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8 Seiten

Die Belfast Mission - Kapitel 12

Romane/Serien · Fantastisches
Kapitel 12 – Trautes Heim

Als der Jahrmarkt mit dem Zirkuszelt vorbei war, hatte das Theater mit der Mutter begonnen. Eloise hatte damals bereits nach einer Woche, nachdem sie Ike kennenlernte, kurz entschlossen ihr behütetes Elternhaus verlassen, obwohl die Nachbarschaft und insbesondere ihre Mutter verzweifelt versucht hatten, ihr die überstürzte Absicht auszureden.
„Aber Kind, jetzt sei doch vernünftig. Dieser Mann ist nichts für dich! Schau ihn dir doch an. Er ist gewiss ein Schürzenjäger und hat es nur auf deine Unschuld abgesehen. Er wird dich letztendlich mit einem Kind im Bauch sitzen lassen!“, hatte ihre Mutter sie gewarnt.
Als aber die gutgemeinten Ratschläge der Mutter offenbar nicht fruchten wollten, Eloise stattdessen immer rebellischer wurde, hatte Misses O’Brian mit ihrer strengen Autorität diese Liebesbeziehung ausdrücklich verboten. Sogleich war Eloise trotzig in ihre Stube stolziert, hatte sich ihre Klamotten und wichtigsten Utensilien geschnappt und sie in ein paar lederne Koffer verstaut.
Mrs. O’Brian hatte sich schockiert die Hand vor dem Mund gehalten, weil ihre Tochter ihrer Auffassung nach einen großen Fehler begehen würde und war in die Wohnstube marschiert, dort wo ihr Ehegatte mit übergeschlagenen Beinen gemütlich in einem Ledersessel hockte. Verzweifelt hatte sie ihn gebeten, dass er nun ein Machtwort sprechen sollte. Mr. O’Brian jedoch hatte sich nur seinen Rauschbart gekrault und dabei eine Pfeife geraucht.
„Elizabeth, lass deine Tochter endlich los. Ist das Vöglein erst mal aus dem Nest geflogen, dann muss es auch zusehen, wie es alleine zurecht kommt“, hatte er lächelnd gesagt.
Nichtsdestotrotz war es für Eloise ein schmerzhafter Abschied gewesen, als sie ihr Zuhause verließ. Ike hatte ihr Gepäck wortlos auf seinen Fuhrwagen verstaut – Er ersparte sich damals jegliche Versprechungen an ihre Eltern, dass er für sie immerzu sorgen würde.
Als er sein Pferd mit den Zügeln das Fuhrwagengespann vorantrieb, drehte sich Eloise auf der hölzernen Sitzbank mit wässrigen Augen um und schaute zurück. Ihre jüngeren Brüder, Paddy und der zehnjährige Albert, rannten ihr heulend hinterher und winkten: „Wir werden dich vermissen!“, riefen sie. Eloise konnte ihre Tränen ebenfalls nicht mehr unterdrücken und weinte bitterlich während sie ihre Brüder hinterherwinkte, bis sie hinter einen Hügel verschwunden waren. „Paddy! Albert! Ihr dürft mich besuchen, wann immer ihr es wünscht!“

Ike hatte Eloise fürsorglich behandelt, wie einen rohen Diamanten, küsste ihr ausschließlich auf die Wange oder Stirn, beschenkte sie tagtäglich mit Blumen und ließ ihr die nötige Zeit, um sich einander zu gewöhnen. Das Haus war damals noch im Rohbau; vom Dachausbau konnte derzeit nur geträumt werden und Ike rechnete höchstens irgendwann im Sommer oder Anfang Herbst damit, mit dem Richtfest zu beginnen. Spätestens im Dezember 1909 musste dieses Haus jedoch vertraglich bezugsfähig sein, denn dann würden die Auswanderer erscheinen.
Wenn es regnete, schliefen sie in der bereits vorhandenen Pferdescheune und in den warmen Sommernächten lagen beide mitten auf dem Hof am Lagerfeuer, starrten zum Nachthimmel hinauf und bewunderten gemeinsam die Sterne. Eloise kuschelte sich nahe an ihn heran, schloss ihre Augen und schlief seelenruhig neben ihn ein, während Ike meistens weiterhin zum fernen Mond hinaufblickte und nachdachte.
In seiner Heimat, United Europe, war der Mond halb zerstört und man konnte ihn nur auf Monitoren betrachten. Die zerfetzten Überbleibsel des Mondes umkreisten im Orbit die Erde. Es war in seiner Welt unmöglich, in freier Natur am Lagerfeuer zu liegen und hinauf zum Sternenhimmel zu blicken.

