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Die Belfast Mission - Kapitel 02

Romane/Serien · Fantastisches
Kapitel 02 – Der Fremde

Mittwoch 10. April 1912. 7:58 Uhr, zwei Stunden zuvor …

Trotz des diesigen Wetters und der frischen Temperatur an diesem frühen Morgen, bevorzugte es Agent Henry, wie auch einige andere Gäste, draußen auf der Terrasse zu frühstücken. Die Pension Café Forest View lag gute zwanzig Meilen von Southampton entfernt und galt unter den Touristen als der Geheimtipp schlechthin. Die hausgemachten Speisen sowie die Kuchen waren wie immer köstlich und die Preise erschwinglich, weshalb überwiegend die bodenständige Gesellschaft dort verkehrte und manchmal sogar in der Pension nächtigte.
Das Gasthaus war inmitten des märchenhaften Waldgebietes von Südengland angenehm ruhig gelegen, ganz anders als ein Hotel in der Stadt. Von dort aus führten zahlreiche Wanderwege zum beschaulichen New Forest Nationalpark, welcher für einen Stadtbürger sowie ältere Herrschaften das Paradies der Erholung war. Insbesondere war das von Southampton zentral gelegene, exquisite South Western Hotel dem Lärm der Straßen ausgesetzt, zudem dröhnten ständig die Signalhörner der auslaufenden Schiffe vom gegenüberliegenden Hafen, diese selbst die verschlossenen Fenster leicht vibrieren ließen. Aber in Anbetracht der komfortablen Ausstattung und des extravaganten Service vom angepriesenen South Western Hotel, welchen die feine Gesellschaft niemals missen wollte, störte diese Geräuschkulisse diese Herrschaften jedoch weniger. Das kraftvolle Tuten der Schiffe war der Klang der weiten fernen Welt, wobei jeder Landratte die Abenteuerlust und das Fernweh packten.

