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29 Seiten

Rave

Romane/Serien · Erotisches
Bass, Laserlights, Rhythmus. Sie bewegte ihren Körper zur Technomusik, vergaß die Welt um sich herum, war eins mit dieser Masse aus Menschen, die genauso wie sie dem Alltag entfliehen wollten und im Feiern ihren Ausweg fanden. Natürlich war ihr bewusst, dass es lediglich eine Flucht vor der Realität war, aber hier konnte sie den Stress der vergangenen Woche hinter sich lassen und abtauchen in eine Welt aus Bässen, zuckenden Lichtblitzen und tanzenden Bewegungen. Sie glaubte gar, die Musik zu spüren, wie sie durch ihr Ohr in ihren Körper kroch und sich dann langsam fließend in allen Gliedern ausbreitete. Zuerst brachten die Melodien sie dazu, ihren Geist ganz der Fantasie hinzugeben, dann fingen die Beats an, ihr Herz schneller schlagen zu lassen und schließlich den Takt der Musik anzunehmen, und dann kroch der Rhythmus durch ihren Körper, in ihre Arme und Beine und übernahm die völlige Kontrolle über ihre Bewegungen.
Hearing the music is like seeing the colours of trance and feeling the power of acid.
Beim Tanzen schloss sie die Augen und dachte nicht mehr an ihren Job an der Kasse des Supermarktes, wo sie Tag für Tag ein freundliches Lächeln aufsetzen und so tun musste als sei die ganze Welt voll Sonnenschein, auch wenn es in ihr meist ganz anders aussah. Sie dachte nicht mehr an ihr Konto, das jetzt zum Monatsende schon wieder einmal hoffnungslos überzogen war, sie dachte nicht mehr an die Sorgen, wie sie mit ihrem kleinen Sohn über die Runden kommen sollte, und sich dachte nicht mehr all die quälenden Gedanken an die Zukunft, die wie eine undurchsichtige Nebelwand vor ihr lag und ihr Angst machte. Im Moment fühlte sie nur noch die Musik und dieses einzigartige Gefühl, das aufkam, wenn der DJ gut war und die Leute echte Stimmung und die Illusion einer Einheit verbreiteten.
Sie wusste nicht wie lange sie getanzt hatte, jegliches Zeitgefühl hatte sie von sich abfallen lassen, doch irgendwann forderte ihr Körper eine wohlverdiente Pause. Also schleppte sie ihre schmerzenden Füße zur nächsten Bar und bestellte sich einen Energydrink und ein Wasser. Drogen kamen für sie nicht in Frage, auch wenn sie manchmal merkte, dass sie nicht mehr die Kondition einer Sechzehnjährigen hatte, aber immerhin hatte sie Verantwortung zu tragen, und die würde sie um keinen Preis der Welt aufs Spiel setzen. Zu viele Freunde hatte sie gesehen, die sich durch Pillen oder Pappen kaputtgemacht hatten und sich und ihr Leben schließlich aufgegeben haben. Außerdem ging es auch so, und ihre Droge war eben die Musik. Als sie jetzt die kühle Flüssigkeit ihre trockene Kehle herunterrinnen ließ, sah sie sich ein wenig unter den Anwesenden um. Alle schienen guter Laune zu sein und den Freitagabend genauso zu genießen wie sie selbst, viele waren jünger als sie, fast noch Kinder, und erschreckenderweise hatten etliche von den Teenies unnatürlich geweitete Pupillen, was wohl eindeutig zu den Schattenseiten der Rave-Szene gehörte. Doch sie ließ sich ihre Laune dadurch nicht verderben, sah sich stattdessen die Herren, soweit man bei den Jungs hier von Herren sprechen konnte, an. Die meisten hatten eine Freundin oder flüchtige Eroberung im Arm, die anderen waren entweder zu jung, zu hässlich, zu überdreht, zu betrunken. Aber sie hatte ja sowieso mit der Männerwelt abgeschlossen, rief sie sich in Erinnerung, alles Idioten, alle plump und ohne Gefühle, alle gleich. Ihr erster fester Freund, das war jetzt über acht Jahre her, war fünf Jahre älter gewesen als sie, hatte sie auf der Party einer Freundin aufgegabelt, sie war mit zu ihm nach Hause gefahren, er hatte sie entjungfert, und am nächsten Tag wollte er nichts mehr von ihr wissen. Danach folgte eine kurze Affäre mit einem Typen, der sie zwar wirklich geliebt hatte, doch außer ihr noch zwei andere, und als sie dahintergekommen war, brach eine Welt für sie zusammen, und sie verlor zum ersten Mal das Vertrauen in ihre Menschenkenntnis. Auf einem Rave hatte sie dann einen Typen kennen gelernt, der sie zwar geliebt hatte und mit dem sie einige schöne Monate verbracht hatte, doch irgendwann fing er an, Pillen zu schlucken, jeden Abend breit zu sein, und das so lange bis sie es einfach nicht mehr ausgehalten hatte. Ihre letzte Beziehung hatte fast zwei Jahre gedauert, die sie immer noch zu den schönsten ihres Lebens zählte, doch als sie ihm schließlich eröffnete, dass sie schwanger war und das Kind auch bekommen wolle, hatte er wortlos die Wohnung verlassen, und sie hatte ihn nie wieder gesehen. Inzwischen hatte sie es gänzlich aufgegeben, nach ihrem Traummann Ausschau zu halten, denn den gab es genauso wenig wie eine Garantie für ewig gute Laune, das war ihr inzwischen klar.
Bevor sie jetzt allerdings ihre Laune einbüßen wollte, leerte sie schnell ihr Glas und kämpfte sich dann wieder zur Tanzfläche durch, von wo aus jetzt richtig schöner Schranz zu hören war. Tanzen war manchmal das einzige, was sie am Leben erhielt, glaubte sie, und ihr Kleiner natürlich, denn egal, wie beschissen das Leben ihr auch manchmal vorkam, ihr Sohn war das alles auf jeden Fall wert. Die mit Laserblitzen erhellte Tanzfläche hatte sich inzwischen etwas geleert, immerhin war es auch schon weit nach drei Uhr, doch die Stimmung war immer noch auf dem Siedepunkt, etliche Feierleutz tanzten ausgelassen zu den Bässen, die der DJ ihnen diktierte, und als sie sich unter die Menge mischte, wurde ihr sofort Platz gemacht, so dass sie wieder die große Illusion einer eingeschworenen Gruppe hatte, die hier zusammen dem grauen Alltag eine bunte Gegenwelt entgegensetzten.
I play mindgames tonight.
Es war fast so als seien sie alle an unsichtbaren Fäden befestigt, die der DJ in der Hand hielt und sie wie Marionetten im Rhythmus seiner Musik tanzen ließ, so dass nichts von außen an sie herandringen konnte und der Techno sie von innen heraus mit Zufriedenheit ausfüllte.
Diesmal schloss sie jedoch nicht die Augen, sondern beobachtete die Tänzer um sich herum, von denen ihr ein südländisch aussehender Typ besonders auffiel. Er war gut gebaut, hatte dunkle Haare, und sein Tanzen sah aus als schwebe er nur über den Boden, er war völlig eins mit der Musik, konzentrierte sich nur auf sich und, und das faszinierte sie wohl am meisten, er strahlte eine Zufriedenheit aus, die geradezu ansteckend war. Sie wusste nicht, ob er vielleicht auch drauf war, denn er hatte seine Augen geschlossen, aber auf jeden Fall schien er sich ganz in seiner eigenen Welt zu befinden, in der ihn nichts stören konnte. Während sie weitertanzte und ihren Körper an seine Grenzen führte, was für sie immer erneut befreiend war, beobachtete sie diesen Jungen aus den Augenwinkeln, konnte ihren Blick kaum abwenden, so perfekt, so fließend natürlich, so kraftvoll wirkten seine Bewegungen.
Nach einer Weile richtig guter harter Scheiben, schaltete der DJ einen Gang zurück, ließ sie alle aus ihrer Trance erwachen und legte nun eine Mainstreamscheibe auf, die auch wieder einige Kids auf die Tanzfläche lockte. Der Tänzer jedoch verzog seinen Mund zu einer missbilligenden Mine, und sich selbst dann aus der Menge zurück in Richtung Chillout-Area, die aus einigen Sofas in einer Ecke, in der die Musik nur gedämpft ankam, bestand. Ohne es bewusst zu wollen, folgte sie ihm und ließ sich schließlich auch auf eines der Sofas fallen, ihm genau gegenüber, so dass sie ihn eigentlich eher unbewusst genau beobachten konnte. Selbst wenn er nicht tanzte, gefiel er ihr ausnehmend gut, er hatte einen durchtrainierten Körper, ein ausdrucksstarkes Gesicht und einen ziemlich verführerischen Mund, doch sie wies den Gedanken von sich, weil sie ja wusste, dass man bei Männern nur Nieten ziehen konnte. Außerdem war er mit Sicherheit jünger als sie, wahrscheinlich kaum über zwanzig, und ganz bestimmt waren das Tanzen und das Aussehen seine einzigen Vorteile. Nach einigen Augenblicken erwiderte er ihren Blick, erhob sich dann und baute sich frech grinsend vor ihr auf.