Was Eloise wirklich sehr gut beherrschte und leidenschaftlich gerne tat, war rechnen. Mathematik sowie Physik waren damals in der Schule ihre Lieblingsfächer gewesen. Wenn Ike an manchen Tagen erschöpft von der Schiffswerft nach Hause kam und in seiner Aktentasche aber noch etliche Skizzen auf ihn warteten, diese er sich lediglich auf Notizblätter geschrieben hatte und bis zum nächsten Morgen im Hauptquartier säuberlich aufgelistet auf dem Schreibtisch von Mr. Andrews, dem Konstrukteur der Titanic liegen mussten, übernahm Eloise für ihn diese Arbeit. Dann schnappte sie sich noch spät abends die zerknitterten Zettel aus seiner Ledertasche und breitete sie übersichtlich auf den Tisch aus, sortierte die Notizen und rechnete zuerst alle summierten Aufmaße sorgfältig nach. Es könnte ja sein, dass Ike, übermüdet wie er meistens war, sich vielleicht verrechnet hatte. Dann spannte sie ein paar Blätter Papier in die Schreibmaschine ein und tippte alles akkurat übersichtlich nieder.

Als Ike eines Tages mit einer klobigen Schreibmaschine nach Hause kam, dieser Eisenklotz einiges wog und er deswegen damit schnaufend ins Haus marschierte – womit das Gemeinschaftskonto um weitere Geldbeträge erleichtert wurde –, hielt sich Eloise fassungslos die Hände auf ihre Wangen.
„Grundgütiger. Ike, du bist ja total verrückt. Ich glaub, ich spinne. Eine echte Schreibmaschine. So eine habe ich mir schon immer gewünscht!“, jauchzte sie überglücklich. „Das muss ich sofort meiner Briefreundin aus Dublin schreiben. Na, die wird vielleicht Augen machen, wenn sie diesmal einen Brief von mir bekommt, mit einer Schreibmaschine getippt.“
Selbst die Handhabung mit der Schreibmaschine erlernte sie in kürzester Zeit, ohne das Ike ihr dies großartig erklären musste.
„Ja, ja, nun lass mich doch endlich mal machen!“, entgegnete sie ihm garstig mit zusammengezogenen Augenbrauen und stieß seinen Arm zur Seite, als er ihr wiedermal ausführlich Anweisungen erteilte und tippte munter mit ihren Fingern drauf los.
„Ich habe eine eigene Schreibmaschine … Hihi“, giggelte sie.
Einige Tage später flogen ihre zarten Finger regelrecht über die Typentasten hinweg, während sie zeitgleich konzentriert Ikes Notizen las.
„An dir ist eine ausgezeichnete Sekretärin verloren gegangen“, bemerkte Ike, als er sich über sie gebeugt und ihr beim Tippen zugeschaut hatte, worauf sie keck geantwortet hatte: „Ich weiß. Hätten meine Eltern mir nach meinem Schulabgang vor fünf Jahren nicht verboten eine Lehre anzufangen, würde ich jetzt sicher in einem Büro arbeiten. Meine Eltern meinten, wenn ich erst mal mit Peter Gallagher verheiratet wäre, müsste ich ausschließlich den Haushalt in Schuss halten. Für den Unterhalt ist der Mann zuständig.“
Eloise schaute zu ihm hoch, pustete ihm frivol ins Gesicht und kicherte. Ihr bezauberndes Lächeln entzückte ihn immer wieder.
„Stell dir mal vor, Ike. Hätten meine Eltern mir damals erlaubt eine Ausbildung anzugehen, dann würde ich heute, wie Margaretha, bestimmt bei Harland & Wolff arbeiten. Wohlmöglich an deiner Seite als deine private Sekretärin. Wäre das nicht himmlisch gewesen?“, schwärmte sie.
„In der Tat, das wäre es. Aber das ist nicht so tragisch, denn du bist ja meine private Sekretärin. Und zwar hier Zuhause“, flüsterte er in ihr Ohr, umklammerte sanft ihre Schulter und küsste zärtlich ihren Hals. Eloise schloss ihre Augen und genoss seine Zuneigung, dabei krallten sich unabsichtlich ihre Finger auf die Tasten, woraufhin die Typenhebel zugleich nach vorne schnellten und sich vor der Aufschlagvorrichtung verkeilten. Trotzdem gelang es einem Typenhebel auf das Papier aufzuschlagen. Aufgeschreckt öffnete Eloise ihre Augen und erblickte die miteinander verkeilten kleine Metallarme.
