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6 Seiten

Vacuum Cleaner Head (Teil 2)

Romane/Serien · Amüsantes/Satirisches
Ich habe noch eine Rechnung mit ihm offen. Mit dem Vacuum Cleaner Head. Immerhin hatte ich mich mit einem Kumpel auf die Suche nach dieser Kreatur gemacht, obwohl wir eigentlich gar nicht an ihre Existenz glaubten. In einer ziemlich vermüllten Gegend sind wir dann aber doch auf dieses Monster gestoßen, mit dem Ergebnis, dass es meinen Kumpel einsaugte und mir niemand meine Geschichte glaubte.
Seitdem habe ich viel im Internet recherchiert, mich durch unzählige Foren und Youtube-Videos geklickt, die von seltsamen Erscheinungen und unvorstellbaren Wesen berichten. CreepyPastaPunch berichtete über Sichtungen des Vacuum Cleaner Head, ließ alles, was er recherchiert hatte aber nicht als Beweis gelten und stellte seine Existenz daher infrage. Sev spielte zusammen mit Corrupted ein VR-Horrorspiel, in dem sie vor SirenHead und Vacuum Cleaner Head fliehen mussten, doch am Ende machten sich beide über die Kreaturen lustig. Einzig und allein bei Attila Hildmann hatte ich den Endruck, dass er wirklich an den Vacuum Cleaner Head glaubte, allerdings behauptete der, die Kreatur sei von Bill Gates und Microsoft entwickelt, um die Weltbevölkerung zu dezimieren.
Auch was ich sonst so fand, schien mir größtenteils schlicht der Fantasie einiger durchgeknallter Creepypasta-Erzähler entsprungen. Doch dass Vacuum Cleaner Head wirklich existiert, musste ich ja leider am eigenen Leib erfahren als er auch mich beinahe mit seinem Staubsaugermaul verschlungen hätte.
Daher suchte ich weiter und fand in einigen Foren schließlich doch noch einige ernstzunehmende Tipps, wie man sich gegen ihn zur Wehr setzen kann. Natürlich wusste ich nicht, was ich davon zu halten hatte, doch jetzt, wo ich wusste, dass er existierte, war mein Ehrgeiz geweckt und wie gesagt, ich hatte schließlich noch eine Rechnung mit Vacuum Cleaner Head offen.
In den folgenden Tagen wusste ich nicht, ob ich allmählich verrückt oder aber zum Ghostbuster wurde, jedenfalls bereitete ich mich akribisch auf meine Jagd nach dem Monster vor, besorgte mir all das, was in den Foren empfohlen wurde und ging nach langer Zeit sogar mal wieder ins Fitnessstudio, um dem Kampf, in den ich ziehen wollte, auch gewachsen zu sein.
Dann war es soweit, ich fühlte mich ausreichend vorbereitet oder zumindest so gut es mir eben möglich war, mich auf eine solche Sache vorzubereiten, packte meine Sachen und zog mit Einbruch der Dunkelheit los in jene Gegen der Stadt, wo ich die Kreatur auch schon beim ersten Mal aufgespürt hatte.
Inzwischen sah es hier gepflegter aus als noch bei meinem ersten Besuch, es türmte sich auch nicht mehr der Müll in den Seitengassen, vielleicht hatte die Stadtverwaltung davon Wind bekommen, dass hier häufiger Menschen spurlos verschwanden und auch, dass es wohl mit dem Dreck und dem Schrott an der Straße zu tun hatte.
Also zog ich weiter durch die Stadt, zog meine Kapuze hoch, weil es doch empfindlich kühl wurde, vor allem aber lauschte ich bei jedem einzelnen Schritt wachsam in die Dunkelheit, ob der Wind irgendwo auffrischte oder ich ein Heulen hören konnte. Noch gab es keinerlei Anzeichen, doch noch waren auch viele Fenster hell erleuchtet und ich war mir sicher, dass die Kreatur trotz seiner übermenschlichen Stärke darauf bedacht war, unentdeckt zu bleiben.
Es wurde immer kälter, doch ich war längst noch nicht bereit, meine Suche aufzugeben. Vielleicht war es Beharrlichkeit, vielleicht auch nur Trotz, doch auf keinen Fall wollte ich mich damit zufrieden geben, einen Freund an das Monster verloren zu haben, ihm nur knapp entronnen zu sein und nicht einmal einen Beweis für seine Existenz erbracht zu haben. Dieser Gedanke trieb mich an und trieb mich schließlich in ein heruntergekommenes Industriegebiet.
Die Fabriken hier waren schon vor etlichen Jahrzehnten erbaut worden, sie produzierten all das, was Dreck machte, es waren eben keine modernen Bürokomplexe, in denen vor allem digital gearbeitet wurde. Dementsprechend düster war die Gegend, dementsprechend viel Schrott säumte die Straßen, Container waren fast überall abgestellt, Autowracks und auch Müll, den Menschen aus der Stadt offenbar hierher gebracht hatten um die Abfallgebühren zu sparen.