Henry Gudimard saß in einem Baststuhl unter der überdachten Terrasse, las die Tageszeitung und überschaute abwechselnd die prachtvolle Gegend. Es rauschte als würde es regnen, dabei waren es die restlichen Wasserperlen des gestrigen Unwetters, die an den nassglänzenden grünen Blättern sowie Ästen hingen, abperlten und herunterrieselten. Henry schloss seine Augen, genoss das rege Orchester der zwitschernden Vögel und atmete intensiv ein. Die Frühlingsluft roch nach frischem Laub und feuchten Waldboden.
„Die reinste Waschküche heute Morgen!“, hörte er vom Nachbartisch rufen und als Henry hinüberblickte, begrüßte ihn ein englischer Gentleman mit einem freundlichen Nicken, während er gleichzeitig seinen Bowler anhob.
„Ja Sir, in der Tat. Es ist ganz schön neblig heute Morgen“, entgegnete ihm Henry und wandte sich sogleich wieder seiner Morgenlektüre, der “Southampton Daily News“ Zeitung zu.
„Das liegt bestimmt daran, dass es gestern ziemlich stark geregnet hatte. Das war ein bemerkenswertes Gewitter gewesen. Solch ein Blitz und Donnerwetter hatte ich schon lange nicht erlebt. Was meinen Sie dazu, Sir?“
Henry legte die Zeitung beiseite.
„Das ist durchaus möglich, mein Herr. Gestern zog wahrhaftig ein heftiges Unwetter über Südengland“, zwinkerte er ihm entgegen.
Der Mann nickte lächelnd und zündete sich eine Tabakpfeife an. Henry widmete sich wieder seiner Tageszeitung zu, nachdem der gesprächige Herr scheinbar nichts weiter zum Wetter beizutragen gedachte. Unübersehbar waren die fett gedruckten Buchstaben der heutigen Schlagzeile zu lesen, die schon bereits seit Wochen das Tagesgespräch in Southampton war, sogar in ganz England, ja, bestimmt sogar auf jedem Kontinent der Erde, und diese in jeder Tageszeitung zu lesen waren:
DIE UNSINKBARE TITANIC STICHT HEUTE MITTAG UM 12 UHR IN SEE NACH NEW YORK
Darunter war ein schwarz-weißes Foto der Titanic und daneben ein Porträt des Kapitäns E. J. Smith abgebildet. Henry faltete die Zeitung zusammen und legte sie beiseite, schlürfte an der Teetasse und blickte auf seine Taschenuhr. Es war jetzt exakt 8:17 Uhr. Er klappte die Uhr wieder zusammen, lehnte sich zurück, wobei der Baststuhl leicht knirschte, und schloss seine Augen.
„Was für eine wunderbare, herrliche Luft“, brummelte Henry vor sich hin und lugte mit einem geöffneten Auge zum nächsten Nachbartisch hinüber, weil er sich beobachtet fühlte.
Ein Mann mit einem gezwirbelten Schnauzer und eine Frau, die ein Käppi trug und dessen Schlaufen um ihr Kinn gebunden waren, betrachteten ihn argwöhnisch. Ihre beiden Söhne saßen ebenfalls am Tisch und glotzten ihn an, während die Bengels gemächlich ihren Käsekuchen aßen. Henry knöpfte seinen Mantel auf, zog seinen schwarzen Bowler tief ins Gesicht, streckte dann die Beine unmanierlich aus und verschränkte dabei seine Arme. Seine Mundwinkel verzierten sich zu einem zufriedenen Lächeln und man sah es ihm an, dass er diesen Augenblick des frühlinghaften Mittwochmorgens genoss. Die Dame empörte sich über den adrett gekleideten Mann.
„Das ist doch eine bodenlose Frechheit, einfach so schamlos rumlümmeln. Auch noch vor den Augen der Kinder. Er sollte sich was schämen. Ein Gentleman, aber benimmt sich wie ein Dahergelaufener. Ein regelrechter Skandal ist das.“
Die Dame flüsterte ihrem Mann zu aber redete im weiteren Satzverlauf immer lauter, sodass Henry mitbekam, wie man über ihn lästerte. Seine schmunzelnden Mundwinkel verrieten, dass es ihn lediglich belustigte, wie die Leute über ihn herzogen, während er sich weiterhin entspannt mit geschlossenen Augen ausruhte und nach dem Vogelgezwitscher lauschte.
Weitere Gäste mischten sich nun in ihre Unterhaltung ein und teilten die Ansicht der anständigen Familie. Empört über dieses flegelhafte Benehmen warfen sie sich schließlich lautstarke Sätze über die Tische, wobei die Leute Henry Gudimard erboste Blicke zuwarfen. Von Hausverbot und hochkantigem Rausschmiss war die Rede, aber Henry interessierte es nicht sonderlich, grinste weiterhin vor sich hin und konzentrierte sich vielmehr auf die Wahrnehmung der Natur und des Klimas. Er spürte und erfreute sich über die winzigen Wasserperlen, die seine Wimpern benetzten, und blies dabei sichtbaren Atemhauch heraus, dies ihm offensichtlich Spaß bereitete.