„Wie kommt es, dass eine so schöne Frau wie du alleine unterwegs ist? Hast du niemanden, der auf dich aufpasst?“
„Also bisher konnte ich immer ganz gut alleine auf mich aufpassen.“
„Du hast ja keine Ahnung, was für schlimme Typen hier herumlaufen...“
Sie versuchte, ihn skeptisch anzusehen, aber so richtig wollte ihr das nicht gelingen, denn sie war es nicht gewohnt, von solchen Jungs, die bestimmt fünf an jedem Finger haben konnten, so offen angebaggert zu werden.
„Ach so, was denn für Typen?“
„Typen, die ganz wild darauf sind, einer Frau wie dir jeden Wunsch von den Augen abzulesen.“, entgegnete er immer noch schelmisch grinsend.
„Und was genau liest du in meinen Augen?“
Er beugte sich ein wenig zu ihr herunter, sah ihr direkt ins Gesicht, so dass sie es kaum wagte, sich seinem Blick aus tiefen braunen Augen zu entziehen, und auch sein Deo riechen konnte, das ihr ziemlich gut gefiel, dann antwortete er: „Also zunächst mal lese ich, dass du dringend etwas zu trinken benötigst. Hast du etwas dagegen, dass ich dich einlade?“
Ja, sie hatte etwas dagegen, wollte sich schon aus Prinzip nicht einladen lassen, schämte sich überhaupt dafür, dass sie ihm so plump ins Netz gegangen war, doch ihr Kopf nickte nur.
An der nächsten Theke schob er ihr mit einladender Geste einen Barhocker hinüber, setzte sich neben sie und bestellte noch bevor sie etwas erwidern konnte zwei ziemlich teure Cocktails, von denen er ihr den mit dem Namen „Beautiful Lady“ hinüberschob, während er sich selbst einen namens „Wild Night“ gönnte. Als er ihr zuprostete, erklärte er, er trinke darauf, dass er die bestaussehendste Frau mit den strahlendsten Augen und dem engelsgleichsten Gesicht hier einladen dürfe und zwinkerte ihr dabei zu. Eigentlich stand sie gar nicht auf solche Sprüche und fand es absolut schleimig, aber andererseits war sie selbst noch nie so behandelt worden, und dazu gelang es ihm wirklich, diese Masche mit Stil und Klasse durchzuziehen.
Kaum hatten sie ausgetrunken, stand er auf und fragte, ob sie noch tanzen möchte, und natürlich gelang es ihr wieder nicht, abzulehnen. Er dankte es ihr mit einem Lächeln und einem angedeuteten Handkuss, dann zog er sie zur Tanzfläche, von der alle Teenies inzwischen verschwunden waren, und auf der auch wieder gute Musik zu hören war. Sie drängten sich sofort in die Mitte, er sorgte dafür, dass sie Platz hatte, und auch wenn sie seine Gesten immer noch mehr als übertrieben fand, so genoss sie es doch, dass andere Mädels, die von ihren Freunden oder Eroberungen nicht so auf Händen getragen wurden, ihr neidische Blicke zuwarfen.
Beim Tanzen wusste sie erst nicht so recht, was los war, denn irgendwie hatte er es geschafft, sie aus dem Rhythmus zu bringen, doch als sie merkte, dass er sich ihrem Stil anpasste und zu jedem ihrer Schritte eine passende Gegenbewegung machte, wurde sie sicherer.
Zuerst tanzten sie noch ein Stück auseinander, doch schon bald kam er ihr immer näher, drängte seinen Körper an ihren, das brachte sie nicht aus dem Takt, sondern im Gegenteil, sie verschmolzen geradezu zu einer Einheit, viel enger noch als sie sonst das Gefühl hatte, mit allen Tanzenden eine Einheit zu bilden, und vor allem viel intensiver und viel schöner. Warum, wusste sie nicht, aber sie genoss es, seinen Körper so nah zu spüren, genoss jede seiner Bewegungen und wusste einfach, dass es nicht falsch sein konnte, wenn es so schön war. Außerdem wurde er keinesfalls zudringlich, sondern konzentrierte sich lediglich aufs Tanzen, auf die Musik und darauf, ihren Rhythmus in sich aufzunehmen.
There’s nothing wrong with just a little fun, we were dancing all night long.
Sie hätte noch stundenlang so weitermachen können, doch irgendwann machte ihr Körper einfach schlapp, ihr ging die Puste aus, und sie brauchte eine Pause.
„Möchtest du noch etwas trinken?“, fragte er, „Es wäre mir ein Vergnügen, wenn ich dich noch mal einladen dürfte.“
„Also wenn du darauf bestehst, mich einzuladen, dann wäre es wohl unhöflich, abzulehnen.“, gab sie zurück, und schon zog er sie sanft von der Tanzfläche in das kleine Bistro am Eingang der Disco, wo es etwas ruhiger war. Hier war alles im Stil einer Grotte aufgemacht, mit vielen Natursteinen, Kerzenlicht, etlichen Grünpflanzen und sogar einem kleinen beleuchteten Wasserfall in einer Ecke, und auch, wenn dieses Ambiente auf manchen kitschig wirken mochte, so war es doch eine willkommene Abwechslung zum modernen Rest der Disco, und noch dazu ein beliebter Platz, um gerade gemachte Bekanntschaften in die richtigen Bahnen zu lenken.
„Und vielleicht auch etwas zu essen?“, fragte er, während er sein Portemonnaie hervorkramte, doch dann wich er plötzlich ihrem Blick aus, guckte zu Boden und fluchte etwas, von dem sie glaubte, dass es italienisch war.
„Was ist los?“
„Sorry, das ist jetzt echt peinlich“, stammelte er, „aber...“
Und dann hielt er ihr das Portemonnaie unter die Nase, so dass sie sehen konnte, dass es leer war.
Als sie ihn wieder ansah, sah er echt geknickt aus, so als habe er auf ganzer Linie versagt, doch wenn sie ehrlich war, wurde er ihr dadurch, dass er eben nicht perfekt war, nur sympathischer. Bevor die Situation für ihn noch peinlicher werden konnte, bestellte sie für beide eine Pizza, eine Cola und ein Wasser dazu.
Beim essen sah er ihr immer wieder tief in die Augen, rückte auf der Steinbank ein wenig näher an sie heran als es nötig gewesen wäre, aber nicht so nah, dass es unhöflich wurde, und machte er ihr weiterhin Komplimente, was sie doch für eine bemerkenswerte Figur und was für ein bezauberndes Lächeln sie habe und dass ihr Gefühl für die Musik doch beeindruckend war, aber auch wenn es vielleicht übertrieben war, ließ sie es sich gefallen und genoss es, einmal wie eine Prinzessin und nicht immer nur wie die blöde Kassiererin behandelt zu werden.
„Sag mal, wie heißt du eigentlich?“, fragte sie irgendwann als es ihr doch zu unangenehm wurde, dass er sie so in den Himmel lobte.
„Django. Na gut, eigentlich heiße ich Dario, aber das klingt scheiße, also nennen meine Freunde mich Django. Und wie heißt du?“
„Freut mich, Django, ich bin Rebecca.“
„Ein wunderschöner Name für eine bildhübsche Frau.“, kommentierte er mit einem Grinsen.
„Sag mal, ziehst du diese Masche immer so ab?“
Wieder sah Django ihr direkt in die Augen, doch diesmal beinahe beleidigt, zumindest aber geknickt.
„Entschuldige, wenn es dich stört, aber das ist keine Masche, denn ich denke einfach, dass eine Frau wie du es verdient, so behandelt zu werden, Männer, die Frauen wie Dreck behandeln, gibt es genug.“
Rebecca quittierte das mit einem Lächeln und verkniff sich den Kommentar, dass er sie ja gar nicht kenne, denn sie war sich jetzt sicher, sie würde für heute ihren Verstand ausknipsen und nur noch aus dem Bauch heraus handeln, was sie sowieso viel zu selten tat.
„Vielleicht bin ich wirklich altmodisch, aber ich bin nun einmal der Meinung, dass Frauen das beste sind, was einem Mann passieren kann, und somit sollte man sie auch so behandeln.“
„Hey, das klingt ja richtig romantisch.“, erklärte sie mit einem Lächeln und rückte nun ihrerseits ein Stück zu ihm hinüber.
Djangos Mund verzog sich zu einem flüchtigen Lächeln, dann gab er zu: „Ja, ich denke, ich bin schon ein hoffnungsloser Romantiker, nur leider scheinen die Frauen auf so was heute nicht mehr zu stehen, oder sie können damit nicht mehr umgehen.“
„Ich glaube nicht, dass das für alle Frauen gilt.“
„Okay“, erwiderte er frech grinsend, „Und wenn ich dir nun anbiete, mich morgen mit einem Candlelight-Dinner bei dir zu revanchieren, weil du die Pizza bezahlt hast, würdest du annehmen?“
Für einen Moment schlug Rebeccas Herz bis zum Hals und ihr Verstand rollte ein großes Achtung-Banner aus, doch dann übernahm ihr Bauch wieder das Kommando, und sie sagte zu.
Damit war das Thema erst mal beendet, der Abend aber noch lange nicht, denn Django erklärte, er habe nun wieder Kraft zum Tanzen, und bevor sie sich versah, zog er sie auch schon hinter sich her.

