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4 Seiten

Eine Hundeseele namens Beppino

Kurzgeschichten · Für Kinder
Eine Hundeseele
namens Beppino

Kinder, hab ich euch schon mal die Geschichte vom Beppino erzählt? Nein, also ….
Beppino war eine Hundeseele die im Himmel wohnte. Wenn sie nicht gerade die Engel und andere Himmelsbewohner amüsierte, übte sie sich im Wolkenspringen. Von einer zur anderen springend, überquerte sie ganze Länder, Kontinente und Meere, manchmal innerhalb eines Tages. Dabei sah sie auch was sich unter ihr auf der Erde abspielte. Da gab´s Rehe die durch´ s Gras sprangen, Hasen, die über Felder und Wiesen hüpften und Vögel, die zwischen Bäumen hin und her flogen und, gleich ihr, ganze Länder überflogen, auch Fische in Flüssen und Seen sah sie an die Oberfläche des Wassers kommen und Kringel zu machen bevor sie wieder abtauchten. In den Städten liefen Menschen, manchmal mit, manchmal ohne Hunde durch Straßen und über Plätze. Obwohl das schon lange zurück lag, erinnerte sich Beppino daran, wie es war und allmählich wuchs in ihr der Wunsch, wieder ein Erdenleben zu führen. Also wurde sie bei ihrem zuständigen Schutzheiligen, dem heiligen Hubertus, vorstellig und bat um einen irdischen Hundekörper. „Aber mach mich groß“, bat sie, „ein Schäferhund oder am besten eine Dogge, das wär´ s!“ „Tut mir leid“, schüttelte Hubertus den Kopf, „es ist gerade keine gute Zeit für große Hunde, aber“, er hielt kurz inne, „du willst groß sein?, kein Problem, den Wunsch erfülle ich dir“, und er befahl Beppino, die Augen zu schließen. Allmählich sank die kleine Hundeseele zur Erde hinab … und blickte verdutzt und verdattert um sich denn sie fand sich auf zwei Handflächen liegen, die dem alten Anton gehörten. Der war sein Leben lang ein Schäfer gewesen, immer draußen bei Wind und Wetter, bei seinen Schafen; mit seinem Harass, einem Schäferhund, der auch die größte Herde zusammen hielt und sie bewachte. Doch nun war Anton zu alt für diese Aufgabe und sein Harass war ihm vor zwei Jahren gestorben. Er lebte allein in einem kleinen Zimmer zur Untermiete bei seiner verwitweten Schwester, der alten Minna, die dank seiner Miete ihre Wohnung behalten und finanzieren konnte. Er wollte gern nochmal einen Hund haben, aber in ein kleines Zimmer passt ja kein Schäferhund oder ein ähnlich großer Hund und so verband das Schicksal eines Tages Anton mit Beppino, der drei Monate zuvor zur Welt gekommen war. Welche Wege das Schicksal nutzte, um genau diese zwei Seelen zusammen zu führen, das bleibt wohl ein unerforschliches Geheimnis. Jedenfalls trug Anton den kleinen Beppino – jemand hatte ihm den Namen gegeben – woher und warum , das erzählen die Quellen leider nicht – freudestrahlend nach Hause und es war ihm, als hätte er den größten Lottogewinn gemacht. Auf den ersten Blick hatte er dieses zitternde Geschöpf mit den Knopfaugen lieb gehabt und zahlte den Besitzern von Beppinos Mutter fast den doppelten Preis, nur um ihn ganz sicher zu bekommen. Nachts schlief er beim Anton auf der Daunendecke, tagsüber räkelte er sich in einem großen Korb, in dem er wegen seiner geringen Größe fast verschwand. Durch die Minna erfuhr er was er war. „ Da schau an“, lachte das Weib und man konnte nicht in Erfahrung bringen, wie sie´s meinte, „ein Zwergterrier. Ja, der passt schon hier rein.“ Beppino war alles andere als begeistert. Er fühlte sich betrogen und belogen vom heiligen Hubertus.
„Mein Taschentuch ist größer und das passt in jede Hosentasche“, frotzelten die Skatbrüder abends in der Kneipe beim Bier, als Anton stolz seinen Familienzuwachs präsentierte. „Ist doch nix für´ n gestandenen Kerl; was willst denn mit so was?“ Anton tat gleichgültig, aber in der Seele taten ihm solche Spottsprüche arg weh.

