragen?“
„Ich erwarte nicht, dass Sie sich vertragen. Sie sollen die Sache so weit regeln, dass Sie mit-einander arbeiten und sich begegnen können ohne zu versuchen sich gegenseitig zu töten.“
„Das halte ich für unmöglich.“
„Da sind wir ausnahmsweise mal einer Meinung“, stimmte Emilia ihrer Kollegin trocken zu, obwohl sie dies nur ungern tat. Nach ihrem Ausspruch richtete Ophelia zum ersten Mal ihre Aufmerksamkeit auf sie. Der Blick, mit dem sie sie bedachte, war so intensiv und bohrend, dass sie ihm kaum standhalten konnte.
„Es tut mir leid Sie enttäuschen zu müssen aber Sie haben keine andere Wahl. Sie arbeiten für mich, also befolgen Sie gefälligst meine Befehle“, durchbrach Williams dumpfe Stimme die Situation und ließ Ophelias Augen blitzschnell zu ihm zurückschweifen.
„Kommen Sie mir bloß nicht so, William“, spie sie erbost aus und lehnte sich zu ihm herüber.
„Sie sind zwar mein Boss, aber Sie bestimmen nicht darüber wie ich mit meinen Kollegen umzugehen habe, denn das ist meine private Angelegenheit, verstanden?“ William Cunning-ham lachte gehässig über Ophelias Unverschämtheit, bevor seine Miene sich verfinsterte. Nun war sie an der Reihe seine Wut zu spüren zu bekommen, wie Emilia nur wenige Augenblicke vor ihr.
„Sie werden nie wieder dermaßen respektlos mit mir sprechen“, knurrte er aggressiv und um-fasste zeitgleich ihr schmales rechtes Handgelenk. Die Blondine konnte sehen, dass er mit gewaltiger Kraft zudrückte und somit in Kauf nahm seiner Mitarbeiterin die Knochen zu brechen. Jene nahm jedoch abgebrüht und fast schon gelangweilt die Schmerzen hin, die er ihr zufügte.
„Nur zu, William, brechen Sie mir die Hand. Ich frage mich nur wie ich dann für Sie töten soll“, gab Ophelia auf ihre übliche provokante Art zu bedenken. Und diese einfache Bemerkung reichte tatsächlich aus, damit ihr Boss seine Hand so schnell wegzog als habe er auf eine heiße Herdplatte gefasst. Sie hatte den Sieg über ihn errungen was sie triumphal lächeln und über das ganze Gesicht strahlen ließ.
„Ich bin zu wertvoll für Sie, als dass Sie es sich leisten können auf mich und meine Talente zu verzichten.“ Die Arroganz, mit der sie sprach und ihre hochnäsige Attitüde stießen nicht nur William übel auf, sondern auch ihr. Jedes Mal musste die Brünette es übertreiben und die Grenzen überschreiten, denn Zurückhaltung, Bescheidenheit und Respekt waren Fremdworte für sie und suchte man bei ihr daher vergebens. Das Allerschlimmste war allerdings die Tatsache, dass ihr Boss Ophelia mal wieder dieses aufsässige Verhalten durchgehen ließ. Für Emilia war das nur ein weiteres Indiz dafür, dass ihre Kollegin einen höheren Stellenwert für ihn besaß und sie sich aus diesem Grund viel mehr herausnehmen konnte, als sie oder die üb-rigen Auftragskiller.
Seit dem Kampf gegen Ophelia, in dem William Partei für sie ergriffen und auch noch dafür gesorgt hatte ihr verfluchtes Leben zu retten, fragte sie sich warum er sie anders behandelte und ihr gewisse Freiheiten gewährte was den Umgang mit ihm anging. Und jetzt, aus heiterem Himmel, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und sie ärgerte sich maßlos über sich selbst. Verdammt, wieso war sie nicht schon viel früher darauf gekommen? Dabei war es der offensichtlichste Grund, den sie sich bei der Brünetten vorstellen konnte: Sie schlief mit William. Schon bei dem Gedanken daran, dass die beiden nackt in einem Bett lagen und miteinander vögelten, wurde ihr schlecht und sie musste würgen.
„Alles in Ordnung, McDermott?“ Das war ihr Boss, der sich fadenscheinig nach ihrem Befinden erkundigte und somit diesen widerwärtigen Gedankengang unterbrach. Emilia richtete umgehend ihren Blick auf ihn und verengte die Augen zu Schlitzen.
„Ach, Sie haben bemerkt, dass ich auch noch anwesend bin“, giftete sie kindisch zurück was ihr im nächsten Augenblick bereits peinlich war.