„Verflixt, was hab ich bloß getan? Schau dir das an. Ist die Schreibmaschine jetzt etwa kaputt? Die war doch sicherlich sehr teuer“, fragte sie verunsichert und biss sich sogleich leicht auf die Unterlippe. Verzweifelt blickte sie ihn an.
Ike schmunzelte, streckte seinen Zeigefinger aus und drückte die Buchstabenarme wieder vorsichtig zurück. „Siehst du, es ist nichts passiert.“
„Ach, verflixt nochmal und zugenäht“, schimpfte Eloise gespielt verärgert und gab ihm einen Klaps auf sein Bein. „Sieh nur was du wieder angerichtet hast, Ike van Broek. Wegen dir hab ich mich jetzt vertippt und kann alles nochmal neu tippen.“
„Soso, es ist also meine Schuld, wenn du dich vertippst, weil du in Ekstase gerätst, Eloise O’Brian? Na warte!“, spielte Ike empört, während er dabei sein Lachen unterdrückte.
„Hä, ich gerate in Eksta … In was gerate ich?“, fragte sie verwundert. Dies war sicherlich wieder nur so ein holländischer Ausdruck, welcher Ike hin und wieder entwich, dachte sie.
Eloise sprang sogleich vom Stuhl auf, rannte quer durch die Küche und flüchtete lachend aus der Haustür hinaus. Ike versuchte sie noch an ihrer Strickjacke festzuhalten, aber es gelang ihr trotzdem sich von ihm loszureißen. Mit beiden Händen hob sie ihren langen karierten Rock etwas an, flitzte lachend über den Hof zum Pferdestall hinüber und verriegelte hinter sich das Scheunentor. Der Nachbar, Bauer McEnrey, stand mit einer Mistgabel in der Hand mitten seines Hofes und beobachtete kopfschüttelnd das beinahe alltägliche Schauspiel.
„Immer diese verrückten jungen Leute. Gleich landen sie wieder im Heu“, brummelte er vor sich hin.
Ike eilte ihr hinterher, blieb dann nach Atem ringend am Pferdestall stehen und klopfte am Scheunentor an.
„Liebes, nimm sofort zurück, dass ich an deiner Schusseligkeit schuld sein soll, oder ich komm rein. Aber dann kannst du was erleben!“
„Ach ja?“, hörte er sie frech antworten. „Na dann komm doch herein. Ich warte hier so lange auf dich.“
Noch einmal rüttelte Ike am verriegelten Scheunentor, dann schaute er nach oben. Die Luke, wo man das Heu für die Pferde immer verstaute, stand offen. Das wäre eine Gelegenheit, mit der langen Holzleiter hinaufzusteigen und von dort aus zu ihr hinunter zu springen. Und als Ike tatsächlich nach einer langen Leiter suchte, sah er wie sich das Scheunentor plötzlich, wie von Geisterhänden knarrend öffnete. Langsam ging er darauf zu.
Er überlegte, was sie nun wieder aushecken würde, denn als er hineinschaute, war keine Spur von ihr zu sehen. Lediglich das Schnauben der Pferde konnte er hören. Ikes Augen rollten am Gebälk entlang und er rechnete damit, dass sie vielleicht nach oben in die Dachgaube geklettert war und von dort aus, wie neulich, wieder mit einem Eimer voll Wasser auf ihn lauerte. Aber dann trat Eloise plötzlich nackt hinter einem Heuhaufen hervor. Sie schaute ihn dabei verführerisch an und lockte mit dem Zeigefinger, während sie mit der anderen Hand ihren kupferroten Zopf löste und leicht mit dem Kopf schüttelte, bis das lange dichte Haar über ihre zarte Schulter und über ihre wohlgeformten Brüste schwang. Ikes Augen funkelten vor Begierde. Verfolgungsjagden dieser Art endeten bei ihnen des Öfteren leidenschaftlich im weichen Heu.