*
Als Rebecca am nächsten Morgen aufwachte, stellte sie zunächst fest, dass sie einen tierischen Kater hatte und dann, dass es nicht ihr eigenes Bett war, in dem sie lag. Nach und nach bahnten sich die Erinnerungen an die letzte Nacht einen Weg durch ihr von höllischen Kopfschmerzen geplagtes Gehirn in ihr noch müdes Bewusstsein. Sie erinnerte sich, dass sie noch lange mit Django getanzt hatte, dass sie mehr zusammen getrunken hatten als gut war, dass er unheimlich charmant gewesen war, und dass sie schließlich all ihren Prinzipien untreu geworden war, und sich von ihm hatte mit in seine Wohnung nehmen lassen. Und dann erinnerte sie sich noch daran, dass ihr gnadenlos schlecht geworden war, sie sich auf seiner Toilette übergeben hatte, und dass er ihr daraufhin vorgeschlagen hatte, ihr ein heißes Bad einzulassen. Sie wusste nicht mehr, ob sie nicht mehr fähig gewesen war zu widersprechen oder ob sie es wirklich wollte, auf jeden Fall aber hatten sie kurz darauf zusammen in seiner Badewanne gesessen, inzwischen von Unmengen von Schaum, und den ganzen Raum nur durch Kerzenlicht erhellt. Es war unglaublich gewesen als Django sie sanft massiert hatte, seine kräftig-zärtlichen Hände ihre Haut überall berührt hatten, offensichtlich hatte er ihr wirklich wie versprochen jeden Wunsch von den Augen abgelesen.
Im Nachhinein schämte sie sich jetzt dafür, dass sie hinterher auch auf seine Wünsche eingegangen war, denn es gehörte auch zu ihren Prinzipien, sich niemals auf einen One-Night-Stand einzulassen, und sie hatte ihm auch gesagt, dass sie nicht mit ihm schlafen wolle, aber als er sie daraufhin mit einem Hundeblick angesehen und gebeten hatte, ob sie ihn denn nicht mit ihren geradezu engelsgleichen Lippen verwöhnen könne, war es ihr nicht gelungen, ihm diesen Wunsch abzuschlagen. Jetzt sah sie sich nach Django um, doch der war nirgends zu sehen, so dass sie sich erst mal aufraffte, sich anzog und dann dem Geruch des Kaffees nachging, der wohl aus der Küche kommen musste.
„Guten Morgen, Prinzessin“, begrüßte sie Django, der an einen reich gedeckten Frühstückstisch saß und jetzt sofort aufsprang, um ihr eine Tasse Cappuccino einzuschenken, „hast du gut geschlafen?“
Das konnte doch alles nicht wahr sein, so was gab es doch nicht wirklich, sie träumte doch nur. Aber nein, Django war real, und er war auch heute morgen noch genauso zuvorkommend wie er es gestern gewesen war.
Ohne Herrin über ihre Gedanken und ihre Gefühle zu sein, setzte sie sich erst einmal, trank ihrem Cappuccino und sah Django lange schweigend an. Dann fiel ihr schließlich Tizian ein, der immer noch bei ihren Eltern war, und sie bemühte sich, ihren Aufbruch nicht ganz so hektisch aussehen zu lassen wie er es war.
„Aber du denkst doch an dein Versprechen“, erinnerte sie Django noch als er sie zur Tür brachte, und sie nickte nur kurz und gab ihm einen Kuss auf die Wange, dann verschwand sie ohne Erklärung, denn sie traute sich einfach nicht, ihm zu sagen, dass sie einen kleinen Sohn hatte, um sich diesen Traum nicht jetzt schon kaputt zu machen.
Den ganzen Tag über, den sie mit Tizian auf dem Spielplatz verbrachte, musste sie unentwegt an Django und die vergangenen Nacht denken. Er hatte ihre Gefühle durcheinandergebracht, und sie hasste sich dafür. Eigentlich wusste sie nichts über ihn, hatte ihm aber trotzdem einen geblasen, sie hatte sich vorgenommen, nie wieder auf einen Mann hereinzufallen, und trotzdem hatte sie das Gefühl, Schmetterlinge im Bauch zu haben. Und dann hatte sie sich auch noch für heute Abend von ihm zum Essen einladen lassen, obwohl sie ihren Eltern fest zugesagt hatte, Tizian heute nicht vorbeizubringen. Es wäre das beste gewesen, sie hätte Django gleich heute morgen gesagt, was los war, vielleicht hätte sich dann alles von alleine geregelt, doch in dem Moment hatte sie das nicht gekonnt, wollte nicht aus diesem Traum aufwachen, wollte weiterhin dieses Gefühl der Verliebtheit genießen. Gefühl der Verleibtheit? Oh nein, nicht auch das noch, es durfte ja alles passieren, aber um keinen Preis der Welt wollte sie sich auch noch verleiben. Allerdings sprachen die Schmetterlinge in ihrem Bauch eine deutliche Sprache, und auch wenn sie es nicht wahrhaben wollte, so wusste sie doch ganz genau, dass ihr Gefühl wieder einmal über den Verstand siegen würde. Aber wenn sie heute Abend also doch zu Django ging, konnte sie Tizian ja schlecht mitnehmen, und ihre Eltern wollte sie auch nicht fragen, denn sie hatte keine Lust, sich zum tausendsten Male deren Vorträge über Verantwortung und darüber, dass sie als Mutter zu oft feiern ging, anhören. Vielleicht hatten sie ja sogar Recht, doch das Feiern war neben Tizian nun mal das einzige, was ihr half, den Alltag zu ertragen, das einzige, was ihr etwas bedeutete, und immerhin hatte sie ihr Leben ja im Griff, und niemand konnte sich beklagen, dass sie eine schlechte Mutter wäre. Aber sie musste doch auch mal an sich denken, und dazu gehörte für sie die Freiheit, mindestens einmal am Wochenende tanzen zu gehen.
Als Tizian schließlich keinen Bock mehr auf den Spielplatz hatte, fragte sie ihn, was er davon hielte, wenn er heute Abend bei Kerstin bleiben könnte, und da er scheinbar nichts dagegen hatte, klingelte sie eine Stunde später bei ihrer besten Freundin an der Tür.
„Hi, Kerstin, wie geht’s?“, fragte sie lächelnd als ihr die Tür geöffnet wurde.
„Also bis eben gings mir noch gut, aber so wie du aussiehst, hast du einen Anschlag auf mich vor, oder?“
Rebecca schluckte, verzog den Mund zu einem flehenden Lächeln und setzte zu einer Erklärung an als der blonde Stoppelschopf von Ruben, Kerstins Freund und nebenbei ein zwar namenloser aber sehr guter DJ, der manchmal in den kleineren Clubs der Umgebung auflegte, plötzlich hinter ihr auftauchte. Er begrüßte sie mit einem Lächeln und Tizian mit einem Klaps auf die Schulter, den der Kleine sofort erwiderte.
„Na, Großer, kommst du, um uns heute im Garten zu helfen?“, fragte er gutgelaunt, „Komm mit, ich zeig dir mal das riesige Loch, aus dem unser Teich werden soll.“
Er nahm den sofort begeisterten Tizian auf den Arm und verschwand mit ihm in Richtung Garten, womit er sich einen ziemlich bösen Blick seiner Freundin einhandelte.
„Also eigentlich wollten wir heute endlich mit dem Auslegen der Plane fertig werden und es uns dann mal wieder so richtig gemütlich machen.“, sagte sie wieder an Rebecca gewandt, doch an ihrem Tonfall wurde klar, dass sie diese Hoffnung gerade tief unten in dem Loch, aus dem einmal ein Teich werden sollte begraben hatte.
Natürlich hatte Rebecca ein schlechtes Gewissen, aber sie wusste auch, dass Kerstin ihr diesen Überfall nicht ernsthaft übel nahm, und so erklärte sie nur kurz, was Sache war, und dann war das Thema auch schon gegessen. Apropos gegessen, wenn sie nicht zu spät kommen wollte, musste sie auch langsam los, sagte sie sich, und so verabschiedete sie sich mit dem Versprechen, Tizian morgen auch ganz früh wieder abzuholen von ihrer Freundin und fuhr nach Hause, um sich dort für Django so richtig in Schale zu werfen.
Candlelight-Dinner klang ja nun wirklich hochtrabend, doch als Rebecca sich in ihren kurzen roten Sommerkleid im Spiegel betrachtete, schien ihr das doch zu übertrieben, und so entschied sie sich nach langem Hin- und Herüberlegen für etwas Schlichteres, was man zur Not auch hinterher noch in einem Club tragen konnte. So zurechtgemacht und mit ordentlich wackeligen Knien, für die sie sich schon wieder hätte ohrfeigen können, stand sie schließlich vor Django, der sie bewundernd von oben bis unten ansah und dann erklärte, er habe nicht erwartet, dass jemand so gut aussehen könne. Um zu überspielen wie ihr die Röte ins Gesicht schoss und sie sich dabei vorkam wie eine Pubertierende, die zum ersten Mal verknallt war, fragte sie ihn einfach nur, was es zu essen gäbe und ließ sich von ihrem Gastgeber ins Wohnzimmer führen. Sie staunte nicht schlecht als sie sah, wie viel Mühe er sich gegeben hatte, überall standen Kerzenleuchter, auf dem Tisch ein Strauß weißer Rosen, und im Hintergrund lief gedämpfte Soulmusic. Ohne sich etwas anmerken zu lassen, setzte Rebecca sich an den gedeckten Tisch und war gespannt, was dieser Typ noch für Überraschungen bereithielt. Django, der sich übrigens in vornehm-zurückhaltendes Schwarz gekleidet hatte, was so gar nicht zu dem exaltierten Raver von letzter Nacht passte, aber dafür seine tadellose Figur und seine blitzenden braunen Augen voll zur Geltung brachte, servierte sofort zwei Teller dampfender Lasagne und schenkte ihr ein Glas Rotwein ein, der zumindest der Flasche nach zu urteilen ziemlich teuer war, wahrscheinlich teurer als ihre gesamten Wocheneinkäufe.