„Tut mir den Gefallen und mach nicht so einen Aufstand, Blondie.“
„Was mischst du dich denn jetzt ein, huh?“, fragte sie entrüstet und ließ ihren Kopf zu Ophelia schnellen.
„Reg dich ab, Schätzchen!“
„Du sagst mir nicht was ich zu tun oder zu lassen haben, Dreckstück.“
„Was hast du eigentlich für ein Problem?“
„Du bist mein…“
„Ladies, bitte!“, ging William entnervt dazwischen und unterbrach ihren Zwist. „Können Sie das nicht wie zivilisierte Menschen klären?“
„Nein!“ Eisern verschränkte Emilia die Arme vor der Brust und machte damit deutlich, dass sie nicht gewillt war mit Ophelia zu sprechen und sich nur noch ein einziges Wort aus ihrem Mund anzuhören. Denn alles was über ihre Lippen kam, war ein einziges Gebilde aus Lügen und Hinterhältigkeiten.
„Warum nicht?“
„Weil Sie nicht die geringste Ahnung haben was Sie von mir verlangen“, überkamen sie plötzlich die Gedanken und Erinnerungen an ihre geliebte Familie, sodass sich bittere Tränen in ihren Augenwinkeln sammelten.
„Sie wissen nicht was dieses Miststück mir ange…“ Ihre Stimme erstarb jämmerlich und die Tränen rannen still ihre Wangen hinab. Es war ihr nicht möglich weiter über die Schmerzen und heillose Katastrophe zu sprechen, die ihre Kollegin verursacht hatte.
„Sie haben recht, McDermott. Ich weiß nicht was zwischen Ihnen beiden vorgefallen ist, doch das liegt bloß daran, dass Sie mich deswegen bis heute im Dunkeln gelassen haben“, begründete er, ganz der Geschäftsmann, abgeklärt und professionell.
„Die Gründe gehen Sie auch nichts an, William. Das ist eine private Angelegenheit.“ Für Ophelia Monroe war damit die Sache beendet, aber sowohl Emilia als auch ihr Boss sahen das vollkommen anders.
„Es ist keine private Angelegenheit mehr seitdem Sie ihren Kampf in meinem Büro ausgetragen und es in ein Schlachtfeld verwandelt haben“, korrigierte er zornig seine Mitarbeiterin, die ihre Lippen daraufhin unzufrieden kräuselte.
„Ich will endlich wissen was zwischen Ihnen vorgefallen ist.“ Mit ernstem Blick schaute er in die Runde und wartete darauf, dass die Killerinnen Klarheit schufen und Licht in die Sache brachten.“ Es war keine Überraschung, dass Ophelia sich in Schweige hüllte und im Hintergrund hielt, immerhin war sie die Schuldige in diesem Szenario und sie wusste, dass dies ihrem Boss sicherlich nicht gefallen würde.
Dadurch versuchte sie sich auf die feigste Art und Weise zu retten und einer Strafe zu entgehen was sie nicht dulden konnte. Daher beschloss die Blondine reinen Tisch zu machen und William einzuweihen auch wenn sie sich nicht sicher war, ob sie dies ohne lautstarkes Geschrei und einer Menge Tränen schaffen würde.
„Ophelia hat…Sie hat…Sie…“, setzte sie mehrfach an, doch sie scheiterte immer wieder kläglich an ihrer Emotionalität.
„Sie wollen sich dieses erbärmliche Theater allen Ernstes antun, William?“, spottete ihre Kollegin gehässig und hochgezogener Augenbraue was in Emilia den Drang sie zu töten auslöste.
„Und das noch in aller Öffentlichkeit?“ Demonstrativ schaute sie sich um als wolle sie ihrem Boss zeigen, was für eine dumme Idee es war über dieses Thema in der Anwesenheit so vieler fremder Menschen zu sprechen. Ihr Boss war im Begriff ihr zu antworten, doch die blonde Killerin war schneller.
„Hör auf!“, sagte sie mit fester Stimme, denn in diesem Moment trug ihr enormer Hass gegen Ophelia den Sieg über ihre Schwäche davon. Bevor sich ihre verlogene Kollegin erneut ein-mischen konnte, sprach sie eilig weiter.
„Ophelia hat sich ohne mein Wissen mit meiner Schwester getroffen und ein Gespräch geführt in dessen Verlauf sie sich dazu berufen gefühlt hat ihr zu offenbaren, dass ich mein Studium geschmissen habe und dafür einen ganz besonderen Job ausübe. Sie wollte ihr erzählen was ich für Sie tue, William. Zum Glück konnte ich dies noch im letzten Moment verhindern“, fasste sie die Geschehnisse so kurz wie nur möglich zusammen.
