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8 Seiten

deep blue - oder: Wo endet die Unendlichkeit?

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Undurchdringliches Blau. Wir schweben. Schweben durch Raum und Zeit, und um uns nichts als die Unendlichkeit der Tiefe. Fern von der Sonne. Tief unten auf dem Meeresgrund, und dem Himmel so nah. Wir schweben durch die unendlichen Weiten des Meeres, tauchen hinab in eine Welt, die nur wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Das Licht bricht sich im Wasser. Fische und Pflanzen leben in völliger Stille, das monotone Rauschen des Meeres ist der einzige Laut. Blau, das niemals aufhört, nur eine Farbe und doch unendlich mehr als oben. Eine Fülle an Farben und Formen, und selbst an Tönen. Die Faszination der Stille, der Klang der Stille. Das Meer hat mich gefangen, ich bin gefesselt von seiner Schönheit. Und doch bin ich frei. Frei wie nie zuvor, sicher in der Umarmung der Fluten. Wir tauchen ein ins Glück. Lassen alles hinter uns. Niemand kann und halten, nichts kann uns stoppen, wir sind frei. Mein Kopf ist leer. Endlich. Alles habe ich hinter mir gelassen, da oben, in der anderen Welt. Jetzt tauche ich nur noch hinab, immer tiefer. Ich sauge alle Eindrücke in mich auf. Fülle meine Lungen mit Blau. Lasse unterirdische Schönheit und Gedankenlosigkeit durch meinen Körper ziehen. Alles ist von mir gewichen, ich fühle mich erlöst. Habe alles hinter mit gelassen, werde ein Teil dieser Welt. Werde Fisch, werde Wasser, werde vielleicht Seestern. Seestern oder Alge oder Tintenfisch. Wesen ohne Sorge. Ohne Verpflichtung. Ohne Gefängnis. Erst jetzt begreife ich, wie uns die Welt gefangen hält. Nicht nur, unser Alltag, sondern die Welt an sich. Sie zwingt uns auf dem Boden zu bleiben, drängt uns eine Zweidimensionalität auf. Dort müssen wir auf der Erde wandeln, immer auf einer Ebene und aufpassen, dass wir nicht stolpern. Hier gibt es keine Grenzen. Ich schwebe. Schwebe in alle Richtungen, nichts, was mich hält. Alles ist in Bewegung. Nichts ist statisch. Nichts starr. Auch ich bin es nicht mehr, glaube fast, ich könnte selbst meinen Körper verlassen. Auch der ist oben ein Gefängnis. Hier unten aber passt er sich meinem Willen an. Allein mein Wille entscheidet. Ich bin nicht mehr Mensch, sondern nur noch ich. Grenzenlosigkeit und grenzenlose Schönheit. Entfesselung und entfesseltes Leben. Wir tauchen durch diese Welt und werden Teil von ihr. Friedlich ist es hier. Alles bewegt sich langsamer, alles ist in blaues Licht getaucht. Und alles ist grenzenlos und wunderschön. Und lebendig. Zum ersten Mal in meinem Leben lebe ich wirklich. Alles ist bedeutungslos, was zählt ist der Augenblick. Die Gegenwart. Das hier und jetzt. Die Wasserpflanze vor mir, der felsige Grund unter meinen Füßen, der Schwarm Fische, der sich links von mir frei und doch wie im Takt einer stummen Musik bewegt, das Wasser das mich weich umarmt. Ich fühle mich wie ein Fisch, der sorglos umherschwimmt, den das Gestern und Morgen nicht berührt. Ein Fisch, der nur Augen hat für die Schönheit, die ihn umgibt. Schwimmen, schwimmen. Immer weiter. Durch die sonderbarsten Gewächse tauchen, die nie ein menschliches Auge zuvor gesehen hat, sich vom Wasser streicheln und tragen lassen, schwerelos sein, den bunten Lichtstahlen, die sich im Wasser brechen folgen. Nur schwimmen, sich treiben lassen. An nichts denken. Frei sein.

