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9 Seiten

Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 40 - KEIN TITEL, NUR OVERKILL

Romane/Serien · Nachdenkliches
Ob er schon im Bett liegt? Dann könnte ich mich einfach zu ihm legen, ganz still. Irgendwo in seiner Wohnung brennt Licht, es kommt aber nicht aus dem Schlafzimmer, sondern aus der Küche. Er ist also noch wach.
Ich sehe Hardy, er sitzt am Küchentisch - ihm gegenüber eine wunderschöne Frau. Er hat nur seine Hose an, und er hält die Hand dieser Frau. Zärtlich? Ja.
Das ist zuviel! Meinem Mund entweicht ein klagender Laut, und die beiden Akteure - klar sind es Akteure - schauen mich überrascht an. In Hardys Blick steht Entsetzen. Oder ist es nur Ärger darüber, dass ich ihn beim Liebesspiel störe? Er lässt meinen Blick nicht los und wagt es tatsächlich, mir in die Augen zu schauen!
Jetzt ist es passiert: Das, wovor ich von Anfang an schon Angst hatte. Er mit einer anderen Frau. Die Blase der Illusion ist endgültig geplatzt und die Wirklichkeit hat mich voll erreicht.
Ich muss ihn anstarren, es geht nicht anders, ich hasse die Frau und und ich hasse ihn, nein, ich kann ihn doch gar nicht hassen.
Er lässt die Hand der Frau los, steht hastig auf - und verheddert sich beim Anziehen seines Hemdes, das wohl auf dem Boden gelegen hat.
„Ich wollte dir nur die Schlüssel geben“, sagt etwas in den Raum hinein. Es hört sich seltsam hohl an. Jetzt sich nur keine Blöße geben, ist doch alles im Normbereich, Hardy ist Hardy, Hardy hat Frauen und ich bin ein Nichts, aber das Nichts wird sich nichts anmerken lassen. Soll er doch mit anderen Frauen rummachen. Viel Vergnügen!
Ich drehe mich um und gehe langsam aus der Küche heraus, während alles in mir tobt und meine Nerven fast zerreißen.
Hinter mir ertönt ein Geräusch. Es hört sich an, als hätte Hardy einen Stuhl umgeworfen. Er ruft irgendwas, aber ich will es nicht verstehen. Wozu auch? Ich drehe mich nicht um, sondern gehe automatisch schneller durch das Wohnzimmer, aber das nimmt einfach kein Ende.
In einem Anfall von Verzweiflung werfe ich die Schlüssel an die Wand. Das Geräusch, das sie dabei machen, hallt verstärkt in meinen Ohren. Wo ist das Ende des Raumes, bin ich in einem Schwimmbecken und versuche gegen betonhartes Wasser anzulaufen? Ich komme ja kaum von der Stelle, Gedanken beschweren mich noch zusätzlich.
Die Zeit scheint still zu stehen, und ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit Hardy damals im Hawaai. Denke an die Vertrautheit, dieses nicht nur körperliche Gefühl. Und danach kam sofort die Enttäuschung: Der Hai in der Maske des brüderlichen Freundes. Ich kämpfe mich mühsam durch das Wasserzimmer. Irgendwann erreiche ich doch die Wohnungstür, öffne sie und ziehe sie dann entschlossen hinter mir zu.
Die Zeit läuft wieder normal, ich kann meine Schritte beschleunigen und poltere die Treppe hinunter.
Zitternd hantiere ich mit dem Autoschlüssel herum, bis ich ihn schließlich ins Schloss bekomme. Ich starte den Karmann und setze ihn ohne zu schauen rückwärts auf die Straße. Just in diesem Moment öffnet sich die Haustür und Hardy erscheint, er ist immer noch halbnackt, nur mit seiner Hose bekleidet und ich höre seine Stimme ... „Bitte bleib doch, es ist alles ein Missverstän...“
Was er sagt, will ich nicht hören. Ich gebe schnell Gas und schaue nicht zurück, ich muss irgendwohin, wo er mich nicht erreichen kann, denn es ist aus. Quatsch, es hat ja nie richtig angefangen! Und Missverständnis? Haha, wie blöd kann man sein, um das als Missverständnis zu sehen? Ich jedenfalls kann es nicht.