Während des Essens, erzählte er ihr, dass er Halbitaliener war, und dass aus dieser Mentalität wahrscheinlich auch seine Vorliebe zur Romantik entspringe, dass er aber andererseits niemals in Italien leben wolle, denn dort gäbe es keinerlei Clubkultur, und ohne Feiern könne er nun mal nicht leben. Da es ihr ebenso ging, waren schnell Themen gefunden, über die man reden konnte, doch immer, wenn sie versuchte, mehr über ihn zu erfahren, was er so trieb und womit er sein Geld verdiente, wich er ihr mit nichtssagenden Antworten aus, was sie anfangs ärgerte, bis ihr bewusst wurde, dass auch er nicht den leisesten Versuch machte, sie auszuhorchen, und das wiederum war ihr auch ganz recht so. Also redeten sie über Musikstile, über die Kommerzialisierung des Techno, über die verschiedene Türpolitik in den Clubs der Stadt und andere interessante, aber unverfängliche Themen, und Rebecca merkte kaum wie die Zeit verging, dafür aber umso mehr wie sehr es ihr gefiel, ihre Zeit mit diesem Traummann zu teilen. Wann immer ihr Glas leer war, sprang Django sofort auf, um ihr nachzuschenken, er machte ihr am laufenden Band Komplimente, die sie hätten erröten ließen, wenn er nicht gleichzeitig immer wieder sein schelmisches Grinsen aufgesetzt hätte, und die ganze Zeit über gab er ihr das Gefühl, die einzige Frau auf der Welt zu sein.
Nachdem sie beide satt und die Gläser geleert waren, fragte er, wie man sich denn nun den Rest des Abends vertreiben sollte, doch noch bevor sie Worte gefunden hatte, um ihm schonend beizubringen, dass sie auf keinen Fall schon wieder mit ihm in der Kiste landen wollte, auch wenn eine leise Stimme in ihr das Gegenteil behauptete, erhob er sich plötzlich, hielt ihr einen Flyer unter die Nase und schlug vor: „Also im ‚Sonic’ legt Slater heute Nacht auf, von mir aus können wir hinfahren.“
„Nur wenn du diesmal nicht wieder dein Geld vergisst.“, stimmte sie lächelnd zu, und Django verschwand, um sich eben umzuziehen. Die Zeit, die er im Bad war, nutzte sie, um sich ein wenig in seiner Wohnung umzusehen. Eigentlich war sie ja nicht neugierig, doch sie wusste rein gar nichts über ihn, und dabei wollte sie doch so viel über ihn erfahren. Was ihr beim Kerzenlicht und während des Essens nicht so aufgefallen war, nahm sie jetzt genauer unter die Lupe, und was sie sah, beruhigte sie etwas. Die Wohnung war längst nicht so toll eingerichtet wie sie zunächst gedacht hatte, die Möbel wirkten bei genauerem Hinsehen nicht teurer als ihre eigenen, und sahen auch nicht mehr katalogneu aus, und offensichtlich war Django nicht in allem Perfektionist, denn so wie es aussah, hatte er vorhin nur flüchtig aufgeräumt, alles, was rumlag, in irgendwelche Ecken gestopft, in den Regalen standen nicht die Werke von Schiller und Goethe, sondern eher Sport- oder Musikzeitschriften, überall lagen CDs verstreut, und an den Wänden hangen auch keine echten Kunstwerke, sondern haufenweise Plakate von der Mayday, der Nature One oder ähnlichen Events. Also war ihr Supermann zumindest nicht so unantastbar wie sie vermutet hatte, sondern auch nur ein normaler Mensch, und vielleicht brauchte sie sich dann doch nicht zu schämen, dass sie nur Kassiererin im Supermarkt war.
Kurz darauf tauchte Django aus dem Bad wieder auf, hatte sich in etwas clubtauglichere Sachen geworfen und roch so unglaublich gut, dass Rebecca für einen Moment daran zweifelte, ob sie nicht doch mit ihm schlafen wollen würde. Er ließ ihr jedoch keine Zeit für lange Grübeleien, sondern schnappte sich seinen Autoschlüssel, und los gings, auf in die Nacht.
Das ‚Sonic’ war eine umgebaute Fabrikhalle, und Rebecca war noch nie hier gewesen, da sie von Freunden bisher nichts gutes über den Club gehört hatte, doch, was sie jetzt sah und vor allem, was sie hörte, schien ganz vielversprechend. Die Fabrikhalle war dem Laden noch immer anzusehen, die gesamte Einrichtung wirkte metallisch, doch zusammen mit der sparsamen Beleuchtung, die nur auf der Tanzfläche von einigen farbigen Lichtblitzen durchbrochen wurde, passte das auf jeden Fall zum brettharten Sound, der ihr jetzt wie eine kraftvolle Welle entgegenschlug. Beinahe sofort tauchten sie und Django in die Nebelschwaden ein, die die Tanzfläche umschwebten und gaben sich den zuckenden Bewegungen hin, die sich fast automatisch ihrer Beine und Arme bemächtigten. Im Nebel sah Rebecca nur noch Djangos Gesicht vor sich, der schon nach kurzer Zeit wieder zu schweben schien, und auch bei ihr dauerte es nicht lange, bis sie die Musik durch und durch spürte. Es war für sie wie ein Tanz auf Wolken, inmitten eines Gewitters mit grollenden Donnerschlägen, prasselndem Regen und zuckenden Blitzen.
They had a good time, they danced for hours and hours;
and she had a few drinks too.
Etliche Stunden später, in denen sie nur wenige kurze Pausen gemacht und sonst die Musik einfach hatten fließen lassen, machten ihre Beine einfach schlapp, und sie musste sich setzen, da sie sonst wahrscheinlich vor Erschöpfung zusammengebrochen wäre. Django setzte sich zu ihr auf eine Treppenstufe und gab ihr wie als Belohnung für ihr Durchhaltevermögen einen langen, zärtlichen Kuss, der sie keinesfalls wieder in die Realität zurückholte, sondern noch höher auf Wolken schweben ließ. Als sie seine Zunge forschend in ihrem Mund und seine Hände um ihre Hüften spürte, glaubte sie, weit losgelöst von Raum und Zeit zu sein, aber sie musste ihn vorsichtig von sich schieben, weil ihr ganz schwindelig wurde.
Erschöpft und mit einem Glücksgefühl im Magen, dass sich nicht beschreiben ließ, schnappte sie nach Luft und schmiegte sich eng an Djangos warmen, schwitzenden Körper. Minutenlang saßen sie so da, die Musik war auch hier noch in voller Lautstärke zu hören und pumpte ihr Blut immer noch im Takt der Beats durch ihren Körper, und Rebecca genoss es einfach nur, in seinen Armen gehalten zu werden, ohne an irgendetwas denken zu müssen.
Der Nektar meiner Begierde. Es riecht so gut, du kommst mir nah.
Nach scheinbar endlos langer Zeit entließ Django sie aus seiner Umarmung, raffte sich wieder auf und erklärte: „Süße, es ist wunderschön, mit dir zu feiern.“
Und bevor sie etwas sagen konnte, fuhr er fort: „Aber wenn ich mich jetzt nicht aufpusche, halte ich keine zehn Minuten länger durch.“
Als sie kapierte, was er meinte, war es wie ein Stich ins Herz.
„Möchtest du auch eine?“, fragte er und hielt ihr eine kleine Pille unter die Nase, „Ich meine nur, damit wir auf dem selben Level sind.“
„Nein danke, ich brauche das Zeug nicht!“, fuhr sie ihn an, aber was das anging, gab es für sie keine Kompromisse.
Django sah sie fragend an und schien nicht zu verstehen, dass sie beim Thema Ecstasy ihren Prinzipien treu bleiben würde.
„Was hast du?“
Rebecca sah ihm direkt in die Augen, stellte erst jetzt fest, dass seine Pupillen auffallend geweitet waren und wusste plötzlich auch, warum er so lange im Bad gebraucht hatte, und warum er es danach so eilig gehabt hatte, loszufahren.
„Django, ich will keine Teile fressen, ich hab das nicht nötig, ich kann auch ohne.“
„Dann hast du es noch nie probiert, oder?“
„Nein, und das habe ich auch nicht vor.“
„Also erstens machen die Pillen nicht körperlich abhängig, wenn du ein bisschen darauf achtest, was du nimmst, und zweitens kannst du nicht beurteilen wie geil es ist, wenn du noch nie drauf warst.“
Rebecca schluckte, und ihr war klar, dass es zwecklos war, mit ihm zu diskutieren, doch in ihr kamen Bilder und Erinnerungen an Sandy wieder hoch, die sie dachte, verarbeitet zu haben.
„Wie oft schluckst du die Dinger denn?“
Django wollte ihr jetzt wieder seinen Arm um die Schultern legen, doch sie wand sich aus seiner Umarmung und verlangte nach einer Antwort.
„Hey, Süße, ich schmeiße nicht dauern, hältst du mich für bescheuert?“
„Wie oft?“
„Höchstens einmal im Monat und auch nur, wenn ich besonders gut drauf bin.“, antwortete er ernst und wohl auch sauer, „Ich weiß schon, was ich tue, aber wenn du dich hier als Moralapostel aufspielen willst und mir vorschreiben willst, was ich zu tun und zu lassen habe, dann bitte ohne mich.“
Darauf stand er abrupt auf und tauchte wieder in der Menge unter. Rebecca blieb auf der Stufe zurück und wusste nicht, was sie tun und denken sollte.
Nach einer Weile versuchte sie ihn zu finden, doch so sehr sie sich auch zwischen all den Feiernden umguckte, die auf sie jetzt plötzlich alle wirkten als wären sie von einer fremden Kraft angetrieben und in einer anderen Dimension zu schweben schienen, sie konnte Django nirgends entdecken. Dazu kam, dass sie selbst mit ihrer Enttäuschung und aufkommender Wut zu kämpfen hatte, so dass ihr Stolz es ihr verbot, ihm nachzulaufen. So setzte sie sich noch an eine Theke, die fast von überall her zu sehen war, so dass er ja zu ihr kommen konnte, wenn er wollte, doch als er nach einer halben Stunde nicht auftauchte, brach sie frustriert und missmutig auf, kramte ihr letztes Geld für ein Taxi zusammen und ließ sich nach Hause bringen.