Um sie herum herrscht Gedränge und eine ausgelassene Stimmung. Jeder hier scheint glücklich zu sein, und doch ist es nur eine Scheinwelt, ein Verdrängen, eine Flucht. Ihnen geht es ja nicht anders. Auch sie sind hier, um zu entfliehen, dem Alltag zu entgehen, ein paar Stunden lang zu vergessen, was da draußen in der Welt passiert. Dazu herrscht ein unerklärliches Gemeinschaftsgefühl, dieses unerklärliche kollektive Empfinden, dass man gemeinsam etwas Bedeutsames erlebt. Alle hier schienen zu glauben, sie hätten teil an einer höheren Erkenntnis. Sie alle verschmolzen damit zu einer Masse, zu einem einzigen Körper, bei dem die einzelnen Teile ununterscheidbar sind. Hier gibt es keine Ungerechtigkeiten, keinen Hass, keinen Schmerz, all die Dinge, die das Leben so schwer machten, sind ausgesperrt. Dennoch ist ihnen bewusst, dass sie sich nicht in dieser Scheinwelt verlieren dürfen. Sie dürfen sich nicht einsaugen lassen in etwas, dass sie die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit vergessen lässt. Denn das alles hier ist nur eine Illusion. Eine Illusion, aus der es aufzuwachen mit jedem Augenblick schwieriger wird. Je länger man sich von der Realität abwendet, desto grausamer kommt sie einem vor, wenn man in sie zurückkehrt. Und Danilo ist schon viel zu lange weg. Sie alle sind schon viel zu oft geflohen, haben sich ausgeblendet, und sie alle wissen, dass es mit jedem Mal schwerer wird, zurückzukehren. Man wird eingesaugt und kann sich nicht dagegen wehren. Es ist die Sucht, die Scheißsucht, die sie alle in ihren Bann nimmt. Und wenn sie Danilo nicht bald zurückholen, wird es eine Katastrophe geben. Sie müssen dringend handeln, nur wie sollen sie das tun, wo sie doch selbst noch zur Hälfte im Raum schweben? Sie haben alle ihre Körper verlassen, und keiner von ihnen kann so einfach zurückkehren. Sanny ist es, die zuerst die Panik ergreift. Sie packt Danilo an den Schultern, schüttelt ihn. „Es ist nur eine Illusion“, schreit sie immer wieder, „nur eine Illusion!“ Danilo sieht sie an und durch sie hindurch, er will nach ihr greifen, doch seine Hände fassen ins Leere. Und Sanny? Sanny dreht sich wild herum, sucht nach Hilfe, die es nicht gibt. Ihre Augen zucken haltsuchend durch den Raum, bleiben schließlich an Marvin hängen. Aber auch er ist noch zu sehr gefangen und fuchtelt nur hilflos mit den Armen bis er sich wieder abwendet und sich auf das helle Licht über ihm konzentriert.