Es fängt an zu regnen, und ich schalte die Scheibenwischer ein. Es ist aus, surren sie monoton vor sich hin: Es ist aus ... es ist aus ... Ich fahre, als wäre der Teufel hinter mir her, ich fahre bei tiefgelb und einmal bei vollrot über die Ampeln, dem Himmel sei Dank passiert nichts, ich will nur noch nach Hause und mich in meinem Bett verkriechen.
Doch als ich dort ankomme, geht es mir kein bisschen besser. Warum? Alle Männer, mit denen ich in diesem Bett gelegen habe und die von Liebe sprachen, sind verschwunden. Nur Hardy - der nie von Liebe sprach - spukt noch dieser Wohnung herum. Der war wenigstens ehrlich. Was für ein Trost!
-*-*-
https://www.youtube.com/watch?v=p1qNOfdMyGA (Vivaldi - der Winter)
Ich erwecke bestimmt den Eindruck einer Wahnsinnigen, als ich Andrea alles erzähle.
„Du hättest ihn zur Rede stellen sollen“, sagt sie. „Ich hab ja immer gedacht, dass du viel für ihn empfindest - und er auch für dich. Denk doch mal an das Kartenlegen ...“
„Bist du verrückt? Was hätte ich da zur Rede stellen sollen? Die Situation war eindeutig! Er hat mir nie was versprochen und ans Kartenlegen glaube ich sowieso nicht!“
„Hmmm ...“, Andrea schüttelt nachdenklich den Kopf.
„Und jetzt geh ich noch mal weg“, sage ich trotzig. Stimmt, ich muss irgendwo in der Gegend herumlaufen und vor mich hingrübeln, ich muss irgendwo was trinken, obwohl das Trinken heute Nacht nicht viel bringen wird. Aber was anderes bleibt mir nicht.
„Ich komme mit“, bietet Andrea mir an.
„Danke, Andrea, aber nein, ich muss alleine weg! Vielleicht gehe ich ja zu Bruce“, sage ich aufsässig. „Und falls dieser Hardy anrufen sollte, dann kannst du ihm sagen, ich wäre zu Bruce gegangen, um mich von ihm ficken zu lassen.“
„Mach jetzt keinen Scheiß, Tony!“
„Ich hab schon genug Scheiß gemacht, also kommt's darauf auch nicht mehr an!“ Bei diesen Worten ziehe ich meine Jeansjacke an, hänge mir meine kleine Tasche quer über die Schulter, greife mir meine Schlüssel und laufe hinaus.
Es regnet immer noch. In kürzester Zeit sind meine dünnen Turnschuhe durchnässt, weil ich immer in Pfützen trete, aber das ist mir egal.
Zuerst gehe ich in Richtung Nick's Café, es ist voll dort, ich quetsche mich an die Theke, setze mich auf einen gerade freigewordenen Barhocker, brüte vor mich hin, trinke zwei Glas Rotwein und mache mich eine Stunde später auf den Weg zum Klonk.
Vorher will ich wirklich bei Bruce vorbeigehen, seine WG liegt ja in der Nähe, aber als ich dann vor seinem Haus stehe, kann ich mich nicht dazu überwinden. Denn es ist falsch und ich habe Ralf ja auch versprochen, von jetzt an ‚brav’ zu sein. Fragt sich nur, warum? Das Bravsein bringt doch gar nichts.
Im Klonk treffe ich Parker ohne Cornelia an, und Parker hat keine anderen Sorgen, als mich zu fragen, ob ich mit Ralf geschlafen hätte. Ich verneine das. Stimmt ja, er hat uns vor ein paar Wochen im Klonk gesehen, als wir das Liebespaar spielten. Hat er nicht mitgekriegt, dass ich mit einem anderen Mann in der Zeche Bo war? Ach ja, der andere Mann ist mittlerweile Legende ... Wieder überkommt mich ein Gefühl der Verzweiflung.
