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Kopfbahnhöfe, Teil 15 - GEWISS INS UNGEWISSE

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Mittlerweile habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet. Ich werde nach Daarau ziehen, denn was soll ich noch hier?
Spontan rufe ich meinen Vater an: „Sag mal Daddy, könnte ich bei dir im Souterrain wohnen? Ich würde dir natürlich Miete zahlen.“
Daddy stutzt wohl, aber dann sagt er: „Klar, du kannst jederzeit hier einziehen. Du musst aber keine Miete zahlen, es reicht schon, wenn du und ab und zu irgendwas mit Kümmel für mich kochst.“
„Danke Daddy, aber es gibt da noch ein Problem, nämlich meine Katzen. Sie sind die Freiheit gewohnt, die kriegen sie aber nicht bei mir. Könntest du sie sofort aufnehmen?“
„Kein Problem“, sagt er nach einer von mir lang gefühlten Bedenkzeit. „Ich mag diese Bastarde, sie sind so eigenwillig und selbstständig. Und du wirst dann auch meine neue Lebensgefährtin kennenlernen.“
„So schnell ist das gegangen, Daddy?“
„Sie ist eine wunderbare Frau, und ich liebe sie. Natürlich habe ich deine Mutter auch geliebt und ich denke viel an sie. Aber das Leben muss weitergehen.“
Da hat er recht, bei mir geht es ja auch weiter. Und hoffentlich ist diese Frau so wunderbar, wie er behauptet. Ich will nicht wieder auf eine Regina stoßen, die mich hasst und ausschalten will.
„Na gut, Daddy, bald werde ich mit den Katzen bei dir erscheinen. Keine Angst, ich bringe alles mit und werde jeden Freitag kommen, um sie für den Freigang zu trainieren.“
„Bist du dir sicher, dass du nur wegen der Katzen hier erscheinen wirst?“, fragt er und es klingt ironisch.
„Ich weiß nicht, was du meinst.“ Natürlich weiß ich, was er meint. Er ist ein furchtbarer Kerl, der alles mit Sex zusammenbringt und vermutlich auch mit Georg.
Ich muss ihn davon ablenken: „Ich bringe dir einen Kasten Stüdebecker mit, Daddy.“ Er liebt dieses herbe Pils, das es nur im Ruhrgebiet gibt. Es ist strenger und würziger als die leichten Biere, die in Daaraus Umgebung gebraut werden. Die sind so schwach, dass man davon kaum besoffen wird. Und Daddy liebt Großstadtzeitungen, die es in Daarau und im Umkreis auch nicht gibt, jedenfalls nicht im Abo. Also kaufe ich jeden Tag so eine und werde sie meinem Vater mitsamt dem Kasten Stüdebecker präsentieren. Und juchhu: Die Katzen noch dazu.
Trotzdem fühle ich mich unsicher. Was zum Teufel spinnt Daddy sich da zusammen? Ich und Georg? Ich habe schon von ihm geträumt und das war höchst erotisch. Aber er hat nie erkennen lassen, dass er mehr für mich fühlt als Freundschaft. Nein, ich will nur zur Ruhe kommen, will da wohnen, wo ich mich auskenne und wo es keine Verleumdungen gibt. Natürlich wird es stressig werden. Ich müsste meinen Job und meine Wohnung kündigen bis Ende Juni, also in zwei Wochen. Noch zögere ich die Kündigungen hinaus, aber die Katzen werde ich am nächsten Freitag nach Daarau schaffen, die wären dann mein Anker und ich hätte immer einen Grund, um dort zu erscheinen.
-*-*-
Dann gibt es noch meine Freunde. Als erstes Ralf, der demnächst in Berlin Informatik studieren wird.
„Du in Berlin, ich in Niedersachsen, das wären dann nur 200 Kilometer statt 400.“
„Hat seine Vorteile. Können wir machen. Gibt es dort einen neuen Lover? Und hat deine Haarfarbe was damit zu tun? Sieht übrigens gut aus!“
„Danke! Und nein, habe ich nicht!“ Doch dann gebe ich zaghaft zu: „Es gibt da aber einen Mann, den ich seit meiner Kindheit kenne.“
„Der muss ja einen nachhaltigen Eindruck auf dich gemacht haben“, Ralfs Stimme klingt spöttisch.