Es war jetzt Anfang Dezember und draußen war es frostig kalt geworden. Ike und Eloise sammelten die auf dem Boden verstreut herumliegende Holzkeile auf und warfen sie in eine verbeulte Blechwanne, während Laika daneben saß und brav zuschaute. Es war schon spät am Nachmittag und mit jeder Minute wurde es düsterer.
In der Wohnstube knisterte bereits das Kaminfeuer. Ike kniete davor, warf ein paar Holzklötze hinein und starrte in die tänzelnden Flammen. Das frisch gehackte Holz knisterte und knallte. Eloise hatte Räucherstäbchen angezündet. Es roch weihnachtlich. Laika lag wie immer unter dem Wohnzimmertisch und kaute einen Knochen. Eloise saß in ihrem Schaukelstuhl, wippte sachte und beobachtete Ike dabei, wie er gedankenversunken das Feuer schürte. Eine angenehme Stille herrschte in der Wohnstube, lediglich das Knistern des Feuers und das gleichmäßige Ticken der Standuhr waren zu hören.
„Woran denkst du grad? Du wirkst so bekümmert“, stellte Eloise fest. „Soll ich uns etwas vorlesen? Möchtest du etwa eine heiße Tasse Tee?“
Einen Augenblick lang schwieg Ike, bevor er antwortete.
„Es ist nur … Mein Onkel und seine Familie kommen bald.“
„Ja, das ist doch großartig. Ich freue mich schon darauf. Und wann genau wird Onkel Charles hier sein? Da muss ich aber vorher noch genügend Plätzchen backen“, antwortete sie aufgeregt.
„Er hat mir einen Brief geschrieben, Liebes. Nächste Wochen werden sie mit dem Zug ankommen. Wir müssen sie aber vom Bahnhof nicht abholen, weil ein Fuhrwagen für sie bereit stehen wird. Ich habe ihm den Weg hierher ausführlich beschrieben“, erklärte er nüchtern.
„Mit dem Zug? Was meinst du damit, er kommt mit dem Zug?“, fragte sie verwundert.
Er räusperte sich. „Ähm … Sie werden mit der Eisenbahn reisen, Liebes.“
„Ach so, das meinst du also. Du und deine holländischen Bezeichnungen immer“, kicherte sie. „Das ist doch wundervoll. Dann können wir ja alle gemeinsam sogar Weihnachten feiern. Wie ich mich freue!“
Eloise bemerkte seine melancholische Stimmung und plötzlich dämmerte es ihr, worauf auch ihr Gemütsverfassung ein wenig kippte. Sie richtete sich abrupt aus ihrem Schaukelstuhl auf.
„Ike“, fragte sie besorgt, „bedeutet das etwa, wenn Onkel Charles kommt, dass wir dann das Haus verlassen müssen?“
„Liebes, das haben wir doch letztens erst besprochen. Es war abgemacht, wenn mein Onkel und seine Familie aus Dublin eintreffen, dass wir dann einen Scheck für die getane Arbeit von ihm erhalten, damit wir uns beide in der Stadt eine gemütliche Wohnung auf Lebzeiten mieten können. Aber er wird uns nicht sofort hinausweisen, sondern gewährt uns ein Jahr lang hier zu wohnen. Das ist äußerst großzügig von ihm, vergiss das nicht!“
„Ich weiß“, gab sie mit dünner Stimme traurig wieder und senkte dabei ihren Kopf. „Aber ich habe mich eben schon so sehr an dieses Haus gewöhnt. Hier fühl ich mich zuhause, hier würde ich gerne mit dir für immer bleiben wollen. Es ist auch unser Zuhause geworden, denn wir haben es mit unseren Händen gebaut. Du könntest doch vielleicht deinen Onkel freundlichst bitten, er solle den Scheck behalten und sich selbst dafür eine Wohnung irgendwo in Belfast auf Lebzeiten mieten. Das wäre außerdem viel praktischer für ihn, wenn er dann auch bei Harland & Wolff arbeitet. Denn dann müsste er nicht jeden Tag solch eine weite Strecke zu seiner Arbeitsstelle zurücklegen. Gib es doch zu, dass auch du hier gerne wohnst und du die weite Strecke bis in die Stadt gerne in Kauf nimmst.“
„Eloise … Liebes!“, erhob Ike leicht die Stimme und schaute sie dabei streng an, denn er hatte erst kürzlich mit ihr darüber debattiert und ihr unmissverständlich vermittelt, dass es keine andere Option geben wird. Sein angeblicher Onkel, Charles Owen, wird mit seiner Familie das Haus beziehen und im darauffolgenden Jahr, werden er und Eloise endgültig dieses Haus verlassen müssen. Aber Ike konnte es ihr nicht verübeln, dass sie davon nicht gerade entzückt war, denn genauso wie sie, hatte auch Ike sein Herz beim Bau dieses Hauses im Fundament tief einzementiert und mittlerweile widerstrebte es ihm insgeheim genauso wie Eloise, einer wildfremden Familie ihr Zuhause, dass beide mit ihren eigenen Händen erschaffen hatten, bedingungslos zu überlassen.
Wie lange war Ike nun auf Zeitreise? Zwei Stunden oder drei? Nach seiner Zeitrechnung aber lebte er bereits seit über ein Jahre in der vergangenen Welt und hatte sich nun eingelebt. Andächtig beobachtete er die tänzelnden Flammen im Kamin.
„Aber das alles ist mir unwichtig, so lange ich an deiner Seite bleiben darf. Mit dir gehe ich, wohin auch immer es dich verschlägt“, lenkte Eloise ein, erhob sich aus ihrem Schaukelstuhl und gesellte sich zu ihm herunter, als er immer noch vor dem Kamin kniete und nachdenklich in die Flammen starrte. Eloise umklammerte seinen Rücken und legte ihren Kopf auf seine starke Schulter.
„Ach, ich liebe dich so sehr. Mit dir will ich für immer zusammen bleiben“, seufzte sie und schmiegte sich nahe an seinen Körper heran.
Sie war glücklich. Ihre Worte erfreuten ihn, ein kurzes Lächeln zuckte über seine Mundwinkel und er fasste nach ihrer Hand. Noch nie zuvor hatte ihn eine Frau aufrichtig geliebt. Und ausgerechnet mit ihr, eine Frau aus der Vergangenheit, konnte Ike sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen. Regungslos starrte er in die tänzelnden Flammen und versuchte diesen Gedanke wieder zu verdrängen.