„Dennoch hat diese Begegnung dazu geführt, dass meine Schwester das Vertrauen in mich verloren und sie nur noch Wut und Enttäuschung für mich übrig hat.“
Emilia hatte sich während ihrer Ausführungen zurückgehalten was sowohl ihre Wortwahl als auch Emotionen betraf, aber jetzt, nachdem sie fertig war, überwältigte sie eine Welle aus Trauer, Hass und Verzweiflung.
„Wie selbstverständlich hat sich dieses Miststück in mein Privatleben gedrängt und das Verhältnis zu meiner Familie unwiderruflich zerstört“, presste sie hervor. „Sie hat alles vernichtet. Sie…Sie…“
Die Blondine war erneut nicht in der Lage ihre Sätze zu beenden, zu sehr belastete sie das Zerwürfnis mit ihrer Familie und ihre daraus resultierende Einsamkeit. Während sie Qualen litt, ergriff ihr Boss das Wort.
„Haben Sie den Verstand verloren, Monroe?“ Seine Stimme bebte, sowie sein gesamter Kör-per. Er zweifelte keine Sekunde an Emilias Ehrlichkeit und war dementsprechend fassungslos über Ophelias Verhalten.
„Wie kommen Sie auf die schwachsinnige Idee eine außenstehende Person über unser Metier aufklären zu wollen? Sind Ihnen die Gefahren und drohenden Konsequenzen nicht klar oder einfach nur scheißegal?“
Ophelia Monroe blieb nach der anklagenden Ansprache ihres Bosses die Ruhe selbst als seien seine Vorwürfe bloß Lappalien um die es sich Gedanken machen nicht lohnte. Sowohl sie als auch William sahen und spürten ihre Kälte und Gleichgültigkeit, die sie fast schon stolz zur Schau trug und Emilia unfassbar anwiderte.
„Wissen Sie was? Ich will Ihre Antwort gar nicht erst hören“, raunte er scharf. „Sie haben einfach nicht nachgedacht, sondern hatten bloß ihre selbstsüchtigen Motive im Kopf. Sie wollten ihre Kollegin verletzen und haben deshalb dort angegriffen wo es ihr am meisten wehtut: ihre Familie.“
„Sie bezahlen mich doch dafür, dass ich Menschen Leid und Schmerz zufüge oder etwa nicht?“, fragte sie spitz und mit emotionsloser Miene. William schnaubte zornig und deutete mit dem rechten Zeigefinger drohend auf seine Mitarbeiterin.
„Wagen Sie es nicht mir die Schuld für Ihre Verfehlungen zu geben und meine eigenen Worte gegen mich zu verwenden, Monroe.“ Ihre Reaktion war ein süffisantes Grinsen, das seine Wut nur noch steigerte.
„Was wollen Sie denn dagegen tun, William? Wie wollen Sie…“
„Halt endlich dein verdammtes Maul“, brach es plötzlich aus Emilia McDermott heraus, da sie nicht mehr konnte. Sie hatte endgültig genug von ihrer Arroganz, Falschheit und Heimtücke.
„Niemand will deinen Scheiß hören. Niemanden interessieren deine fadenscheinigen Aus-flüchte oder erbärmlichen Schuldzuweisungen. Steh einmal in deinem verfluchten Leben zu den Fehlern, die du machst und den Mist, den du baust“, redete sie eindringlich auf Ophelia ein, die ihr beinahe regungslos gegenüber saß und sie auf eine unheimliche Art und Weise anstarrte. Doch davon ließ sie sich weder beirren noch verunsichern, geschweige denn davon abbringen ihr deutlich die Meinung zu sagen.
„In meinen Augen bist du nichts weiter als eine hinterhältige Schlampe, der alles und jeder egal ist und die ihre Mitmenschen mit Vergnügen in Krisen und Katastrophen stürzt.“
Daraufhin fasste sich ihre Kollegin mit gespielter Ergriffenheit theatralisch an ihr Herz und setzte einen Schmollmund auf.
„Es verletzt mich zutiefst, dass du dermaßen abwertend über mich sprichst, McDermott. Immerhin gab es mal eine Zeit in der wir uns gut verstanden haben. Sehr gut sogar“, spielte sie auf ihre vergangene Liaison an für die sich Emilia bis heute schämte und schwere Vorwürfe machte.