*
Um kurz nach elf stand sie am Sonntag bei Kerstin und Ruben vor der Tür, um Tizian abzuholen, in ihrem Inneren tobte ein Gefühlschaos, doch selbst als ihre Freundin sie fragte, was denn los sei und sie solle ihr doch erzählen, was vorgefallen war, schüttelte Rebecca nur den Kopf und erklärte, sie müsse sich erst einmal selbst darüber klar werden. Und selbst wenn sie sich über ihre Gefühle im Klaren gewesen wäre, hätte sie Kerstin nichts erzählt, denn sie wusste, auch bei ihr wären sofort die Gedanken an Sandy wieder hochgekommen.
Als sie wieder zuhause war und Tizian ruhig in seinem Zimmer spielte, versuchte sie sich abzulenken und nicht mehr an Django zu denken, aber er hatte sich in ihren Gedanken und vielleicht noch viel tiefer festgesetzt und so wurde sie all die unbeantworteten Fragen einfach nicht los. Einerseits sagte sie sich, dass es gut war, dass sie sich nicht weiter in die Schwärmerei für ihn hineingesteigert hatte, andererseits drängte sich ihr aber auch die Frage auf, ob die Pillen als Grund ausreichten, einen Typen, der ihr sonst ausnehmend gut gefiel, einfach in den Wind zu schießen. Dann wiederum kamen ihr Zweifel, ob es fair gewesen war, ihn ohne Erklärung so anzufahren, und schließlich wurde ihr auch wieder bewusst, dass sie immer noch nichts über ihn wusste, und das diese Sache vielleicht noch nicht alles war, was ihr nicht passen würde. So drehte sie sich den ganzen Nachmittag gedanklich im Kreis, versuchte sich durch laute Musik abzulenken bis ein Nachbar klingelte und sich über den Krach beschwerte, und zwischendurch tauchten vor ihrem geistigen Auge immer wieder Szenen auf, die sie mit Sandy erlebt hatte.
Sie kannte Sandy seit der ersten Klasse, hatte als Kind ihre sämtlichen Geheimnisse mit ihr geteilt, sie hatten sich in die gleichen Jungs verleibt, haben sich gegenseitig getröstet, wenn der Junge sich dann doch nur als Arschloch herausgestellt hatte, und waren später gemeinsam feiern gegangen und hatten den gleichen Musikgeschmack gehabt. Sie hatten ihre erste Loveparade zusammen erlebt, hatten als unzertrennliches Team dann die Clubs unsicher gemacht und hatten gemeinsam einen Typen kennen gelernt, der dauernd davon redete, wie viel intensiver alles war, wenn man drauf war, dass es ein Gefühl ist als würde man aufwachen und die Musik, die Farben, die Leute jetzt zum ersten Mal so sehen wie sie waren. Der Unterschied war, Rebecca hatte die Pille abgelehnt, Sandy hatte sie genommen. Nur zu gut konnte Rebecca sich noch an diese erste Nach erinnern als Sandy plötzlich davon sprach, alles sei so flashig, so upliftend und die Vibes so deep. Ihre Laune war im Nu auf einem Höhepunkt, den Rebecca bei ihr noch nicht erlebt hatte, sie sah aus als wolle sie die ganze Welt umarmen, und das tat sie dann auch, und die Welt umarmte sie ebenfalls. Tags darauf allerdings hatte sie ein schlechtes Gewissen, hatte Angst, doch unter dem Strich war es eine unvergessliche Nacht gewesen. Rebeccas Bedenken wischte sie fort mit dem Argument, sie könne es ja nicht beurteilen, solange sie es nicht selbst erlebt habe, und da Sandy versprach, es bei diesem einen Mal zu belassen, war das Thema für Rebecca beendet. Für Sandy allerdings war es das natürlich nicht, und als sie kurz darauf einmal ohne Rebecca unterwegs war, probierte sie es abermals, lernte an jenem Abend einen Jungen kennen, mit dem sie ein paar Tage später auch zusammenkam, und als Rebecca checkte, dass der ein Druffi war und Sandy daraufhin ins Gewissen reden wollte, musste sie sich anhören, sie sei eine Langweilerin und Spielverderberin. In den folgenden Wochen und Monaten zog Sandy sich immer mehr von ihr zurück, hatte jetzt andere Feierfreunde wie sie sagte, und Rebecca war zu hilflos, zu unbescholten, um etwas dagegen zu tun. Einmal hatte sie überlegt, ob sie Sandys Eltern einweihen sollte, hatte es dann aber gelassen, stattdessen hatte sie zusammen mit Kerstin überlegt, was sie tun konnten. Leider konnten sie gar nichts tun, mussten sich nur immer wieder anhören, sie wüssten ja gar nicht, was abginge, und standen vor der Wahl, sich entweder rauszuhalten oder mit ansehen zu müssen wie Sandy langsam im Ecstasy-Feiersumpf ertrank. Nachdem Sandy schließlich anfing, sich Geld zu leihen, ihre Schulden bei allen ihren Freunden aber nicht mehr zurückzahlten konnte und bald darauf selbst Teile zu verticken, gingen Rebecca und Kerstin schließlich doch zu Sandys Eltern, doch auch die wussten sich nicht anders zu helfen als ihre Tochter mit Moralpredigten und Taschengeldkürzungen immer weiter in die Flucht in die glückliche Scheinwelt zu treiben.
Das Ende vom Lied war, dass Sandy irgendwann nicht mehr ein noch aus wusste, sie es sich inzwischen mit allen Freunden verscherzt hatte, keinen Ausweg sah und eines Abends zuhause statt der üblichen Pillen eine Dosis Schlaftabletten nahm.
Too many times you put your life to the test.
Auch die laute Musik konnte Rebecca die Erinnerungen nicht vertreiben, aber wenigstens kam der Nachbar nicht noch einmal vorbei, denn so verheult wie sie war, konnte sie sich niemandem zeigen. Sie schämte sich dafür, dass sie die Sache nach Jahren immer noch so belastete, aber sie hatte es nie ganz geschafft, ihre Schuldgefühle loszuwerden, war immer noch der Meinung, sie hätte etwas tun müssen, um Sandy davon abzuhalten.
„Mama, was ist los?“, fragte Tizian, der plötzlich neben ihr im Bad stand, und da sie es ihm nicht erklären konnte, riss sie sich zusammen und schob einen Riegel vor den Teil ihres Gehirns mit den quälenden Fragen und Erinnerungen.
„Nichts, mein Schatz, ist schon gut.“
Die folgenden Tage war sie wie in Trance, brachte Tizian zum Kindergarten, saß mechanisch an der Kasse und leierte mehrere hundert Mal mechanisch ihr „Guten Tag, soundsoviel Euro und einen schönen Tag noch“ herunter, ging nach der Arbeit joggen, holte abends ihren Kleinen bei ihren Eltern ab und war eigentlich nur noch körperlich anwesend, dann stand plötzlich Django vor ihr. Er stand Mittwoch Nachmittag einfach so an ihrer Kasse, zwinkerte ihr zu und entschuldigte sich, er habe sich total blöd verhalten und wolle sie heute Abend wenn sie Schluss hatte bei einem Glas Wein um Verzeihung bitten. Zu überrumpelt, um abzulehnen, versprach sie, zu ihm zu kommen, sobald der Supermarkt seine Türen geschlossen hatte.
Diesmal gab es keine Kerzen, dafür aber einen zerknirscht aussehenden Django, der sie mit einem Hundeblick ansah und erklärte: „Es tut mir leid, dass ich so überreagiert habe, aber ich habe diese Leier inzwischen bestimmt schon tausendmal gehört, und kann da einfach nicht drauf.“
Als sie nichts darauf sagte, fuhr er fort: „Ich will dich ja auch gar nicht überreden, auch Teile einzuwerfen, aber lass du mich machen, was ich verantworten kann, denn ich glaube, ich weiß selbst am besten, was ich mir und meinem Körper zumuten darf.“
Rebecca lag einiges auf der Zunge, doch sie schluckte es mühsam herunter.
„Und warum wolltest du unbedingt mit mir reden?“
„Weißt du, wenn man einmal die Sonne gesehen hat, möchte man nie wieder im Schatten leben.“, antwortete er augenzwinkernd.
Dazu legte er seinen Arm um sie und drückte ihr beinahe vorsichtig einen Kuss auf die Wange. Sie sah ihm tief in die Augen, diese schönen braunen Augen, und wollte auch ihn küssen, doch sie hielt ihre Gefühle zurück und fragte weiter: „Bist du sicher, dass du dich in Bezug auf Drogen im Griff hast?“
„Ganz sicher“, bestätigte er nickend, „Ich hab genug Scheiße gesehen und hänge zu sehr am Leben, um mich mit dem Scheiß kaputt zu machen.“
Und dann fügte er noch hinzu: „Vertrau mir, Prinzessin.“
„Ich würde ja gerne, aber ich weiß nicht, ob ich das kann“, gab sie ehrlich zu, „schließlich kennen wir uns kaum und ich weiß so gut wie nichts über dich.“
Jetzt erhob sich Django, nahm ihr das leere Weinglas aus der Hand, füllte es auf und setzte sich dann wieder zu ihr, doch diesmal ein kleines Stück weiter entfernt als vorher.
„Und was möchtest du gerne wissen?“
Sie musste unwillkürlich lächeln.
„So genau weiß ich das nicht, aber bisher weiß ich nur, dass du sehr gut kochen kannst, unheimlich zärtlich sein kannst und dass man mit dir sehr gut feiern kann.“
„Na das ist doch schon mal was.“, meinte er lächelnd und rückte wieder ein Stückchen näher, doch sie gab noch nicht auf und bohrte weiter.
„Was machst du zum Beispiel, wenn du nicht gerade feierst, wo treibst du dich herum, wenn du nicht im ‚Sonic’ bist oder bei mir an der Kasse stehst...?“
„Wenn ich nicht gerade feiere, dann halte ich Ausschau nach meiner Prinzessin, oder träume davon, mit ihr den Sonnenuntergang am Mittelmeer zu genießen.“
Dann beugte er sich zu ihr, berührte sanft ihre Hand und gab ihr daraufhin einen langen, leidenschaftlichen Kuss. Rebecca explodierte fast als seine Zunge mit ihrer spielte und seine Hände begannen, sich langsam zu ihrem Rücken vorzuarbeiten, damit er sie in einer innigen Umarmung ganz nah an sich drücken konnte. Als seine Lippen sich dann daran machten, ihren Hals zu küssen und er ihr am Ohrläppchen knabberte, konnte auch sie nicht mehr an sich halten und ließ ihre Hände unter seinem T-shirt auf Wanderschaft gehen. Es dauerte nicht lange, da lagen sie beide unbekleidet auf dem Sofa, beide in völliger Extase, und Rebecca wusste wieder, dass es doch noch etwas schöneres und intensiveres im Leben gab als tanzen. Es war fantastisch, ihn ganz zu spüren, sich ihm ungehemmt hinzugeben und zu merken, wie ihr Blut so heftig pulsierte wie schon lange nicht mehr.
Nachdem sie beide einen unvergleichlichen Gefühlsausbruch erlebt hatten, blieb er erschöpft aber zufrieden neben ihr liegen, überdeckte ihre Haut mit heißen Küssen, und wenn Rebecca nicht plötzlich eingefallen wäre, dass Tizian immer noch bei ihren Eltern auf sie wartete, hätte sie wohl noch endlos in seinen Armen liegen können. Doch so raffte sie sich auf, packte ihre Sachen, zog sich an und erklärte, sie müsse jetzt dringend los.
„Was ist, wartet zuhause dein Freund auf dich, oder warum hast du es so eilig?“
Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte sie, ob sie ihm erzählen sollte, dass sie einen vierjährigen Sohn hatte, aber sie tat es nicht.
„Nein, aber ich habe einer Freundin versprochen, ihr heute noch... bei etwas wichtigem zu helfen, das hatte ich ganz vergessen, tut mir leid.“
„Ist doch kein Problem“, lenkte er verständnisvoll ein, obwohl nicht zu übersehen war, dass er enttäuscht war, „Sehen wir uns Freitag?“
„Ja, gerne, aber ich muss jetzt echt los...“
Er drückte ihr noch einen Kuss auf die Wange, dann war sie auch schon verschwunden.