Hier würde ich fündig werden, sagte mir meine innere Stimme, dies war die perfekte Gegend für einen gefräßigen Vacuum Cleaner Head. Dass ich mich nicht täuschte, verriet mir der auffrischende Wind, der immer wieder Laub aufwirbelte und um die Backsteingebäude pfiff. Es dauerte nicht lange bis er zu einem Heulen anschwoll, jenes Heulen, das ich schon kannte und das eben nicht vom Wind herrührte, sondern von jener Bestie, der ich mich stellen wollte.
Immer weiter schlich ich in die dunkelsten Nebenstraßen, dorthin, wo es am schmutzigsten aussah und das Heulen immer lauter wurde. Dann endlich entdeckte ich ihn, wie er seinen Staubsaugerkopf auf dem langen schlauchartigen Hals in die Höhe streckte und sich suchend nach Beute umsah. Er schob seinen massigen Körper über die Straße, dann zuckte der Hals in einer blitzschnellen Bewegung nach vorne, das Geheul wurde für einen Moment schier ohrenbetäubend, er hatte sich eine streunende Katze einverleibt.
Mir drehte sich der Magen um und nur mit Mühe schaffte ich es, mich nicht erbrechen zu müssen. Das war auch gut so, denn sobald Vacuum Cleaner Head das Tier durch seinen langen Hals in seinen Magen gesaugt hatte, reckte er sich wieder und sah sich in alle Richtungen um. Er musste wittern, dass ich in der Nähe war, sagte ich mir, doch schließlich war genau das mein Plan.
Also presste ich jetzt meinen Rucksack fest an mich und trat mitten auf die Straße in den Schein einer flackernden Laterne. Blitzschnell ruckte der Kopf der Kreatur in meine Richtung, seine Augen fixierten mich und schon heulte er wieder los. Blätter und alles, was sonst herumlag, wirbelte nun um mich herum, auch mich erfasste der Sog, wurde stärker, so stark, dass ich all meine Kraft aufbringen musste, um dagegen anzukämpfen. Und er wurde noch stärker.
Lange würde ich dem sowieso nicht standhalten können, sagte ich mir und so schickte ich ein Stoßgebet gen Himmel und ergab mich dann der Kraft, die mich sofort in sein riesiges Maul sog. Instinktiv rollte ich mich zusammen, zog Arme und Beine an und schützte vor allem mein Gesicht. Dennoch spürte ich nur allzu deutlich, wie ich durch seine Kehle und dann durch den engen Schlauch, der seinen Hals darstellte, gewürgt wurde.
Einige angebliche Augenzeugen hatten davon berichtet, man könne sich ähnlich einer Wasserrutsche gegen die Außenwände stemmen und so verhindern, hinuntergeschluckt zu werden. Allerdings umschloss mich sein Hals ohnehin schon so eng, dass ich mich kaum rühren konnte. Und auch das Messer, das ich aufgrund einiger Empfehlungen mitgenommen hatte, fügte dem Hals nicht einmal einen Kratzer zu.
Dieses Wesen war eben keine Maschine, seine Haut nicht starr wie aus Plastik, sondern elastisch und es war als würde es meinen kläglichen Angriffen ausweichen, meinen Körper hingegen immer tiefer ziehen. Alles um mich herum drehte sich, ich konnte nichts sehen, weil alles um mich herum tiefschwarz war, ich spürte die Enge, dann bekam ich keine Luft mehr, wurde allmählich ohnmächtig.
Als ich wieder zu mir kam, spürte ich ein Kratzen im Hals, musste husten, bekam dadurch aber das Gefühl von Staub im Rachen nicht weg. Ich schlug die Augen auf, hustete immer noch, so sehr, dass es Staub aufwirbelte. Um mich herum war es dunkel und neblig, es fiel mir schwer, Luft in die Lungen zu bekommen.
Jemand saß neben mir, klopfte mir auf den Rücken und riet mir, langsam zu atmen, bloß nicht in Panik zu verfallen. „Was ist los?“, stammelte ich, „Wo bin ich?“ Im Bauch vom Vacuum Cleaner Head, klärte mich mein Kumpel mit erschreckend emotionsloser Stimme auf. Meine Gedanken überschlugen sich. Wieso lebte ich noch? Und wieso lebte er noch? Immerhin war es über zwei Wochen her, dass die Kreatur ihn bei unserer nächtlichen Erkundungstour eingesaugt hatte. War das hier überhaupt real?