Es blieb nur noch eine Woche Zeit bis die Auswanderer aus dem Jahr 2473 zu ihnen stoßen und das Haus übernehmen würde. Laut dem Vertrag des Emigrantenprojekts des Unternehmens Time Travel Agentur, musste diese Familie zuerst ein Probejahr in ihrem erwünschten Jahrhundert bestehen. Nach dem Probejahr sollte eine Rückkehr in die Zukunft erfolgen und vertraglich eine unwiderrufliche Eingliederung in das 20. Jahrhundert vereinbart werden. Ikes Aufgabenbereich als Schleuser bestand darin, die Auswanderer während ihrer Bewährungsfrist zu betreuen, und gegebenenfalls bei ihrer Integration zu unterstützen. Überdies hatte er letztlich zu beurteilen, ob sich die Auswanderer für dieses Zeitalter überhaupt eignen. Aber seine eigentliche Mission würde ab dem 31. Mai 1911 beginnen, wenn die Titanic vom Stapel laufen würde, in das Trockendock transportiert wird und mit dem Innenausbau angefangen werden kann. Die Installationen von abertausenden Mikrokameras warteten auf ihn, wobei ihm der Auswanderer Charles Owen später behilflich sein sollte. Jeder Winkel des Ozeangiganten musste verwanzt werden, damit die TTA eine Zeitreise auf der legendären R.M.S. Titanic endlich in ihrem Reiseprogramm anbieten konnte. Die Nachfrage, speziell für diese Jungfernfahrt, war beachtlich und versprach dem staatlichen Unternehmen einen mehrfachen Milliardengewinn. Zudem erhoffte sich der Geheimdienst, anhand der unzähligen Mikrokameras einen weiteren TT an Bord zu entlarven, wobei der Secret Service mittlerweile eher davon ausging, dass eine Sabotage auf der Schiffswerft stattfindet, noch bevor die Titanic vom Stapel laufen wird.
Ike und Eloise blieben nur noch knapp zweieinhalb Jahre, die sie miteinander verbringen durften. Danach müsste er wieder aus ihrem Leben verschwinden. Eloise dagegen ahnte nicht im Geringsten, dass Ike sie eines Tages für immer verlassen würde. Sie betete täglich für ihn, damit er gesund bleibt und ihm kein Unheil geschieht und fragte Gott: „HERR, wird er eines Tages nach meiner Hand bitten? Hoffentlich bald.“













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