Ich streite das ab: „Aber Georg hat damit nichts zu tun. Ich will einfach dort neu anfangen. Hier ist nichts, was mich noch halten könnte. Außer dir und Andrea natürlich.“
Der praktisch gesinnte Ralf gibt sich damit zufrieden.
-*-*-
Kurz danach kommt Andrea zu Besuch. „Deine Haare sehen klasse aus! Der Kontrast zwischen blauen Augen und dunklem Haar ist einfach genial!“, sagt sie, während sie den schwarzen Kater Pascha streichelt. Der Schlingel hat ihr mal ein Steak aus der Einkaufstasche geklaut. „Und wie geht’s dir so?“, fragt sie mich.
„Viel besser. Ich werde nach Daarau ziehen und bei meinem Vater im Haus wohnen.“
Andrea ist sichtlich geschockt: „Oh nein! Warum tust du das?“
„Ich habe es satt! Ich will weder Hardy noch einen seiner Freunde jemals wieder treffen.“
„Ich kann dich verstehen, aber ich werde sehr einsam ohne dich sein.“
Ich muss lachen: „Du kannst mich jederzeit besuchen. Es gibt sehr viele geschiedene Männer in Daarau und alle sind scharf auf Großstadtfrauen. Vor allem auf so hübsche wie dich.“
„Das hört sich gut an!“ Andrea ist erstmal besänftigt.
„Aber einen solltest du nicht anmachen, sonst werde ich richtig böse!“
„Echt jetzt? Und wer ist dieser Wundermann?“
„Weiß ich nicht, ob er ein Wundermann ist, aber ich mag ihn sehr, er ist wie schwarzer Tee, erst aufregend, dann beruhigend. Und umgekehrt.“
„Das ist ja interessant“, sagt Andrea. „Sieht er gut aus?“
„Nein, er ist furchtbar hässlich, also nichts für dich!“
„Es scheint dir viel an ihm zu liegen, sonst würdest du nicht so heftig reagieren“, Andrea lächelt provozierend.
„Er ist nur ein Freund, und wir haben uns auch nur ein bisschen was geschrieben“, gebe ich verschämt zu.
„Es gibt noch Leute, die sich Briefe schreiben? Das ist toll! Ich habe noch nie jemanden kennengelernt, der mir Briefe schreiben wollte. Alle wollten mich nur ins Bett kriegen.“, Andrea hört atemlos auf zu reden und fragt dann: „Kann ich mal einen Brief von ihm sehen?“
„Nein! Natürlich nicht!!!“
„Schreibt er romantisch?“ Andrea fängt an zu kichern.
Jetzt werde ich sauer: „Quatsch! Er ist kein bisschen romantisch, er ist realistisch und holt mich immer auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich schreibe viel und er wenig. Und ich liebe ihn irgendwie.“
Upps! Was ist denn jetzt passiert? Ich muss diese Aussage sofort entschärfen. Sage also: „Na ja, so ein bisschen irgendwie. Ich weiß auch nicht, wieso und warum ...“ Automatisch halte ich mir die Hand vor den Mund und bin entsetzt. Ich liebe ihn irgendwie? Ich mag ihn nur sehr und könnte ohne ihn nicht mehr auskommen. Hilfe, das wird ja immer schlimmer! Blöd ist das, denn jetzt kann ich nicht mehr unbefangen mit ihm reden und umgehen. Dennoch aufregend und verheißungsvoll. Natürlich nur, wenn er mich auch lieben würde. Doch davon ist nichts zu lesen, nichts zu hören und nichts zu sehen. Nein, er empfindet nichts für mich, zumindest nichts für mich als Frau.
Andrea grinst vor sich hin. „Das muss ja wirklich ein Wundermann sein“, sagt sie anzüglich.
„Ach halt die Klappe - und wehe du rührst ihn an“, blaffe ich freundschaftlich zurück. Bei Andrea weiß man nie. Wenn die besoffen ist, macht sie alles an, was Hosen trägt. Und Georg ohne Hosen ist bestimmt verlockend. Ich muss mich davon ablenken und Andrea auch.