Ha, Parker hat doch noch andere Sorgen, nämlich Stress mit Cornelia. Die ist ausgezogen. „Ihre Familie kann mich überhaupt nicht leiden“, jammert er rum.
„Ja, wirklich tragisch ...“ Er bemerkt den Hohn in meiner Stimme nicht.
„Ich hab sie natürlich ein paar Mal etwas hart angefasst ...“
„Du hast was? Bist du irre!?“ Was soll ich ihm raten? Er ist nun mal ein Drecksack, mit oder ohne meinen eigenen Beitrag an Gefühllosigkeit. Das habe ich mittlerweile kapiert. Klar war ich nicht gut für Parker, aber im Grunde taugt er nicht viel.
„Sambuca, aber einen Doppelten“, ordere ich bei der Bedienung. Der doppelte Sambuca wird schnell serviert und ich stürze ihn hinunter. Normalerweise würde ich ihn schlückchenweise trinken, um seinen Geschmack voll auszukosten, aber heute nicht, heute ist alles anders.
„Werde endlich erwachsen, Junge. Das mögen die Frauen.“ Das ist der einzige Rat, den ich ihm geben kann.
„Bleib doch hier“, sagt er. „Ich hab schon oft bereut, dass wir uns getrennt haben. Mit dir war es anders. Und vielleicht könnten wir ja wie...“
„Eher friert die Hölle zu!“ Oh je, hoffentlich nimmt er mir das nicht übel, denn er ist nachtragend, aber auch das ist mir im Moment egal. Ich bezahle, muss weg von hier. Muss ins Hawaii, zurück zu den Wurzeln, es ist zwar schon ein Uhr, aber immer noch früh genug, um dort hinzugehen.
„Mach's gut, Parker. Du hast es in der Hand.“ Ich verabschiede mich von ihm, mache mich auf den langen Weg zum Hawaii und frage mich währenddessen, ob ich die Person bin, die anderen in Liebesdingen einen Rat geben kann. Wie lächerlich! Hatte ich es in der Hand? Nein. Oder vielleicht doch? Und wenn schon, jetzt ist alles gelaufen.
Es regnet immer noch, aber das stört mich nicht weiter. Ich bin zwar ziemlich nass, aber mein Körper scheint die Nässe zu ignorieren. Nach einer dreiviertel Stunde lande ich im Hawaii. Die dumpfige Wärme dort empfinde ich als angenehm. Es ist schon recht leer und ich setze mich an die Theke. Das Trinken habe ich aufgegeben, denn es würde sowieso nichts bringen. Ich sehe Harald, meinen Kumpel von dieser seltsamen Grillparty, fast hätte ich es mit ihm getrieben und daran wäre nur Hardy schuld gewesen wegen der geilen Kusine. Aber ich hab's ja nicht getan. Ich winke Harald kurz zu - und er winkt zurück. Gut so, denn reden könnte ich jetzt nicht mit ihm.
Irgendwann stelle ich mich vor die Tanzfläche, um den Tanzenden zuzuschauen.
Vor ein paar Monaten stand ich auch hier, ich glaube sogar, es war die gleiche Stelle. Kurz vorher hatte ich dort mit Susanne engumschlungen getanzt, aber das mochte ich nicht. Und dann hat er mich angequatscht. So viele Gedanken drängen sich qualvoll an die Oberfläche, vor allem dieses Gedicht mit dem Strom ...
Wie konnte ich so naiv sein, zu glauben, dass dieser Mistkerl sich ändert. Es war von Anfang an ein einziger Krampf mit uns beiden. Und ein Kampf war es auch. Wir haben uns belauert und behakt. Und ich habe verloren. Ich habe ihn verloren, Falsch, er hat mir nie gehört, also konnte ich ihn gar nicht verlieren. Nein, ich habe mich selber verloren. Weil ich mich nicht ändern konnte? Ich hätte jede Gelegenheit dazu gehabt. Warum habe ich keine davon genutzt?