„Die Zeit ist vorbei, Miststück!“, blaffte sie dementsprechend zurück und fletschte die Zähne wie ein wildes Tier das bereit war zuzuschnappen. Auf Ophelias Gesicht breitete sich ein spöttisches und abwertendes Lächeln aus welches sie als Symbol ihrer Boshaftigkeit wertete.
„Das bedauere ich zutiefst“, wisperte sie beinahe lautlos und durchdrang sie dabei mit einem Blick, bei dem sie nicht sagen konnte ob er Aufrichtigkeit zeigte. Doch diese Überlegung verwarf sie umgehend, da Ophelia Monroe zu solch ehrenhaften Gefühlen nicht fähig war.
„Um was geht es hier eigentlich?“, schaltete sich William aus heiterem Himmel in ihren Diskurs ein was die Blondine irritierte und aus dem Konzept brachte. Aber dann fokussierte sie sich wieder und wandte sich an ihren Boss, dessen Anwesenheit sie beinahe vergessen hatte.
„Das ist privat und geht Sie nichts an, William“, hielt sie sich knapp und kurz angebunden um keine weitere Minute mit diesem unangenehmen und irrelevanten Thema zu verschwenden. Daher war es ihr egal, dass er eine wütende Miene zog.
„Viel wichtiger ist es, dass Sie nun wissen was zu den Kämpfen und dem Hass zwischen Monroe und mir geführt hat“, fuhr sie fort und überging gekonnt seine Unzufriedenheit. „Und nun frage ich Sie, ob Sie noch immer von mir erwarten, dass ich mit dieser Frau auskomme und zusammenarbeite und das ohne dem ständigen Wunsch sie zu töten.“
Emilia McDermotts Tonfall war trocken, ihr Gesichtsausdruck starr. Sie verlangte eine Antwort von ihrem Boss, die sie zufriedenstellen und ihr Gerechtigkeit widerfahren lassen würde.
Denn sie wollte eine Bestrafung für Ophelia. Sie wollte Rache und wenn William sie davon abhielt, dann sollte er diese Aufgabe gefälligst selbst übernehmen.
Aufgrund seiner heftigen Reaktion auf die Verfehlung seiner Mitarbeiterin hatte sie tatsächlich große Hoffnung, dass ihre Sehnsucht nach Vergeltung befriedigt werden würde.
Ungeduldig, angespannt und Nägel kauend wartete sie auf die Entscheidung, die William Cunningham fällen würde. Als er allerdings seinen Mund öffnete, kamen nicht die Worte her-aus die sie erwartet hatte.
„Ich kann Ihren Zorn durchaus nachvollziehen, aber es ist für mich unmöglich Ihrem Wunsch nachzukommen, McDermott. Sie und Monroe werden auch zukünftig zusammenarbeiten, also werden Sie lernen müssen zu koexistieren“, führte er unberührt aus und zerstörte damit all ihre Hoffnungen. „Es geht um meine Geschäfte. Es geht um Professionalität, Loyalität und Erfolg. Ich kann keine Streitigkeiten und persönlichen Fehden gebrauchen.“
Emilias Miene gefror zu Eis als sie seine egoistischen Parolen hörte, die ihr deutlich zeigten wie gleichgültig ihm ihre Gedanken und Gefühle waren. Ihm ging es nur um sich selbst. Mal wieder.
Es war nie anders gewesen und deshalb ärgerte sie sich maßlos über ihre eigene Naivität und Dummheit. Wie hat sie allen Ernstes glauben können, dass er hinter ihr stehen und bei Ophelia durchgreifen würde? Scheiße, scheiße, scheiße!
Die blonde Killerin ballte die Hände zu Fäusten und hätte William gerne eine verpasst, doch sie zügelte sich. Mehrmals atmete sie tief ein und aus und versuchte sich zu beruhigen was sogleich von ihrem Boss und ihrer Kollegin durchkreuzt wurde. Denn sie tauschten vielsagende und intime Blicke aus, die ihr den Rest gaben und sie kurzerhand aufspringen ließen.
„Ich verschwinde“, sagte sie in einer recht gelassenen Tonlage obwohl ihr Puls raste und sich vor Hass ihre Kehle langsam zuschnürte.
„Ich ertrage das hier nicht mehr. Ich habe genug.“ Und ehe die Gefahr bestand, dass sie sich noch ein weiteres verlogenes Wort von ihnen anhören musste, rauschte sie davon und ließ in diesem Moment nicht nur die Terrasse des Cafès hinter sich sondern auch die Zuversicht, dass das von Ophelia an ihr begangene Unrecht irgendwann gesühnt werden würde.
 
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