*
Am Freitag musste Rebecca nur bis mittags arbeiten, und da Tizian unbedingt bei Kerstin und Ruben bleiben und im Garten helfen wollte, freute sie sich über ihren freien Nachmittag, überlegte kurz, ob sie in die Stadt zum shoppen fahren sollte, änderte aber dann ihre Pläne, da sie sowieso jeden Cent zweimal umdrehen musste und stattete Django einen Überraschungsbesuch ab. Nach dreimaligem Klingeln öffnete er, trug nur eine Boxershorts, sah sie verschlafen an, bat sie aber dennoch herein.
„Was ist los, hast du noch gepennt?“
Er fuhr sich durch die ungekämmten Haare, ließ sich aufs Sofa fallen und fragte dann: „Ja, wieso, wie spät ist es denn eigentlich?“
„Süßer, es ist nach zwei, sag mal, hast du nichts zu tun?“, fragte sie lachend und konnte dabei die Blicke kaum von seinem muskulösen Oberkörper abwenden, „Es gibt Leute, die müssen um diese Zeit arbeiten, oder fließt bei dir das Geld aus der Wasserleitung?“
„Aus der Wasserleitung nicht“, antwortete er gähnend, „aber es fließt eben auch so.“
Rebecca verstand nicht, was er meinte, hakte aber nach, und seine Antwort ließ sie trocken schlucken.
„Nein, wozu sollte ich arbeiten? Hast du vergessen, dass wir in einem Sozialstaat leben? Die einen arbeiten und drücken brav ihre Steuern ab und die anderen genießen ihr Leben und kommen auch über die Runden.“
„Ach ja, und alle, die arbeiten sind selber Schuld, weil sie zu blöd sind, sich auch durchzuschnorren, oder wie?“
Statt einer Antwort lächelte Django nur und zwinkerte ihr zu, was vermutlich heißen sollte, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Getroffen hatte sie es schon, aber es war weniger der Nagel auf den Kopf als ein Tiefschlag in die Magengegend. Da sie nichts mehr darauf sagte, ahnte Django wohl, dass sie diese Einstellung nicht teilte und rechtfertigte sich mit dem Spruch: „Hey, wenn Arbeit was gutes wäre, dann hätten die Reichen sie für sich behalten, oder nicht?“
Dazu fiel Rebecca nun wirklich nichts mehr ein, und selbst wenn sie etwas gesagt hätte, hätte er sie doch nur wieder gebeten, ihn sein Leben leben zu lassen, so wie er sie ihres leben ließ. Und da er merkte, dass dieses Gespräch nicht ganz so lief wie er wollte, wechselte er schnell das Thema.
„Konntest du deiner Freundin denn wenigstens noch helfen, oder war sie schon sauer?“
„Was ist? ...ach so...“
Rebecca zögerte einen Moment, bevor sie ernst fortfuhr: „Also das mit der Freundin stimmte nicht so ganz, das war nur eine Ausrede. Eigentlich musste ich mehr meinen kleinen Sohn bei meinen Eltern abholen.“
„Deinen Sohn?“, fragte Django ungläubig und sichtlich geschockt, „Du... äh... du hast n Kind?“
Einen Augenblick wünschte Rebecca, sie könne ihr Geständnis rückgängig machen, doch nun hatte sie es einmal gesagt, nun war es raus, und so war sie wenigstens ehrlich.
„Ja, Tizian. Er ist vier Jahre alt, der Typ der mich geschwängert hat ist abgehauen als er davon erfuhr, aber ich komme auch ohne ihn irgendwie über die Runden.“
Jetzt war es also raus, Django guckte sie mit großen Augen an, stand dann auf und meinte, er habe noch nichts gefrühstückt und wolle erst mal Kaffee aufsetzen.
Als er mit zwei Tassen aus der Küche zurückkam, schien das Thema für ihn erledigt zu sein, obwohl sie genau wusste, dass es ihn nicht nur schockte, sondern auch störte, aber wenn er eben nicht darüber reden wollte, war es ihr nur recht so. Dafür erzählte er ihr von einem Livemix, den er sich gestern aus dem Netz gesaugt hatte, und den sie sich unbedingt anhören müsse. Er habe ihn nur noch nicht auf CD gebrannt, aber sobald das erledigt war, vielleicht schon heute Abend, wenn er dazu kam, würde er ihr auch eine Kopie machen.
„Heißt das, wir gehen heute trotzdem feiern?“
Django sah sie wieder mit seinem Hundeblick an als er erklärte: „Ja, natürlich gehen wir heute Abend feiern, also wenn du willst. Was hat denn das damit zu tun, dass du ein Kind hast? Ich meine, wir müssen es ja nicht mitnehmen, oder?“
Rebecca fiel zuerst ein Stein vom Herzen, auch wenn sie wenig Überzeugung aus seiner Stimme heraushörte, dann fiel sie Django um den Hals, denn für einen Moment hatte sie geglaubt, er würde den Kontakt zu ihr jetzt abrupt abbrechen, was sie sogar auf eine Weise verstanden hätte.
Jetzt, da sie sich nicht mehr mit den Schuldgefühlen herumtragen musste, ihm etwas zu verschweigen, konnte sie sich auch auf seine Begeisterung für den Livemix einlassen, den er ihr nun vorspielte. Noch lange saßen sie an seinem Computer, redeten über das neue Album von Väth, die besten Tracks von Liebing, den grausamsten Remix von Westbam und stellten allgemein fest, dass sie in vielem den gleichen Geschmack hatten, so dass er ihr nebenbei etliche CDs brannte, doch immer wenn das Gespräch persönlicher wurde, wich er ihr aus und lenkte vom Thema ab. Doch obwohl Rebecca nur wenig über Django herausfand, war sie fasziniert von ihm, natürlich gab es auch Dinge, die sie störten so wie seine Einstellung zur Arbeit, aber sie hatte dennoch das Gefühl, mit ihm absolut auf einer Wellenlänge zu sein, fast zu schön, um wahr zu sein.
Viel zu schnell, wurde es Zeit, Tizian bei Kerstin und Ruben abzuholen, die wahrscheinlich mit ihrem Teich keinen Schritt weiter gekommen waren, und sie musste sich zwingen, aufzubrechen und nicht einfach die Zeit zu vergessen.
„Soll ich dich heute Abend abholen, und wir fahren ins ‚Space’?“, fragte Django als sie sich umarmend in der Tür standen.
„Also ehrlich gesagt würde ich lieber in die ‚Nighthall’“, versuchte sie ihn zu überreden als ihr einfiel, dass Ruben sie heute dorthin eingeladen hatte, „ich weiß ja, dass der Laden nicht so toll ist, aber ein Freund von mir legt da heute auf, und der ist sauer, wenn ich mich nicht blicken lasse.“
„Dein Wunsch ist mir Befehl, Prinzessin“, willigte Django ein und küsste sie, „für dich würde ich sogar auf den Mond fliegen, wenn du dort feiern willst.“
Rebecca kniff ihm in die Seite, grinste und stichelte dann: „Ja genau, da wollte ich dann morgen hin, du kannst ja schon mal anfangen, die Rakete startklar zu machen.“
Er lachte, nahm sie in die Arme, küsste sie abermals und wollte gerade noch etwas sagen, da sah sie ihm direkt in die Augen und fragte dann: „Sag mal, kannst du dieses Gesülze eigentlich auch abstellen, oder ist das angeboren?“
„Hey, du weißt doch, ich bin von Natur aus hoffnungslos romantisch, und wenn ich dich sehe, möchte ich dir die Sterne vom Himmel holen, da sie so schön zum Funkeln deiner Augen passen...“
„Oh bitte, Django, langsam wird es echt kitschig.“
„...aber wenn du darauf bestehst, lasse ich auch den Kitsch und werde mich in Zukunft in Unterhose und mit Bierdose vor den Fernseher setzen und rülpse nur noch, wenn du mich etwas fragst.“
„Also ich glaube, dann nehme ich doch lieber die Sterne“, gab sie lachend zu.
„So, und jetzt muss ich aber echt los. Bis nachher, mein Romeo.“
„Bis nachher, Julia, ich hole dich ab, sobald die Nachtigall im Technobeat ihr Liedchen trällert.“