„Meine Wohnung wird dann frei werden. Ende September oder schon eher. Und du suchst doch eine ...“
-*-*-
Der Karmann ist bis zum Bersten gefüllt: 2 Katzenkörbe inklusive Katzen, 1 Katzenklo, Katzenstreu, Katzenfutter, 2 Löffel, 100 Pappteller fürs Futter, 1 Wassernapf, 1 verschließbarer Eimer für gebrauchte Streu und gebrauchte Pappteller, jede Menge Müllbeutel, Haushaltspapier, 1 Kasten Pils, Großstadtzeitungen. Und was Nettes zum Anziehen für mich. Das musste sein.
In der ersten halben Stunde haben meine Kater miaut und geklagt. Ich sprach zu ihnen, versuchte, sie zu beruhigen: „Jungs, es geht nicht zum Tierarzt, sondern in eine neue Freiheit.“ Kurz danach sind sie vor Erschöpfung eingeschlafen und ich konnte nachdenken. Georg weiß, dass ich kommen werde, aber er hat viel zu tun und ich werde ihn erst am Samstag sehen. Gut, darauf kann ich mich einstellen. Aber ich bin immer noch verwirrt wegen meiner Gefühle für ihn. Was wird daraus werden?
In Daarau angekommen: Daddy ist da und packt meine Sachen aus. Den Kasten Stüdebecker begrüßt er mit Begeisterung und die gesammelten Großstadtzeitungen legt er sofort auf den Küchentisch zum Lesen.
Er bringt die Katzenstreu ins Haus, während ich die Katzenkörbe trage. „Die scheinen nett zu sein“, sagt er. Er mag Katzen, jedenfalls mehr als Hunde. „Ein Krächzer kommt mir nicht ins Haus“, hat er mal gesagt. Muss lachen: Krächzer!
Ihr vorläufiges Katzenheim ist direkt neben meinem zukünftigen Zimmer. Ich locke sie aus ihren Körben heraus, sie schnüffeln natürlich erst herum, doch dann richten sie sich ein. Ein altes Sofa mit einer kuscheligen Decke steht bereit und ein paar Kissen liegen auf dem Boden. Sie werden es bequem haben. Außerdem gibt es einen abgewetzten Kletterbaum, damit sie nicht aus der Übung kommen, so kratzmäßig. Der steht praktischerweise vor dem Fenster, das sich wie üblich im Souterrain ziemlich weit oben befindet. Aber wenn sie raufklettern, können sie sehen, was hier am Rande des Dorfs los ist. Wird nicht viel sein.
Ich fülle die Pappteller mit Futter auf. Die Katzen zweimal am Tag zu füttern müsste reichen, sie fressen nicht viel und sind auch sonst nicht wählerisch, es sei denn, es gäbe gebackenes Hähnchen. Nur das Katzenklo dürfte am Anfang etwas Mühe machen.
„Der schwarze kommt auf Pfiff. Und der weiße ist ein bisschen dumm, aber lieb und ein guter Bettwärmer. Aber du hast ja schon einen.“
Daddy nickt unbekümmert. Nun denn, ich muss mich mit dieser Frau anfreunden, denn sie wird es sein, die meine Katzen fürs Erste versorgt.
„Und warum ist Georg nicht da?“, entschlüpft es mir. Au Mann, irgendwie bin ich durcheinander.
„Er hat noch in der Firma zu tun“, sagt Daddy. Es klingt süffisant. Warum? Er kennt Georg natürlich besser als ich, denn die beiden trainieren die Jugend des Daarauer Fußballvereins. Weiß Daddy eventuell, ob Georg gerade mit einer Frau rummacht? Falls ja, dann sagt er es mir nicht. Verdammte Männer, die halten immer zusammen!
Na gut, kein Georg, sondern Vaters neue Gefährtin kennenlernen. In der Küche treffe ich auf sie. Und ich muss sagen, sie gefällt mir: Sie ist üppig, herzlich und nett, sie heißt Djenny, das stand auf dem Türschild, kommt aus Jugoslawien, lebt schon seit vielen Jahren im Dorf, spricht sehr gut deutsch und sie hat was für uns gekocht.
„Du bist also die Tony“, sagt sie, während sie das Essen auftischt. „Dein Vater hat mir nicht erzählt, wie hübsch du bist.“ Sie lächelt mich an und ich verfalle sofort ihrem Charme. Außerdem schmeckt das Essen richtig gut. Es ist was Jugoslawisches gemixt mit italienischen Komponenten und mit Kartoffeln. Ist klar, Daddy ist bekennender Kartoffelesser.
„Ich muss unbedingt das Rezept für dieses Essen haben“, sage ich, während ich reichlich zulange.