Blaues Wasser. Tiefblaues Wasser, das mich schweben lässt. Ich lasse mich davon treiben. Kann nicht sagen, wohin es mich trägt, will es auch nicht. Mein Wille, ausgeschaltet. Frei, weil der Wille betäubt ist, ist das der Preis der Freiheit? Nein, das ist Freiheit. Willenlos durchs Meer treiben, von den warmen Wogen getragen werden. Kein Ziel vor Augen, nur Wasser, Licht, der Meeresgrund weit, weit unter mir. Nur eine Illusion. Nur eine Illusion, schießt es mir durch den Kopf. Ich verstehe nicht. Ich schwebe durch die Unterwasserwelt und habe mein Denken ausgeschaltet. Um mich herum tiefes Blau, Licht, das sich im Wasser bricht, und Lebewesen in allen nur erdenklichen Farben. Sie umschwirren mich, sind überall um ich, ich kann nach ihnen greifen. Nur eine Illusion? Das Wasser verändert sich. Langsam. Ich reiße die Augen auf. Es ist als ob das Wasser verwäscht. Es verliert seine Farbe. Und auch alle anderen Farben verblassen. Nur eine Illusion. Das Meer verblasst und mit ihm alles, was darin lebt. Eine Illusion. Und dann fällt es mir wieder ein. Ich öffne die Augen und es fällt mir wieder ein. Kein Wasser. Wie auch? Es fällt mir wieder ein. Ich habe meinen Körper verlassen, um zu schweben. Wir alle haben unsere Körper verlassen und uns treiben lassen. Aber nicht im Wasser. Das Wasser ist bloße Illusion. Ein Traum. Die Farben verschwinden, alles dreht sich, wird wie in einen Strudel gesogen. Das Meer löst sich vor meinen Augen auf. Wie ein fallender Vorhang öffnet es mir die Sicht. Keine Unterwasserwelten, denn auf der Erde gibt es keine grenzenlose Freiheit. Nicht einmal unter dem Meer. Aber hier, hier bin ich frei. Ich sehe mich um, drehe mich, erkenne die anderen. Und wir alle sind frei. Die Farben kehren aus dem Strudel zurück und bauen sich wieder auf. Sie formieren sich neu, geben ein neues Bild ab. Kein Wasser. Sondern Luft, die ich tief in meine Lungen saugen kann. Die mich atmen lässt. Frei und ohne Zwang. Ich schließe meine Augen, weil das Licht mich blendet. Ich öffne sie wieder und sehe die Weite. Die unendliche Weite. Haltlos schwebe ich durchs All. Wo vorher Fische und Pflanzen waren, leuchten jetzt Sterne. Sterne, Kometen, Planeten, Sonnen. Die Unendlichkeit des Universums. Wir sind vorgedrungen bis an den Rand des Weltalls. Haben alle Grenzen überschritten. Von nun an erwartet uns nur noch Freiheit. Nichts kann uns halten, nichts stellt sich uns in den Weg. Wir haben freie Sicht auf die Ewigkeit. Hier wollte ich immer hin. Das Ziel meiner Träume. Die Grenze der Unendlichkeit. Schon immer habe ich mich gefragt, wie endlos aussieht. Wo endet das Universum? Was folgt nach unendlich? Nichts? Und wie sieht Nichts aus? Jetzt bin ich am Ziel. Nur noch einen Schritt, noch einen Meter weitertreiben lassen, und wir sehen, was uns umgibt. Ich durchbreche die letzte Grenze der Menschheit, die Beschränkung des Verstandes, das Ende aller Dimensionen. Ohne Eile schwebe ich voran, durchbreche den Zenit des Vorstellbaren, entschwinde dem, was nicht Nichts ist. Alles, was real oder denkbar ist, lasse ich hinter mir und tauche ein in den weiten Ozean des mit Gedanken nicht mehr Erfassbaren.