Plötzlich betrat der Oberkellner die Terrasse, um nach dem Rechten zu schauen, denn die Aufregung seiner Gäste drang mittlerweile bis in die Gaststätte hinein. Ein weiteres, deutlich älteres Ehepaar, über dessen Beine jeweils eine Wolldecke lag, belustigte sich heimlich. Sie prusteten und verfolgten schadenfreudig den peinlichen Ablauf der Eskalade.
„Unerhört ist solch ein rüpelhaftes Benehmen, einfach unerhört!“, vernahm der Kellner deutlich die Beschwerde der entrüsteten Frau und sah sogleich, welche Person das Aufsehen seiner Gäste so sehr erregte. Der Oberkellner, um dessen rechten Arm ordentlich ein weißes Tuch lag, trat hervor und beugte sich diskret vor dem schlummernden Flegel. Er räusperte sich.
„Sir, darf ich Ihnen die Rechnung bringen?“, fragte er höflich wobei es sich dennoch wie eine Aufforderung anhörte.
„Wie viel Uhr ist es?“, grummelte daraufhin Henry mit geschlossenen Augenliedern.
„Entschuldigen Sie bitte … Wie meinten Sie, Sir?“
Der Oberkellner war sichtlich erstaunt, denn er hatte eigentlich von dem Mann erwartet, dass er nach diesem peinlichen Auftritt bezahlen und augenblicklich verschwinden würde. In diesem Café verkehrten viele Stammgäste, meist einfache, bodenständige Leute, die jedes Jahr hier eintrafen und in der hauseigenen Pension nächtigten, bevor sie mit einem Schiff Zweiter oder Dritter Klasse ihre Urlaubsreise antraten. Das Wohlergehen der Gäste, vor allem der Stammgäste, hatte demnach höchste Priorität, denn nur dann konnte man auch auf ein Trinkgeld hoffen. Diesen Mann hatte der Kellner aber zuvor noch nie gesehen. Er hatte nicht einmal eine Stube gemietet, sondern war ganz plötzlich aufgetaucht. Das angebotene Frühstücksbuffet hatte er ebenso nicht in Anspruch genommen, lediglich hatte er nach einer Tasse Tee verlangt, was den Tagesumsatz auch nicht unbedingt in die Höhe trieb. Nun war der Fremde sogar drauf und dran die Stammkundschaft zu vergraulen. Bereits als Henry seine Bestellung aufgegeben hatte, hatte der Oberkellner eine frivole Verhaltensweise an ihm bemerkt, diese ihm ebenso persönlich widerstrebte. Nun könnte es sich eine Gelegenheit ergeben, den unbeliebten Fremdling rechtens hinauszuweisen. Zudem gelang es dem Kellner nicht, seine Herkunft eindeutig einzuschätzen, was ihm ebenfalls nicht in den Kram passte, weil es einfach üblich war, dass er hin und wieder von einem Gast diskret befragt wurde, welcher Landsmann jener war und wohin dieser zu reisen gedachte. Von einem exzellenten Oberkellner erwartete man schließlich konkrete Informationen, damit die Neugierde des Gastes stets gestillt wurde. Der fremde Mann beherrschte zwar die heimische englische Sprache perfekt, aber dennoch entwichen ihm Wörter aus deutscher oder gar niederländischer Sprachherkunft, mit einem Hauch französischen Akzent, wie er feststellte. Vielleicht ist dieser Ausländer aber auch nur ein dieser arroganten Amerikaner, dachte er sich, der sich über uns Engländer wieder nur belustigen will.

„Sir, wie meinten Sie, bitte?“, hakte der Oberkellner freundlich nach, weil er ihn akustisch sowie sprachlich nicht sofort verstanden hatte. Seine fremde Aussprache war etwas gewöhnungsbedürftig.
„Wie-viel-Uhr-haben-wir?!“, stotterte ihm Henry daraufhin energisch zu. „Wie spät ist es jetzt, fragte ich. Spreche ich etwa gälisch?“
„Es-es ist jetzt genau … Dreiviertel vor Neun, Sir“, antwortete der Kellner mit hochgezogenen Augenbrauen, während er auf seine Taschenuhr blickte.
„Gut, dann habe ich noch etwas Zeit, obwohl … Davon hätte ich eigentlich reichlich“, lächelte er. „Da du nun mal grad hier bist, sei doch so lieb und bring mir bitte noch so einen … Was hatte ich doch sogleich?“
Henry richtete sich langsam im knirschenden Baststuhl auf, schob seinen Bowler etwas zurück und schaute dem Oberkellner mit einem frechen Grinsen vergnügt in die Augen. Seine Redensart, wie er sich artikulierte, missfiel dem Kellner und gab es mit einer ruckartigen steifen Haltung ihm gegenüber sogleich zur Geltung.
„Sie hatten einen schwarzen Tee mit ein Löffel Zucker und etwas Milch, Sir“, gab er forsch zurück.
„Mhm“, entgegnete ihm Henry anerkennend nickend. „Ja, das war wirklich ein köstliches Gesöff. Ich glaube, ich genehmige mir noch so eine heiße Tasse Tee.“
Henry griff in seine Manteltasche, holte ein beachtliches Bündel Geldscheine heraus, dass mit Noten aus verschiedenen Ländern mit einem Gummiband zusammen gebunden war, und blätterte es durch. Des Kellners Augen erstaunten, als er ihm eine zwanzig Dollar Note, welche er zwischen Mittel- und Zeigefinger ihm entgegenhielt und mit den Worten: „Stimmt so“, überreichte. Der Oberkellner hüstelte verlegen. War das tatsächlich sein Ernst? Die zwanzig Dollar, abzüglich des Tees, waren umgerechnet in britisches Pfund beinahe ein halbes Monatsgehalt wert. Mit zittrigen Händen nahm der Kellner den Geldschein an und bedankte sich vielmals. Das betagte Ehepaar kicherte und prustete daraufhin, während sie Weißbrot mit Honig und ein Glas warmer Milch frühstückten. Der Kellner schluckte und es war ihm nun offensichtlich peinlich, diesen überaus großzügigen Herrn für britische Verhältnisse barsch angefahren zu haben. Er verbeugte sich leicht vor ihm.
„Danke Sir, überaus großzügig, Mister ...?“
„Gudimard. Mein Name ist Mister Gudimard. Nun sei so lieb und spute dich, denn so viel Zeit habe ich wiederum doch nicht, “ antwortete Henry freundlich, wobei er mit seinen Fingern leicht auf die Tischplatte trommelte.
„Jawohl Sir, Ihren Tee bekommen Sie sofort auf der Stelle, Sir, Mister Gudimard, Sir“, versicherte ihm der Oberkellner.
Auf dem Weg in die Küche grübelte der Kellner, während er sein Serviermädchen zum Tee aufbrühen scheuchte. Mr. Gudimard ist eine seltsame aber dennoch interessante Person, dachte er sich. Der Gast bezahlte mit Dollars, also ist er vielleicht tatsächlich ein Amerikaner. Sein Name, Gudimard, klingt aber trotz alledem französisch und überhaupt, wie alt mag er wohl sein? Seine Erscheinung wirkt jung – nur wenige Falten verzieren sein Gesicht. Der Mann sieht fabelhaft aus, stellte er fest. Trotzdem sind seine Schläfen ergraut. Allerhöchstens ist er fünfundvierzig Jahre alt, dachte er sich, aber keinesfalls älter.