Beppino bekam das beste, was es an Hundefutter gab. Täglich kochte der Anton ihm frisches Fleisch und mischte es mit Haferflocken. Dreimal am Tag gingen die beiden auf lange Spaziergänge. Weil er seinen Hund am liebsten frei, ohne Leine laufen lassen wollte, gingen sie immer raus hinter den Stadtrand, wo die Felder anfingen und anschließend Wiesen und Wald in Sichtweise kam.
Manchmal kann man in Tierseelen blicken und etwas erkennen, manchmal aber auch nicht und Anton hatte keine Ahnung, welch innerer Groll Beppino aufrieb. Diesen elendigen Hubertus wollte er zerreißen, aber das ging ja nicht, weil Seelen im Himmel nun mal keine Körper besitzen die man zerfetzen könnte.
An einem Sonnabend im August waren die Beiden wieder unterwegs, draußen, vor der Stadt, ging´s vorbei an Mais- und Kartoffelfeldern. Beppino schnüffelte und untersuchte eine der hochgewachsenen Maistauden. Anton saß auf einer Bank und schaute dem Bauern Hofmeister zu wie der seine Kartoffeln erntete. Es war warm und über Anton kam ein leichter Schlaf. Als er wieder zu sich kam, sah er gerade noch Beppinos Hinterteil im Maisfeld verschwinden. Er folgte ihm, rief und zwängte sich so gut er konnte durch die Stauden. Kein Bellen, kein Rascheln, nur der Wind bewegte die Blätter. Vor Aufregung und Sorge verlor er die Stimme und die Kraft verließ seine Beine. Das Glück wollte es, daß Bauer Hofmeister nebenan den komischen Kauz im Maisfeld verschwinden sah und sich wunderte, was der da drin verloren hatte. Er zog ihn an den Feldrand, hieß ihn auf den Traktor setzen und fuhr ihn nach Hause. Am nächsten Tag ging Anton wieder zum Maisfeld, diesmal mit Beppinos Lieblingsleckereien aber ohne Erfolg.
Beppino blieb verschwunden und sollte auch nicht mehr aus dem Maisfeld herauskommen. Dort gab´s eine Erdspalte, die den kleinen Körper verschluckte und es ihm unmöglich machte sich allein zu befreien. Nachts, als die Sterne über Stadt und Land leuchteten, hauchte Beppino sein kurzes, irdisches Leben aus.

Die Seele kehrte in den Himmel zurück und fand sich, so verdutzt wie seinerzeit auf Erden, nun vor dem heiligen Hubertus wieder, der ja an dem ganzen Unglück Schuld war. „Du Schwindler, du Betrüger“, empörte sie sich, „du hast mir versprochen, ich würde groß sein und schau an als was ich da unten leben musste. Ihr Schutzheiligen seid ein Haufen Taugenichtse. Ich werde mich beim HERRN beschweren über dich.“
„Ich hab dich nicht angelogen, Beppino“, verteidigte sich der Schutzheilige und lachte, „schau selbst!“, und er ließ ihn hinab zur Erde schauen. Da wurde es der Seele ganz schwer zumute, als sie den alten Anton auf seinem Bett liegen sah, die Minna zu ihm ins Zimmer kam und versuchte ihn zu trösten. „Hol dir halt ´n neuen Hund. Es gibt so viele im Tierheim, die ein neues Zuhause suchen. Er darf ruhig auch größer sein, als der letzte, nicht daß der auch irgendwo im Feld verschwindet.“ Doch Anton war außer sich. „ Was soll ich denn mit einem anderen Hund? Mein Beppino war das beste und größte was mir auf meine alten Tage beschieden war. Bis zu meinem letzten Tag wird er mir vor Augen sein. Lacht nur, haltet mich für verrückt, aber, das kleine Ding war einfach alles für mich und Ersatz will ich keinen und was euch betrifft; ihr habt bloß über ihn gelacht und seid gehässig zu mir gewesen. Das war nicht nett.“

Die Hundeseele wäre am liebsten sofort zur Erde hinabgestiegen aber das wurde ihr diesmal verwehrt.
„Weil du das, was man dir gab, nicht geschätzt hast, wirst du auch alles andere nicht schätzen. Aber du darfst nun warten bis die Zeit vom Anton, nach Hause zu kommen, erfüllt ist, dann werdet ihr wieder zusammen sein.
Wie lange Beppino nun genau warten musste, wissen wir nicht, aber jedenfalls gab´s eine riesige Willkommensfeier für die größte Hundeseele aller Zeiten, laut Anton.
 
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Kommentare  

Eine lesenswerte kleine Geschichte. Mit einer
guten Moral.
Gruß von


rosmarin (29.05.2023)

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