Pünktlich um elf stand Django bei ihr auf der Matte, hielt ihr kavaliersmäßig die Beifahrertür seines tiefergelegten Sciroccos auf, und schon ging es los zu jenem Großraum Tanztempel, den sie zuletzt aufgesucht hatte als sie etwa achtzehn war, mit einem Sound, den man eigentlich durch die ganze Stadt hätte hören müssen und einem Fahrstil, der jedem Formel-1-Fahrer alle Ehre gemacht hätte. Mit quietschenden Reifen brachte Django den Wagen schließlich in der Nähe des übertrieben beleuchteten Eingangs zum Stehen, und sie reihten sich ein in die Schlange der vor der Tür wartenden im H&M-Einheitslook gekleideten Teenies, die die Türsteher mit wahrhaft herzergreifenden Geschichten zu überreden versuchten, ihnen trotz des fehlenden Ausweises Einlass zu gewähren. Rebecca und Django wurden von einem der Muskelmänner, den sie durch Ruben kannte, hereingewunken, und das Nightlife konnte beginnen.
In der großen Eingangshalle, die zum Teil von Lampen erhellt wurde, die wie Fackeln aussahen, drängelten sich viele Gäste um einen Tresen, an dem in einer Werbeaktion Zigaretten verschenkt wurden, und alle, die nicht dort anstanden, versuchten sich entweder einem Platz an einer der Theken zu ergattern oder wühlten sich durch den Strom derer, die in eine der vier Discos, die unter diesem Dach zusammengefasst waren, drängten. Früher war Rebecca oft hier gewesen, und wenn sie dann die neuesten Liedchen aus den Charts in einer mit Bass unterlegten Version und vom DJ wild zusammengemixt gehört hatte, hatte sie geglaubt, einen unvergesslichen Clubabend erlebt zu haben. Inzwischen machte sie einen großen Bogen um Läden, die sich selbst als Erlebnisgastronomie statt als Club bezeichneten und damit Konsumtempel meinten, aber wenn es dazu diente, dass Ruben endlich einmal vor mehreren hundert Leuten an den Turntables stehen durfte, war das schon okay. Sie schob sich also zusammen mit Django in den Bereich, der sich Technoarea nannte und bemühte sich dann, den Kids, die unkoordiniert auf der Tanzfläche herumzappelten, zu zeigen, wie man wirklich feierte. Django zog zum Glück mit, und schon bald hatten sie genug Platz und wurden aus neugierigen Augen bewundernd beobachtet. Die Musik war gar nicht so schlecht wie sie befürchtet hatte, und außerdem genoss sie es, im Mittelpunkt zu stehen, endlich mal nicht diejenige zu sein, die anderen heimliche Blicke zuwarf. So langsam kam bei Rebecca Stimmung auf, auch wenn sie sich fragte, wie der Abend wohl enden würde. Doch bevor er endete, wollte sie einfach nur tanzen und den Stress der letzten Woche abschütteln.
Tonight, just feeling, music’s got me feeling so free.
Als die Musik irgendwann schlechter wurde, machten sie eine Pause, setzten sich an die Theke, und Django fragte, was sie denn trinken wolle.
„Nur ein Wasser, danke.“
Django bestellte ein Wasser und eine Cola, kramte dann in seiner Hosentasche und sah sie mit verschämten Blick an.
„Ähm... das ist jetzt echt peinlich, aber mein Portemonnaie ist schon wieder fast leer... könntest du mir noch mal aus der Patsche helfen?“
Ohne zu zögern bezahlte Rebecca die Getränke, legte ihren Arm um ihn, doch dann stichelte sie: „Ach, gib es doch zu, das machst du doch extra, das ist doch deine Masche, um mich dann hinterher wieder zum Essen einzuladen.“
„Ja klar, das mache ich immer so, dann habe ich einen günstigen Abend, und die Frauen müssen die ganze Zeit und vielleicht noch länger bei mir bleiben.“, gab er grinsend zu, und sie überlegte, ob es wirklich nur ein dummer Scherz war, „Funktioniert es denn bei dir noch mal, Prinzessin?“
Rebecca zwinkerte ihm zu und schlug dann vor: „Vielleicht solltest du einfach mal anfangen, zu arbeiten, dann hast du auch Kohle und brauchst nicht jede Woche Lasagne machen.“
Django ersparte sich die Antwort, aber sie konnte merken, dass ihm einiges auf der Zunge lag. Für ein paar Minuten schlürften sie schweigend an ihren Getränken, dann stand Django auf und erklärte, er müsse mal kurz zur Toilette. Rebecca nutzte die Zeit und sah sich um, ob Ruben schon da war, oder ob sie vielleicht Kerstin irgendwo entdeckte, aber die Leute hier schienen alle jünger zu sein, kaum ein Gesicht kam ihr bekannt vor, nur eine der Gogo-Tänzerinnen, die jetzt auf einer kleinen Bühne ihre Show abzogen, kannte sie flüchtig, da sie auch einen Sohn in Tizians Alter hatte und sie sich ab und zu im Kindergarten trafen. Endlich aber sah sie Ruben, der sich hinter dem DJ-Pult seine ersten Scheiben zurechtlegte und ging zu ihm rüber, um ihn zu begrüßen. Sie quatschten eine Weile, dann meinte Rebecca, sie müsse mal gucken, wo Django denn steckte und war auch schon wieder weg.
„Hey, wo warst du denn so lange? Mein Kumpel fängt gleich an, und ich hab ihm versprochen, sein Set von Anfang bis Ende zu hören.“
„Schon gut, ich habe nur noch jemanden getroffen.“
Ohne ein weiteres Wort drängelten sie sich zur Mitte der Tanzfläche und warteten auf Rubens großen Auftritt. Der allerdings wurde keinesfalls groß angekündigt, nach einem eher lahmen Track überließ der Resident DJ Ruben nur einfach die Turntables und verschwand irgendwo im Gedränge.
„Das ist ein Freund von dir?“, brüllte Django ihr ins Ohr.
„Ja, das ist Ruben, kennst du ihn etwa?“
„Nein, nur vom Sehen.“, war seine Antwort, doch er sah sie dabei nicht an, sondern hoch zu den flackernden Stroboskopen, und sie wusste, dass es gelogen war.
Rubens Set begann mit einigen spannungsaufbauenden Trance-Stücken, doch schon bald wurde es härter, weniger für Mainsteamohren geeignet, und in Rebeccas Augen, oder besser in ihren Ohren, hammergeil. Ruben schaffte es, Stimmung zu erzeugen und die Leute zum Tanzen zu bringen, ohne dabei seinem eigenen Stil untreu zu werden. Ab und zu holperte er bei den Übergängen etwas, aber Rebecca wusste genau, wie nervös er war, denn bisher hatte er höchstens in kleinen Clubs oder auf privaten Partys aufgelegt, und das hier war, wenn auch vielleicht nicht sein größter Traum, völliges Neuland für ihn. Rebecca warf Ruben einen Blick zu und streckte lächelnd den Daumen nach oben, und wenn sie sich umsah, schienen auch Django sowie alle anderen begeistert zu sein.
Living for the night, gonna take you higher.
Nach knapp zwei Stunden musste Ruben das Feld räumen, und der Resident übernahm wieder seinen Platz am Mischpult, aber er war gut gewesen, so dass er, wäre es nach Rebecca gegangen, sein nächstes Engagement sicher gehabt hätte.
„Hey komm“, forderte sie Django auf und deutete auf Ruben, „lass uns mal zu ihm rübergehen.“
Für den Hauch eines Augenblicks sah er sie erschrocken an, doch dann fing er sich wieder, und wenn sie nicht genau darauf geachtet hätte, wäre es ihr vermutlich nicht einmal aufgefallen.
„Geh nur, aber ich möchte erst mal was trinken, mir ist tierisch warm. Ich komm dann gleich wieder zu dir.“
„Süßer, du hast kein Geld dabei, schon vergessen?“, erinnerte sie ihn, „Aber wir können ja auch mit Ruben zusammen was trinken. Und außerdem möchte ich ihn dir gerne vorstellen.“
„Ähm... aber aufs Klo muss ich vorher noch, also geh schon mal vor, ich werde euch dann schon finden.“
Da es sowieso sinnlos war, ließ sie ihn gehen, setzte sich mit Ruben und Kerstin, die zu ihnen gestoßen war, alleine an die Theke und lobte ihn überschwänglich für sein Set. So toll war es gar nicht, er habe etliche Fehler gemacht, winkte der ab, doch gegen das Argument seiner Freundin, diese Fehler habe aber niemand außer ihm selbst bemerkt, hatte er keine Einwände. Ob er denn mal wieder hier auflegen durfte, wollte Rebecca noch wissen, doch es stand noch nichts genaues fest, dafür hatte aber der Resident ihm die Nummer eines Bekannten gegeben, der nicht weit von hier einen ziemlich guten Club betrieb und auch ein eigenes kleines Label hatte. Bei dem würde Ruben morgen mal anrufen, und wenn alles gut ging, konnte er dort vielleicht einige Bookings bekommen. Rebecca drückte ihm die Daumen, versprach, auch dort bei seinem großen Auftritt dabei zu sein, dann lenkte sie das Gespräch auf Django und wollte denn wissen, ob er tatsächlich der war, von dem sie am Nachmittag gesprochen hatten. Zu ihrer Enttäuschung war Ruben sich hundertprozentig sicher, aber wenn sie ehrlich war, hatte sie es geahnt.
Kurz darauf erhob sie sich und beschloss, Django direkt zur Rede zu stellen, doch es dauerte lange, bis sie ihn schließlich mit einer dürren Blondine im Bistro sitzend entdeckte. Sie fragte sich, ob er ihr gerade erzählte, was sie für tolle Augen hatte und dass er ihr den nächsten Cocktail nicht mehr ausgeben konnte, da er gerade gemerkt hatte, dass ihm sein Geld ausgegangen sei, und ihr wurde kurz übel bei dem Gedanken.
Bevor sie zu den beiden an den Tisch steuerte, rief sie sich noch einmal den Nachmittag in Erinnerung als sie Tizian bei Kerstin und Ruben abgeholt hatte.
Schon von weitem hatte sie ihre Freundin und ihren Sohn im Garten gesehen wie sie Wasser in den kleinen Teich hatten laufen lassen und Tizian überglücklich in der immer größer werdenden Pfütze planschte. Ihre eigene gute Laune war dadurch ebenso noch größer geworden, und um die beiden nicht zu stören, setzte sie sich zu Ruben auf die Terrasse, der sich das ganze aus der Entfernung ansah oder einfach nur zu geschafft zum Aufstehen war.
„Also ich glaube, wenn es nach deinem Sohn ginge, brauchst du ihn heute gar nicht abholen, und er bleibt die nächsten sieben Wochen bei uns.“
„Ja, sieht ganz danach aus“, antwortete sie strahlend, „ich hoffe nur, er hat euch nicht zu sehr von der Arbeit abgehalten, und wenn doch, dann tut’s mir echt leid.“
„Nee, schon gut, du siehst doch, das Loch ist kein Loch mehr, und wir haben ihn noch nicht an die Wand geklatscht.“
Rebecca lachte auf und musste wohl sehr glücklich ausgesehen haben, zumindest wollte Ruben wissen, warum sie denn so gute Laune hatte und wo sie denn überhaupt gewesen sei. Zuerst nur zögerlich, dann aber froh, dass sie endlich mit jemandem über ihr Gefühlschaos reden konnte, erzählte sie, dass sie jemanden kennen gelernt hatte, dass sie sich nicht sicher war, ob er wirklich der Traumtyp war als der er sich ihr präsentierte, aber dass sie ein so gutes Gefühl bei der Sache hatte wie schon lange nicht mehr. Sie konnte kaum aufhören zu schwärmen und über ihre Zweifel zu reden bis Ruben sie plötzlich unterbrach.
„Django heißt der Typ?“
„Ja, er ist Halbitaliener und ein totaler Romantiker, aber du hättest dabei sein müssen wie er mich angebaggert hat, das war echt süß...“
„Hat er dir erzählt, dass deine Augen funkeln wie die Sterne am Himmel und dass er noch nie so was Schönes wie dich gesehen hat?“
„Ja, so ungefähr. Süß, oder?“
„Und dann hat er dir erzählt, dass er dir leider nichts zu trinken mehr ausgeben kann, weil er sein Geld vergessen hat?“
Rebecca bleiben die Worte im Halse stecken.
„Äh... warst du etwa doch dabei als er mich angebaggert hat, oder woher weißt du das?“
Nein, hatte Ruben daraufhin erklärt, aber er kenne Django, weil der mit seiner Schwester zusammen aufs Gymnasium gegangen war, schon damals eine nach der anderen flachgelegt hatte, und schließlich in der zwölften Klasse von der Schule geflogen war, weil er auf dem Schulhof Pillen vertickt hatte.
Das hatte gesessen.
Und der Schock saß noch immer in Rebeccas Magen und hatte es sich dort bequem gemacht, doch jetzt ging sie trotzdem auf den Tisch zu, an dem er mit seiner neuen Eroberung flirtete.
„Hi Schatz“, begrüßte sie ihn gespielt freundlich, „hier steckst du also. Und ich suche dich schon überall.“
Djangos Grinsen verschwand aus seinem Gesicht, doch dann hatte er sich wieder in der Gewalt und erklärte entschuldigend: „Hey, Prinzessin, ich habe dich überall gesucht, aber hab dich nirgendwo gefunden.“
Diesen Moment nutzte die Blondine, um wütend und theatralisch auf ihren hohen Absätzen an den schwarzen Lackstiefeln, die sie zu einem so kurzen Rock trug, den Rebecca bestenfalls als Schal benutzt hätte, zu verschwinden. Vielleicht war es besser so, denn was noch kommen sollte, würde das Blondchen bestimmt nicht sehen und hören wollen.
Rebecca setzte sich auf den freigewordenen Platz und fuhr mit ihrem Spiel fort.
„Dario, wir müssen über was reden.“
Er sah sie fragend an, traute sich aber nicht nachzufragen, worum es ging. Vielleicht ahnte er auch, dass sie mit Ruben über ihn gesprochen hatte und dass das keinesfalls gut für ihn war.
„Weißt du“, sagte sie und himmelte ihn dabei scheinheilig mit verführerischem Augenaufschlag an, „die letzten Tage waren die schönsten, die ich seit langem erlebt habe. Ich fühle mich wohl bei dir und glaube, ich habe mich in dich verliebt.“
Djangos Grinsen kehrte zurück, aber er wusste ja auch noch nicht, was jetzt kam.
„Romeo, ich weiß, das klingt jetzt blöd, aber ich möchte dich auf keinen Fall wieder verlieren. Ich möchte mit dir zusammen sein und noch unendlich oft so geilen Sex haben wie neulich, aber ich brauche auch Sicherheit für meinen Sohn und mich. Tizian bracht so was wie einen Vater, und ich weiß, du wärst genau der Richtige dafür. Könntest du dir vorstellen, mit mir zusammen zu ziehen?“
Auf ihre Frage hin herrschte absolute Stille, und Django sah aus als hätte ein Zug ihn überrollt. Genauso hatte Rebecca es erwartet, und sein Gesicht war eigentlich schon genug Entschädigung für die Wut, die sie auf ihn hatte.
Leider hielt der Schock bei Django nicht lange an, er griff nach seinem Glas und nahm einen Schluck, dann lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und fragte nur knapp: „Sag mal, spinnst du?“
„Wieso spinnen?“, bohrte sie weiter, „Wie meinst du das denn jetzt?“
„Sorry, Prinzessin, aber ich hatte nie vor, eine Beziehung mit dir anzufangen. Wir haben bloß zusammen gepoppt, mehr war das nicht. Tut mir ja leid, wenn du was anderes erwartet hast, aber mehr ist leider nicht drin.“
Sie war geschockt über seine dreiste Antwort, denn mit so was hatte sie nicht gerechnet, und so wie es aussah, war sie nicht die erste, der er so was an den Kopf knallte. Trotzdem spielte sie ihre Rolle weiter, denn immerhin hatte sie sich fest vorgenommen, ihm hier eine so peinliche Szene zu machen, die er sein Leben lang nicht vergessen würde.
„Also heißt das, das war es jetzt? Nur ein One-Night-Stand und mehr nicht?“
„Es muss ja nicht dabei bleiben“, meinte er selbstgefällig, „wir können ja trotzdem unseren Spaß haben, nur wenn du nach einer Beziehung suchst, bist du bei mir an der falschen Adresse.“
Rebecca schnappte gekünstelt nach Luft und wollte gerade richtig loslegen als Django plötzlich seine Hand auf ihren Arm legte, sich näher zu ihr herüberbeugte und beinahe flüsternd sagte: „Aber nur weil wir nicht mehr miteinander schlafen, muss das ja nicht heißen, dass wir auch sonst getrennter Wege gehen.“
Und als Rebecca ihm nicht sofort ins Wort fiel, fuhr er fort: „Prinzessin, ich weiß ja, dass du wenig Kohle hast und auch selber keine Pillen schlucken willst, aber hast du eigentlich mal darüber nachgedacht, die Dinger wenigstens unter die Leute zu bringen?“
Jetzt blieb ihr tatsächlich die Luft weg und sie sah ihn mit großen Augen an.
„Weißt du, wenn ich dir die Dinger besorge und du sie dann weitervertickst, kannst du deinem Kleinen vielleicht auch ab und zu mal was Gutes tun.“
Bevor er ihr seine Pläne weiter erläutern konnte, stand Rebecca ruckartig vom Tisch auf, ergriff sein Glas und goss ihm den Inhalt wortlos über den Kopf. Dann folgte ihr theatralischer Abgang, der zwar anders als geplant war, aber trotzdem seine Wirkung erzielte, sie holte an der Garderobe ihre Jacke ab, schlängelte sich durch die Schlange an der Kasse am Ausgang und strebte zum Ausgang, bevor sie noch explodierte.
Kurz bevor sie zu Fuß den Heimweg antrat, drehte sie sich noch einmal zu dem mit Ruben befreundeten Türsteher um bat ihn, doch einmal diesen großspurigen Typen mit der Cola über dem Kopf genau zu beobachten, immerhin seien Drogen hier doch nicht erwünscht.
Let your feelings slip boy, but never your mask boy.
 