„Kriegst du, aber als Erstes sollten wir uns um deine Katzen kümmern.“
„Ich zeig es dir gleich und ich hoffe, du hast nicht viel Arbeit mit den Jungs.“
Wo bin ich hier angekommen? Im Himmel? Ich weiß es nicht. Es fehlt nur noch eines, nämlich Georg. Wo steckt der Kerl? Hat er mich schon vergessen? Hat er eine Dorfschönheit geheiratet und mit ihr Kinder gezeugt? Mittlerweile kann ich mir alles Mögliche vorstellen - und alles davon erschreckt mich.
Was tue ich hier? Vielleicht das: Ich kann nicht vor mir selber weglaufen, also laufe ich irgendwohin. Und Daarau ist der beste Ort dafür, mit oder ohne Georg. Mit Georg wäre mir aber lieber.
Nach dem Essen gehe ich mit Djenny ins Souterrain und stelle ihr die Katzen vor. Sie schlafen. Die Pappfressnäpfe sind fast leer gefuttert, das Katzenklo ist auch schon besucht worden und ich mache es direkt sauber. Ein Eimer mit zwei Müllbeuteln ausgekleidet steht bereit. Man kann gebrauchte Streu und gebrauchte Pappteller hineingeben, den Eimer mit einem Deckel verschließen und dann alle zwei Tage die Beutel in die Mülltonne entsorgen.
Djenny lobt mich für diese Idee. „Die machen wirklich kaum Arbeit, liebe Tony, aber nur, weil du alles so gut durchdacht hast.“
Ich mag diese Frau, sie ist viel mütterlicher als meine eigene Mutter es je war. „Wie alt bist du, Djenny?“, frage ich sie neugierig.
„43 Jahre alt“, sagt sie.
„Du bist doch noch jung! Könnte es sein, dass ich noch ein Brüderchen bekomme? Das wollte ich früher immer haben, hat aber nicht geklappt.“
„Nein“, sie schüttelt den Kopf. „Das Kinderkriegen hat bei mir auch nicht geklappt. Und seit dem Tod meines Mannes hatte ich mit allem abgeschlossen, mit den fehlenden Kindern und vor allem mit der Liebe.“
„Ach du Arme!“ Ich muss sie kurz an mich drücken. Ich mag Djenny, ich mag sie sehr!
-*-*-
Ich kann nicht einschlafen, liege in dem breiten Bauernbett und friere. Es ist Mittsommernacht und es ist kalt in Daarau. Ist es die Schafskälte, oder sind es die Eisheiligen? Ist mir egal, denn meine Füße wären so oder so kalt. Ob Georg die mir wärmen würde? Ach Quatsch! Georg ist auch nur eine fiktive Einbildung von mir. Wunschvorstellung! Obwohl: Fick tief, Himmel, ich will es, ich bin erregt, aber so was von, ich stelle es mir vor, er dringt in mich ein und schaut mich dabei an, und ich bäume mich ihm entgegen, es geschieht und es ist gut, so gut ...
Nein, ich muss das verdrängen, grübele vor mich hin und komme zu dem Schluss, dass ich – egal was mit Georg passiert – hier leben werde und einen Job brauche. Daddy hat Beziehungen zur Kreisverwaltung, er arbeitet auf dem Bauamt und hat mehr Ahnung als die studierten Sesselfurzer, wie er sie nennt, denn er hat selber auf dem Bau gearbeitet als Zimmermann, hat Eisen gebogen in schlechten Zeiten und sich als Subunternehmer bewährt. Ich frage ihn einfach, und wenn es nicht klappt, dann werde ich putzen gehen.
Ich schaue nach den Katzen. Sie schlummern. Kiddies Pfote zuckt im Schlaf, er träumt bestimmt von einer Maus, die er fängt. Leise schließe ich die Tür zum Katzenzimmer und schlafe sofort danach ein.
-*-*-
Es gibt ein schönes Badezimmer mit Dusche und Wanne im Souterrain, duschen werde ich später, jetzt wasche ich mir nur den Schlaf aus den Augen und kämme meine Haare kurz. Sie sind ganz schön gewachsen, reichen bis auf meine Schulter und die neue Farbe finde ich toll.