Es war sogar ziemlich real, musste ich mir eingestehen als mich ein erneuter Hustenschauer durchschüttelte. Trotzdem konnte ich es noch immer nicht begreifen. Dabei war es genau das, was ich ja zuvor in einem Internetforum gelesen hatte. Vacuum Cleaner Head saugte seine Beute ein, verdaute sie aber nicht, sondern ließ sie solange in seinem Bauch versauern bis sie von selbst zu Staub zerfiel.
Jetzt erst erkannte ich, dass außer meinem vermissten Kumpel noch weitere Überlebende hier drin waren. Zum einen die Katze und dann ein Mann in einem schwarzen Anzug. Nun ja, in einem ehemals schwarzen Anzug, der inzwischen vom Staub natürlich vollkommen grau war. Er kam auf mich zu, reichte mir förmlich die Hand und stellte sich als Meier vor, wobei er keinen Zweifel daran ließ, dass der Name vermutlich falsch war.
Mein Kumpel erklärte mir dann, dass Meier schon hier war als er eingesaugt wurde und mehr noch als ich wissen wollte, wer dieser seltsame Mann war, wurde mir dadurch bewusst, dass es demnach wohl kein Entkommen aus dieser Staubhülle gab. „Ich hatte gelesen, dass es möglich sein soll, Vacuum Cleaner Head den Bauch aufzuschlitzen und so zu entkommen“, erklärte ich tonlos und hielt in einer verzweifelten Geste das große Brotmesser hoch, das ich extra dafür mitgenommen hatte.
Genau das sei auch sein Plan gewesen, erklärte mir Meier, auch er habe sich auf den Weg gemacht, die Kreatur zu fangen, hatte dann aber feststellen müssen, dass immer, wenn er das Messer ansetzte die Haut zurückwich und es ihm folglich nicht gelang, auch nur einen winzigen Ritz hineinzuschneiden, um wenigstens Luft zu bekommen.
Auch als mein Kumpel dann ein Opfer des Monsters wurde, gelange es ihnen auch zu zweit nicht, die Außenhaut so zu fixieren, dass sie schneiden konnten, sprach er weiter, doch jetzt, wo wir zu dritt waren, hatten wir vielleicht eine Chance. Noch immer hustete ich, versuchte meine Gedanken zu ordnen, doch allmählich begriff ich, dass die beiden längst einen neuen Plan hatten und sich deshalb so über mein Erscheinen hier freuten.
Es dauerte nicht lange, da packten mein Kumpel und ich jeweils eine Hautfalte und zogen die Magenwand mit aller Kraft auseinander. Meier nahm mein Brotmesser und stach in dem Bereich dazwischen zu, bohrte das Messer immer tiefer in das nun zuckende Fleisch. Wir mussten alle Kraft aufbringen, um es daran zu hindern, einfach wegzuzucken und Meier ritze, sägte und säbelte immer weiter.
Von außen hörten wir ein gespenstisches Heulen, es klang als würde Vacuum Cleaner Head jammern. Daher ließe wir in unserer Anstrengung nicht nach, zogen die Haut straff und Meier schnitt immer weiter. Plötzlich gab es einen Ruck, die Außenhaut gab nach und wir sahen einen grellen Lichtstrahl eindringen. Das spornte uns umso mehr an, Meier schnitt weiter bis die Öffnung zuerst groß genug war, damit die Katze hinausschlüpfen konnte und schließlich so groß, dass auch wir in die Freiheit krabbeln konnten.
Die Kreatur heulte längst nicht mehr, lag jetzt reglos am Boden und wir konnten es kaum fassen, dass wir ihr und unserem sicheren Tod entkommen waren. Mein Kumpel und ich fielen uns in die Arme, lachten wie irre und wollten auch Meier umarmen, der uns aber nur mit einer schnellen Bewegung von sich wies.
Dann zog er ein Handy aus der Hosentasche, wählte eine Nummer und meldete sich mit „Agent 11334242BA hier. Mir ist es gelungen, die Kreatur dingfest zu machen. Sie können sie nun abholen.“ Er legte auf, ohne eine Antwort abzuwarten, steckte das Handy weg und zückte stattdessen eine dunkle Sonnenbrille, die er sich aufsetzte, bevor er sich umdrehte und grußlos im Dunkel der Nacht verschwand.
Mein Kumpel und ich sahen uns fragend an, verstanden überhaupt nicht mehr, was hier vor sich ging. Auch dann nicht als nur wenige Augenblicke später ein Lieferwagen um die Ecke bog, mit quietschenden Reifen vor uns anhielt. „SCP Foundation“ konnte ich auf der Seite lesen, dann stiegen zwei Männer in Overalls aus, hievten Vacuum Cleaner Head auf eine Trage, schoben diese in den Wagen, schlugen die Türen zu, stiegen wieder ein und verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren.

Auch zum zweiten Teil gibt es eine Vertonung auf Youtube: https://youtu.be/yh9b2e0lSBU
 
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