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Kommentare  

Erschreckend realitätsnah, diese Geschichte...
Aber sehr gut geschrieben. Und das Ende finde ich auch gut, dass macht jedem Mut, der schon mal auf ein Ar****och reingefallen ist...
Echt cool.


Lena N. (04.02.2005)

Die Szene hast du ja wunderbar beschrieben, auch das ganze Drumherum, die Bilder, Gedanken, Gefühle, das passt alles.
Schade nur, dass es am Ende wirklich so kommt, wie es in der Wirklichkeit nun mal oft so ist.
Was mir ein wenig fehlte, waren die Beschreibungen der Personen (Aussehen) von Prota, Kerstin und Ruben. Und etwas mehr Beschreibung aus ihrem Alltag hätte nicht geschadet, auch wenn man sich gut vorstellen kann, wie trist so was ist. 4P.


Freiheit (16.12.2004)

Eine Frau, die sich übergibt, danach badet (heißes Wasser bei Übelkeit? -> Brrr, schrecklich, grauenhaft) und dann Mal eben den Mann noch oral befriedigt??? Das muss ja eine Superfrau sein!
Die Story hat mich insgesamt nicht überzeugt. Vergleiche ich sie mit anderen Geschichten von DIR, könnte ich sie nur mit drei Punkten bewerten. Im objektiven Vergleich gebe ich aber doch noch vier Punkte.


Norma Banzi (08.01.2003)

Nicht schlecht! Gute Story, gut geschrieben.

Rally


Rally Vincent (23.09.2002)

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