Ich gehe die Treppe hoch ins Erdgeschoss, habe nichts an als einen schwarzen Hoodie mit Kapuze, eine karierte Pyjamahose und warme Socken. Ich habe mich entschieden: Ich werde in Daarau bleiben, egal was passiert.
„Daddy, was hältst du davon, wenn du mir einen Job besorgst?“, tröte ich fröhlich in die Küche hinein.
Ich merke erst im Nachhinein, dass da mehrere Personen sitzen, Daddy natürlich, Djenny, meine Tante Gertrud - und oh Schreck: Georg!
„Warum seid ihr immer so schrecklich früh wach?“
„Weil es vielleicht schon Mittag ist?“, antwortet jemand, und ich weiß genau, wer es ist, nämlich Georg. Ich registriere, dass er mich erstaunt anguckt. Tja, die Blondine ist weg.
„Hallo Tante Gertrud“, ich gehe um den Tisch herum und küsse sie auf die Wange. Sie lächelt mich an, sie ist die ältere Schwester meines Vaters und eine sehr liebevolle und mütterliche Frau.
„Hallo Djenny“, auch sie küsse ich auf die Wange. Daddy klopfe ich nur auf die Schulter.
„Hallo Georg!“, sage ich kurz und beachte ihn dann nicht mehr.
Denn das Frühstück - oh, das ist lecker, es gibt gebratene Eier in einer pikanten Tomatensoße, es gibt überbackenen Toast mit Käse, es gibt heißen Kaffee. Himmel, diese Djenny ist eine Superfrau und Köchin. Und Moment mal, das ist gar kein Frühstück, es ist das Mittagessen, wobei der Kaffee nur für mich Spätaufsteherin bestimmt ist.
Mein Vater langt ordentlich zu, man sieht ihm förmlich an, wie gut es ihm schmeckt. Er hat noch nicht auf meine Frage geantwortet. Aber schließlich wischt er sich den Mund mit einer Serviette ab und sagt: „Ich werde mich mal erkundigen. Wenn ich deiner Kusine einen Job verschafft habe, dann kann ich das bei dir auch!“
„Das wäre schön, Daddy!“
Ich fühle mich befangen, es ist Georg, der mich befangen macht. Warum geht er nicht weg? Wenn er weg wäre, dann könnte ich nach unten gehen und mir was Gescheites anziehen. Hilfe, ich passe nicht in dieses Dorf, wo Verwandte einen so früh besuchen ... Haha, von wegen früh, es ist schon Mittag! Schon bereue ich meinen Wunsch, hier zu siedeln. Das war Wahnsinn gepaart mit Wunschvorstellungen. Und die hatten wohl alle etwas mit Georg zu tun.
Tante Gertrud verabschiedet sich gerade. Und ich sitze immer noch hier mit meinem Brieffreund. Anscheinend ist er wirklich nur ein Brieffreund und sonst nichts.
Mein Vater turtelt gerade mit Djenny herum und ich nehme die Gelegenheit wahr, um mich zu verdrücken. Unauffällig stehe ich auf und will mich ins Souterrain zurückziehen.
Oh, es ist Georg, der mich festhält. Und schon werde ich weich. Habe ich darauf gewartet? Vielleicht ...
„Ich möchte dir etwas zeigen“, sagt er.
„Kann ich vorher noch duschen und mir was Netteres anziehen?“
„Nein, natürlich kannst du so bleiben, du siehst so unschuldig aus mit dieser Hose. Und was ist mit deinen Haaren passiert? Steht dir aber gut!“
Das besänftigt mich. Georg ist der erste Mann seit Monaten, der sich irgendwie für meine Hose interessiert. Vielleicht auch für das unter der Hose? Das fände ich interessanter. Ich habe mir ja in letzter Zeit einiges mit ihm vorgestellt. Oh ja ...
„Ich muss mich erst um meine Katzen kümmern. Wenn du willst, kannst du später vorbeikommen.“
„Gut, mein Stern, ich habe auch noch einiges zu tun. Dann also bis später“, sagt Georg.
Ich gehe ins Untergeschoss und schaue nach den Jungs. Sie fühlen sich wohl hier, sitzen auf dem Kratzbaum, schauen aus dem Fenster hinaus und träumen vielleicht schon von der Freiheit.
Und wie geht’s mir? Wieder befallen mich Zweifel. Vielleicht bin ich einer Fata Morgana hinterhergelaufen und in einer Wüste angekommen.
 
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