Ich will nicht mehr dran denken. Die Sache ist vorbei. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass es so weh tun würde, ich dachte, ich hätte alles unter Kontrolle. Das hatte ich wohl nicht. Es war wie der Tanz mit einem Tiger, und den kann man nicht überleben, geschweige denn gewinnen. Ich glaube, ich drehe allmählich durch. Ach was, ich bin schon voll durchgedreht.
Die letzten Monate gehen mir durch den Kopf, es ist viel passiert, Schlechtes, aber auch Schönes. Und das mit Hardy war schön, teilweise jedenfalls.
Gleich werden sie ‚La vie en Rose’ spielen, die Ansage, dass Feierabend ist. Aber ich werde nicht so lange bleiben, bis sie mich rausschmeißen. Ich kann nicht mehr stehen, meine Beine knicken unter mir weg, mein ganzer Körper tut mir weh, die Nässe dringt allmählich durch und mit ihr die Kälte. Warum bin ich überhaupt hier?
Ich drehe mich um, will hinausgehen - und rassele in jemanden hinein, der direkt hinter mir gestanden hat. „Sorry!“, sage ich und will mich vorbeidrängeln, aber ich werde festgehalten.
„Was zum Teufel ...!“ Ich will die Person anschnauzen, die mir so schnöde den Weg versperrt, aber ... es ist Hardy, und er macht ein Gesicht zum Fürchten. Das sieht man sogar im Dämmerlicht des Hawaii.
„Los komm!“, sagt er, nimmt meine Hand und zieht mich raus aus dem Laden.
Ich versuche mich loszureißen, aber sein Griff ist wie eine Schraubzwinge, also gehe ich widerwillig mit, denn ich will hier kein Aufsehen erregen, indem ich mich mit einem Typen herumzanke.
Draußen öffnet er die Beifahrertür seines Volvos, schubst mich hinein, wartet, bis ich meine Beine drin habe, knallt die Tür zu, steigt auf der Fahrerseite ein und fährt los in Richtung meiner Wohnung.
Ich sehe permanent nach rechts aus dem Fenster, weil ich Hardy nicht ansehen will.
Er sagt nichts. Will er mir jetzt den Rest geben? Schweigen ...
Wir sind da. Ich steige aus und schelle an, aber niemand öffnet mir. Andrea ist anscheinend nicht mehr da. Also schließe ich mit klammen Fingern erst die Haustür auf, dann meine Wohnungstür.
„Ich habe Andrea nach Hause gefahren“, sagt Hardy hinter mir. Ich schaue ihn verblüfft an. Er war also heute Abend schon mal hier?
„Ich habe mich ein bisschen mit ihr unterhalten“, Hardy lächelt und das ist kein gutes Zeichen. Es handelt sich nämlich um sein grimmiges Lächeln. Und worüber haben diese beiden sich wohl unterhalten?
„War sie Jekyll oder Hyde?“ Hoffentlich hat sie ihn nicht angemacht, möglicherweise mit Erfolg angemacht. Ich glaube, das würde ich ihr nie verzeihen.
„Was zum Teufel meinst du damit?“
Zitternd stammele ich: „Jekyll ist gut, Hyde ist schlecht, weil besoffen.“
„Nein, sie war wohl Jekyll!“ Er sagt das irgendwie unwirsch.
Gott sei Dank! Aber was denke ich da? Es ist alles aus, und ich bin eifersüchtig auf Andrea? Das wird ja immer schlimmer!
Jetzt erst merke ich, dass meine Turnschuhe total durchnässt sind und ich gehe ins Schlafzimmer, ziehe die kaltfeuchte Jeansjacke aus, streife mir einen warmen Pullover über - und friere immer noch. Ich kehre zurück ins Wohnzimmer, setze mich auf das große Sofa und fange an, mir die Turnschuhe auszuziehen, aber das ist mühsam, weil meine Finger eiskalt und steif sind.
„Lass mich das machen.“ Hardy kniet sich vor mich hin und lockert die Schnürsenkel. Er macht das sehr geschickt, zieht mir dann die Schuhe und danach auch meine klatschnassen Socken aus, während ich ihm fasziniert dabei zuschaue.