Henry erhob sich, zog seinen Bowler ab und verbeugte sich vor dem in die Jahre gekommenen, sich stetig amüsierenden Ehepaar.
„Bonjour Madame et Monsieur Straus“, begrüßte er sie mit der französischen Sprache. „Henry Gudimard, mein Name. Gestatten Sie mir, ein wenig mit Ihnen zu plaudern, um mein dürftiges Deutsch aufzufrischen?“, fuhr er mit der deutschen Sprache fort.
Die Straus’ waren es gewohnt, dass man sie erkannte, denn schließlich waren sie Jemand und jedermann wusste, dass sie die Geschäftsinhaber des Kaufhauses Macy`s in New York und selbstverständlich mehrfache Millionäre waren. Das betagte Ehepaar fühlte sich geschmeichelt, weil Henry sogar von ihrer deutschen Abstammung anscheinend bestens informiert war, woher auch immer.
„Ich muss meine Verwunderung eingestehen, Herr Straus. Ich hätte Ihre Gesellschaft eher im exklusiven South Western Hotel erwartet und nun treffe ich Sie und Ihre ehrenwerte Gattin hier wieder, in einer doch recht bescheidenen Ambiente, in einem schlichten Café mit Pension, inmitten eines herrlichen Waldparadies. Das habe ich zugegebener Weise nicht erwartet.“
„Lieber Herr Gudimard“, antwortete Isidor Straus im akzentfreien Deutsch, mit einer auffälligen geruhsamen Betonung, die man angenehm auffasste. „Wissen Sie, diese Pension ist eben gemütlicher und vor allem sehr viel ruhiger, als das angepriesene Nobelhotel South Western. Hier treffen wir auf niemanden, mit denen wir belangloses Zeugs konversieren oder Kaviar essen müssen. Ebenso erwartet uns hier keine Debatte über Politik in einem verqualmten Salon und uns begegnen auch keine hochnäsigen Personen, die sofort einen Skandal wittern, wenn man sich mal einen Verdauungsschnäpschen gönnt. Hier im Bescheidenen können wir uns vorzüglich entspannen, bevor wir in das angeblich unsinkbare Schiff einchecken“, lächelte Isidor Straus.
Henry schmunzelte.
„Und Sie, Mister Gudimard? “, hakte Mrs. Ida Straus auf Englisch nach. „Wird man Sie etwa auch auf der Titanic begrüßen dürfen? Sie sehen zwar nicht gerade wie ein Auswanderer aus, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Sie etwas Geschäftliches in New York zu erledigen haben und mit der Zweiten Klasse reisen. Ist es nicht so, Mister Gudimard?“
„Nein, geehrte Misses Straus, Sie irren sich. Ich reise leider nicht mit der angepriesenen Titanic, aber habe in der Tat etwas Dienstliches zu erledigen, und zwar genau hier in Southampton.“
„Nun, das hätte mich zugegeben wahrlich verwundert, wenn es sich herausgestellt hätte, Sie seien tatsächlich ein Emigrant. Frankreich ist doch ein so schönes Land,“ lächelte sie.
Henry schüttelte sachte mit dem Kopf.
„Belgier, Madame Straus. Ich bin ein waschechter Belgier.“
„Ach ja …“, raunte Mrs. Straus.