Marvin und Sanny kehren mühsam in ihre Körper zurück, kämpften gegen die Fantasien an, die sie immer noch fortzureißen droht. Sie müssen den Weg zurück in die Wirklichkeit finden, bevor es zu spät ist. Wenn sie es jetzt nicht besiegen können, wird es sich in ihnen einnisten und sie nie wieder loslassen. Und auch Danilo müssen sie zurückholen. Sie gucken sich an, halten sich gegenseitig an den Händen fest und versuchen gemeinsam die Kraft aufzubringen, den Halluzinationen, den Träumen, der Verlockung zu widerstehen. In Sannys Augen lodert immer noch die Angst, und Marvins kalte Hände verraten ihr, dass es ihm nicht anders ergeht. Um zu siegen, müssen sie in ihr Gefängnis, ihren Körper zurückkehren, wieder die Herren ihres Verstandes werden. Doch dazu müssen sie all ihren Willen aufbringen, eine ungeheure Anstrengung in ihrem Zustand, aber nur dann werden sie Danilo helfen können. Wie in Zeitlupe durchbrechen sie die Mauer, die sie von der Realität fernhält. Marvin spürt ein Kribbeln in seinen Füßen und im Magen, und Sanny nimmt um sich herum wieder klare Gestalten wahr. Aus den umherschwirrenden Lichtern schälen sich Menschen, sie spüren den Boden unter ihren Füßen und hören wieder die vom Bass getragenen Melodien. Endlich haben sie die Kontrolle über sich zurückerlangt, und sogleich sehen sie sich nach Danilo um. Marvin stürzt auf ihn zu und schüttelt ihn wie es zuvor auch Sanny schon getan hatte. Sein abwesender Blick sagt ihm, dass Danilo noch sehr weit weg unterwegs ist. „Raus hier!“, ruft Sanny ihnen zu, und gemeinsam zerren sie Danilos Körper, der sich wie leer anfühlte durch die Menge. „Wasser, er braucht Wasser. Er muss viel trinken.“, fällt es Marius ein, „ Schnell, hol etwas zu trinken.“ Sanny macht sich auf den Weg und stellt fest, dass ihre Beine ihr noch immer nicht gehorchen. Ein neuer Schub der wohligen Wärme steigt in ihr auf, sie kämpft dagegen an und widersteht er Versuchung, sich einfach fallen zu lassen. Währenddessen zerrt Marius Danilo an die frische Luft und redet auf ihn ein, ruft nach ihm, befielt ihm, zurückzukommen. Danilo zeigt keine Reaktion, es ist als hätte er ihn nicht gehört, als sei er schon zu weit entfernt. Endlich kehrt Sanny mit dem Wasser zurück und sie flößen es Danilo ein. „Er hat es darauf angelegt“, heult Sanny plötzlich los, „er wollte es so.“ Marius weiß, dass sie Recht hatt. Schon bevor sie es ausgesprochen hatte, war ihnen beiden klar gewesen, dass Danilo genau das gewollt hatte. Er wollte eine Grenze überschreiten. Die allerletzte Grenze. Von Anfang an hatte er es geplant, und er wollte sie mitnehmen an jenen Ort, den er in diesem Moment vielleicht schon erreicht hat.