„Herrgott, bist du eigentlich bescheuert?“, meckert er mich an. „So dünn angezogen draußen rumzulaufen? Und wo warst du eigentlich überall? Ich habe dich immer knapp verpasst. Oder ich war zu früh da.“
Er regt sich tatsächlich auf. Und ich bin froh, dass er da ist, wenn ich auch nicht weiß, was er von mir will. Er holt von irgendwo ein Handtuch her und trocknet mir damit die Füße ab. Dann setzt er sich neben mich auf das Sofa, das ja eigentlich MEIN Sofa ist, dreht mich zur Seite - so dass meine Füße auf seinem Schoß liegen - und wärmt sie mit seinen Händen.
Ich spüre, dass ich rot im Gesicht werde und schaue wie gebannt auf seine Hände. Es ist ein wunderbares Gefühl, von ihm die Füße gewärmt zu bekommen. Es wärmt mir mein Herz, von dem ich glaubte, es wäre gar nicht da. Doch dann schiebt Hardy meine Füße weg, er steht auf und fängt an im Zimmer herumzugehen. Ruhelos, wie mir scheint.
„Was ist eigentlich los mit dir, Zuckerpuppe“, sagt er. „Was haben wir für ein Verhältnis? Ich möchte es gerne wissen, denn ich bin stinksauer auf dich mittlerweile!“
Das kommt voll unerwartet. Ich schaue ihn verständnislos an, vermisse seine Hände an meinen Füßen und kapiere zuerst gar nichts.
„Ja, DU bist gemeint! Was haben wir miteinander? Bin ich nur dein sexy Lover? Bin ich nur der Typ, der dir gute Orgasmen verschafft? Könnte nahe an der Wahrheit sein, oder etwa nicht? Sag es mir, falls ich mich irre! Ich habe nämlich dieses Rumeiern satt!“
Er schaut mich an auf eine seltsame Weise, die mir fast Angst macht. Aber ich kann nichts sagen, bin zu verwirrt. Nach Monaten, in denen nur über Belangloses gesprochen wurde, kommen jetzt auf einmal nackte Tatsachen auf den Tisch. Und eigentlich sollte doch ich die Beleidigte sein, denn ich habe ihn vor ein paar Stunden mit einer anderen Frau erwischt. Ich starre ihn nur an.
„Du hast jede Menge andere Leute, zum Beispiel deine Freundin, mit der du stundenlang telefonierst. Mich rufst du ja nie an, es sei denn, du hättest einen Notfall. Und du hast deinen Freund Ralf, der auf Wunsch vorbeikommt, um hier alles zu richten. Herrgott noch mal, der Mann ist verliebt in dich, aber du bist natürlich zu blöd, um das zu schnallen. Und sogar mit dieser Kuh Medusa verbringst du mehr Zeit als mit mir!“
Das muss ich erstmal alles sacken lassen. Verhältnis mit Hardy? Keine Ahnung. Stinksauer? Warum? Ralf in mich verliebt? Nein. Ich blöd? Ja. Sexy Lover? Ja, aber es steckt viel mehr dahinter. Ich muss überlegen ... Es kommt alles so plötzlich.
„Ralf hat doch jeden Monat eine neue Freundin, und ich putze ihm die Küche, wenn er was für mich repariert hat. Und jetzt hat er doch Andrea, und Madame habe ich seit Wochen nicht mehr getroffen!“ Hilfe, hoffentlich merkt er nicht, dass ich Madame bei diesem seltsamen Grillfest mit Harald nur vorgeschoben habe ...