Als der Kellner ihm den zweiten Tee servierte, schloss Henry erneut seine Augen und gab sich wieder seiner Konzentration hin. Er grübelte, dachte an seinen Einsatz, an seine Mission, die er zu erfüllen hatte. Diesmal musste es gelingen, unbedingt. Henry befürchtete aber, dass es diesmal wieder zu Komplikationen kommen könnte und ihm war bewusst, wenn es ihm diesmal wieder nicht gelingen würde, dass all die wochenlangen Vorbereitungen und Recherchen im Archiv umsonst waren. Eine Niederlage war nicht akzeptabel, dennoch rechnete er damit.
Henry war es normalerweise gewohnt und man erwartete auch nichts anderes von ihm, dass er seine Missionen erfolgreich ausführen würde. Der Fünfundfünfzigjährige war nun bereits dreißig Jahre als Agent der Regierung von United Europe tätig und war ein Pionier der ersten Stunde, seitdem Zeitreisen möglich waren und die Time Travel Agentur gegründet wurde. Er wurde vor zwanzig Jahren zum Geheimdienstchef ernannt. Sein Job war nie einfach; genauso wie von allen Beteiligten dieses Einsatzes, hing das Raum-Zeitkontinuum des gesamten Universums ab. Wenn dieses weiterhin manipuliert und die Geschichte ständig nach Belieben verändert werden würde, könnte seine Heimat, das 25. Jahrhundert, katastrophale Auswirkungen erleiden.
„Merde, dem Kellner gab ich US-Dollars fällt mir gerade ein. Hoffentlich waren es wenigstens alte Noten“, brummelte er vor sich hin. „Wenn mir dieser verdammte TT jetzt wieder zu entwischen droht, wird er gnadenlos liquidiert!“
Henry setzte die Tasse an seinen Lippen und trank den Tee aus. Er blickte auf seine Taschenuhr, es war nun exakt 9:05 Uhr. Dann erhob er sich, atmete nochmals intensiv ein und reckte sich dabei.
„Welch wunderbare Luft, was für ein herrliches Klima ihr doch habt. Ihr Akteure seid zu beneiden“, murmelte er vor sich hin, während er die empörten Blicke der Gäste lächelnd erwiderte. Dann verschwand er.


Foto: Isidor und Ida Rosalie Straus. Dem Ehepaar gehörte das berühmte Kaufhaus Macy’s in New York, das es heute noch gibt. 1910 besaßen sie sogar in Berlin zwei Kaufhäuser: Macy & Co in der Wilhelmstraße und Abraham & Straus. Beide wurden in Deutschland geboren. Während die Titanic sank, durften nur Frauen und Kinder in die Rettungsboote, aber weil Isidor Straus äußerst bekannt war (er war ein Politiker), wollte man bei ihm eine Ausnahme machen. Der Herr weigerte sich jedoch dieses lebensrettende Angebot anzunehmen. Schließlich weigerte sich Ida Straus ebenfalls in das Rettungsboot Nr. 8 einzusteigen, weil sie ihren Ehemann nicht alleine zurücklassen wollte. Aber sie verlangte, dass ihr Dienstmädchen stattdessen einsteigen sollte, obwohl dieses Rettungsboot ausschließlich für Erste Klasse Passagiere vorgesehen war. Ida Straus zog sogar ihren wärmenden Pelzmantel aus, übergab diesen der jungen Frau und sagte, dass sie den Mantel nicht mehr braucht. Zeugen sagten aus, dass das Ehepaar zuerst auf Liegestühle gesessen hätte und wäre später zurück in ihre Kabine gegangen. Sie sind gemeinsam gestorben.
 
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Kommentare  

Hallo Rosmarin, dein Kommentar ehrt mich. Du
zählst schließlich zum Urgestein von Webstories
und fütterst die Leseratten immer noch
unermüdlich mit tollen Geschichten. Das finde
ich nach so langer Zeit bewundernswert.

LGF


Francis Dille (20.03.2024)

Eine höchst interessante Geschichte. Und ganz toll
geschrieben. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
Gruß von


rosmarin (19.03.2024)

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