Die Razzia erfolgte um Punkt fünf Minuten vor Mitternacht. Etwa zwei Dutzend Polizisten stürmten den Club und behielten mit geschultem Blick alle Gäste im Auge. Bevor irgendjemand wusste, was vor sich ging, wurde das Licht angeschaltet, die Musik abgestellt und der leitende Beamte forderte durch ein Megafon alle Anwesenden auf, sich nicht von der Stelle zu rühren. Trotz aller Schnelligkeit und Professionalität entstand eine Panik und etliche Besucher wollten zum Ausgang drängen, wo sie aber von weiteren Uniformierten am Verlassen des Gebäudes gehindert wurden. Der DJ, der sich darüber beschwerte, wie ein Verbrecher behandelt zu werden, wurde als erster durchsucht, dann nahmen sich die Polizisten die Gäste einen nach dem anderen vor und filzten ihn. Schon seit langem war der Club als mutmaßlicher Umschlagplatz für Drogen bekannt, doch bis jetzt hatte man nie bedeutsame Mengen illegaler Substanzen finden können. Selbstverständlich war auch nach der heutigen Aktion wieder mit einer Klage des Geschäftsführers zu rechnen, für den die Razzien geschäftsschädigend waren, doch ein Blick der Beamten in die geweiteten Pupillen der Partygänger genügte ihnen, um zu wissen, dass sie diesmal eine nicht unerhebliche ausbeute machen würden. Und tatsächlich, schon nach kurzer Zeit wurde man fündig und konnte nicht unerhebliche Mengen dem Gesetz nach verbotener Amphetamine sicherstellen. Den Polizisten war es egal, wie sehr sich die Gäste sträubten und wehrten, viele von ihnen fühlten sich zu unrecht an etwas gehindert, dessen Gefahr sie nicht erkennen wollten, und einige von ihnen argumentierten damit, dass man sie am Ausleben ihrer Persönlichkeit hinderte und andere, die sich nicht dem Drogensumpf verschrieben hatten, fühlten sich bedrängt und ohne Rechtfertigung zu Verbrechern degradiert. Dennoch prallten all diese Vorwürfe von den Beamten ab, denn sie wussten, dass sie das Richtige taten. Sie hinderten diese Jugendlichen daran, in lebensbedrohliche Gefahren abzurutschen und aufgrund infantilen Leichtsinns von rechten Wege abzugeraten. Scheiß jemand etwas auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit, jeder vernünftige Mensch wusste, was richtig und falsch war, und niemand konnte anzweifeln, dass vom Gesetz vorgeschriebene Grenzen einzuhalten waren. Man lebte nun einmal in einer Gesellschaft, deren Regeln man sich zu unterwerfen hatte, wo käme man denn hin, wenn jeder tun konnte, wonach ihn verlangte? Neben einigen anderen schweren Fällen wurde auch ein junges Pärchen aufgegriffen, dass sich geradezu rührend um einen Freund kümmerte, der auf seinem Trip noch tief in einer anderen Dimension schwebte. Sofort wurde ein Notarzt gerufen, und die Freunde des Abwesenden wurden kurzerhand in Gewahrsam genommen. „Er hat zu viele Pillen geschluckt“, stammelte das Mädchen immer wieder, „Hat sich etwas zusammengemixt, was ihn über eine Schwelle tragen sollte, und er wollte uns mitnehmen.“ Die anwesenden Sanitäter stellten sie mit Medikamenten ruhig, und auch dem Jungen, der immer wieder beteuerte, er habe nichts tun können, versetzte man eine Beruhigungsspritze. „Danilo wollte wissen, was auf der anderen Seite ist, er wollte die Unendlichkeit sehen, wollte Freiheit“, erklärte er, während er ungehalten in einen Polizeibus geschoben wurde und die Tür sich unwiderruflich hinter ihm schloss. Auch hinter seinem Freund schloss sich eine Tür, und zwar die des Krankenwagens, der ihn schleunigst in Krankenhaus fuhr, einen kalten Betonbau, dessen enge Flure und kahle Zimmer von kaltem Neonlicht bis in den kleinsten Winkel ausgeleuchtet wurden. Hier versuchte man ihn, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ins Leben zurückzuholen.

Was ich sehe kann ich nicht beschreiben. Auch was ich fühle, lässt sich nicht in Worte fassen. Grenzenlosigkeit? Glück? Leere? Nein, ich fühle nichts mehr, ich bin lediglich noch. Ich nehme etwas in mich auf, habe aber keine Wahrnehmung mehr. Alles ist blau. Alles warm. Und kalt. Meine Gedanken, das Licht, die Farben, alles ist so nah. Alles ist Teil von mir. Ich bin Teil von allem. Nein, auch das trifft es nicht. Es ist Nichts, es ist Freiheit, ich bin. Für das, was ich bin, was ich sehe, was ich fühle, was ich rieche, was ich schmecke gibt es keine Worte. Es gibt weder Schwarz noch Weiß. Weder Unten, noch oben. Weder links, noch rechts. Nur noch geradeaus. Vorwärts. Nirgendwo ist Halt, nirgendwo eine Begrenzung. Aber schwindelig ist mir auch nicht. Ich weiß nicht, wie ich das, was ich empfinde, beschreiben soll. Ich muss es nicht beschreiben. Ich muss es nicht einmal empfinden, es ist einfach da. Ich bin jenseits von Zeit und Raum. Ich kann nicht denken, kann nicht sehen, kann nur noch sein. Das Ende? Oder ein Anfang? Es ist einfach nur Befreiung. Nein, es ist besser als frei, es ist alles. Ja, alles. Alles und nichts. Ich weiß, dass Sanny und Marvin sich von mir entfernen, mir nicht gefolgt sind. Ich habe sie zurückgelassen. Habe sie vergessen. Wen vergessen? Und wer bin ich? Aus der Ferne höre ich Stimmen, die zu mir rufen. Aber was sind Stimmen? Was sind Worte? Was bin ich und was bedeutet sein? Lebe ich? Was ist Leben? Will ich leben? Was ist wollen? Es ist. Und nichts anderes existiert.