„Ich glaube nicht, dass er Andrea hat! Warum war er nicht in deiner Wohnung mit ihr? Ich sag's dir: Er wollte nicht in deinem Bett mit ihr schlafen!“
„Das ist doch Quatsch!“
Hardy schaut mich nur skeptisch an und sagt dann: „Ich habe dein kleines rotes Buch gelesen.“
Oh je, jetzt wird's schlimm, er hat mein Adressbüchlein gelesen, in dem alle meine Exliebhaber und Freunde aufgelistet sind, teilweise sogar mit Straße und Hausnummer. Und ein paar seltsame Gedichte stecken da auch drin, das mit dem Strom zum Beispiel. „Das darfst du gar nicht!“
Hardy ignoriert meinen Einwand: „Ich wollte deinen Bruce besuchen. Andrea erwähnte so was.“ Er macht eine sehr effektvolle Pause, bevor er weiter spricht, „um ihm was vors Maul zu hauen, wenn du da gewesen wärst!“
„Ich war aber nicht da. Und es ist auch nicht mein Bruce“, krächze ich irgendwie - und bin heilfroh, dass ich nicht da war.
„Mädel, Mädel, du bist die arroganteste, selbstständigste und auch eigensinnigste Person, die ich kenne. Ich mag das, aber manchmal geht mir das ein bisschen zu weit.“
„Wer? Ich? Das alles bin ich nicht!“
„Und stur bist du noch dazu!“
Er setzt sich wieder zu mir: „Na los, her mit den Füßen! Die sind doch bestimmt noch kalt.“
Ich bin froh, dass er wieder nahe bei mir ist und lege meine Füße auf seinen Schoß. Es ist wunderbar, sie gewärmt zu bekommen. Seine Hände mag ich, ich mag alles an ihm. Ich mag, wie er mich anmeckert. Ich habe mich zwar nie so gesehen, aber ich bin selbstständig und bilde mir viel darauf ein. Und eigensinnig bin ich auch. Er hat mit allem recht. Diese meine Eigenschaften nerven ihn bestimmt und trotzdem erträgt er mich. Wieder spüre ich einen Kloß im Hals und muss schlucken.
„Verflucht Tony, was also denkst du von mir?“
Das Verhör geht also weiter. „Ich denke das, was ich höre und sehe!“
„Gut, du hast mich mit einer Frau erwischt. Ich hatte die Nase voll von dir, seitdem ich dich mit diesem Bruce am Nürburgring gesehen habe. Mich hast du nie so geküsst. Deswegen war ich so aufgebracht und habe dich bedrängt, ich hatte vorher schon so ein Gefühl und als ich zu dir kam, hast du dich seltsam verhalten, irgendwie schuldbewusst. Mist! Ich konnte es nicht ertragen, ich wollte Schluss machen, weil ...“, er redet nicht weiter.
„Weil was?“ Meine Stimme hört sich schwach und zittrig an.
„Weil ich dachte, es hätte keinen Sinn. Ich konnte dich nicht erreichen, du warst so cool und so uninteressiert an mir, und jedes Mal, wenn ich dachte, ich wäre dir näher gekommen, dann hast du mich ungerührt verlassen. Und das am Nürburgring war der Gipfel, dich mit einem anderen Mann zu sehen, nein, das ging gar nicht!“
„Ich habe dich heute Abend auch gesehen, und das war bestimmt mehr als ein harmloser Kuss. Lenk nicht davon ab.“
Hardy schiebt meine Füße zur Seite und steht wieder auf. Er schaut von seiner vollen Höhe auf mich herab und sagt:
„Und ICH habe heute Abend deinen Bruce besucht. Also erzähl DU mir nichts über Untreue!“


PS: Ein Teil kommt noch, und danach werde ich mich dem neuen Roman zuwenden.
 
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Kommentare  

Danke schön, liebe Irmgard. Ich liebe deine Kommentare, denn die haben mich und mein Geschreibsel immer aufgebaut. Ich hab immer so ein trauriges Gefühl, wenn ein Roman fertiggestellt ist, aber es wird schon weitergehen.

Ingrid Alias I (05.12.2021)

Ich rede kein Blech, wenn ich sage: Einfach ein toller Roman. Diese beiden Raubeine, wie die doch noch zusammenfinden, dass ist so süß und lebensecht beschrieben. Ein Kapitel was mir ganz besonders gut gefallen hat. Auch insgesamt ist dir die ganze Geschichte sehr gelungen. War mir eine Freude sie zu lesen. Ich freue mich schon auf den letzten Teil.

Irmgard Blech (03.12.2021)

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