Christian Dolle
 
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Kommentare  

Ich muss Mes Calinum im großen und ganze beipflichten.
Die Prämisse vermittelt wirklich ein seltsames Weltbild, Drogentod als Erlösung?
Eventuell ja, wenn danilo eine wirklich guten Grund dafür gehabt hätte.
Leider kam von diesem Grund nichts rüber, also muss ich annehem, er hat sich das Zeug nur aus langeweile reingezogen und dann einen tollen Abgang gemacht.
Aber im Gegensatz zu Mes fand ich den Einstieg für ein so profanes Ende etwas zu schwülstig.
Man erwartet alles mögliche, vom Tauchabenteuer bis hin zum Mystischen, und dann doch nur ein Drogenopfer.


Drachenlord (17.06.2003)

Ich finde den Einstieg in die Story gelungen, weil die erste Passage eine interessante Frage aufwirft: Was passiert, wenn sie diese wunderschöne Welt verlassen? Was hebt sie von der anderen Welt so sehr ab? Und wer sind diese Taucher eigentlich? Und obwohl der Einstieg eigentlich keine zentralen Konflikte enthält, wird doch eine wundersame Atmosphäre geschaffen, so dass man mehr über diese Welt erfahren möchte.
Im zweiten Teil wird dann die Spannung angefangen aufzubauen. Man hat den Eindruck, dass alles nur eine Illusion ist, über die wahre Welt wird noch nichts verraten. Sie könnte alles sein, überall. Jemand ist in Gefahr, was den zentralen Spannungspunkt darstellt. Kann die Person gerettet werden?
Im dritten Abschnitt erfährt jetzt auch der Leser, dass Danilo erkennt, dass er nur eine Illusion erlebt. Allerdings verliert sich hier der Spannungsbogen bereits wieder. Aus Danilos Sicht scheint keine Gefahr zu bestehen, ganz im Gegenteil, er fühlt sich wohl.
Dann kommt im vierten Abschnitt die etwas sehr enttäuschende Auflösung. Nur ein paar Techno-Kids, die sich in einer Disco mit Drogen vollgepumpt haben. Hier verliert die Geschichte nicht nur die Spannung, sondern auch ihre Magie, das Geheimnisvolle der wundersamen Unterwasserwelt verblasst.
Dann eine Razzia, man weiß zwar jetzt schon, dass Danilo sterben wird, weil ihm die Welt der Illusionen wichtiger ist, aber man fiebert nicht wirklich mit ihm mit. Die Gründe, warum Danilo lieber den Drogen erliegt, werden nur oberflächlich angerissen, es gibt nicht, was den Leser mit Danilo verbindet. Der Charakter ist äußerst schwach dargestellt.
Am Ende hat man noch den Eindruck, als wäre ein Drogentod etwas Positives, etwas Befreiendes. Da fragt man sich als Leser, ob diese Prämisse ein gutes Vorbild ist?
Sicherlich ein schönes poetisches Spekatakel aus Bildern und Worten zu Beginn der Geschichte, aber Idee und Umsetzung zeigen noch viele Mängel. Der Leser fiebert nicht wirklich mit, die Geschichte erzeugt keine Nachdenklichkeit, da man die Beweggründe von Danilo nicht wirklich versteht und er am Ende nicht mehr ist als irgendein Drogentoter.


Mes Calinum (14.06.2003)

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