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Generation Honda

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Seit langem stehe ich mal wieder vor dem Eingang unserer ehemaligen Stammdisco im Heimatort meiner Eltern. Die Schlange an der Kasse ist deutlich kürzer als früher, aber noch immer beäugen die Türsteher jeden potentiellen Gast mit kritischem, arrogantem Blick. Vor uns einige Mädchen, die aussehen als wären sie gerade erst vierzehn, und einem der muskelbepackten Aufpasser, die sich jetzt Security-Guard nennen, klarzumachen versucht, sie sei achtzehn und habe bloß ihren Ausweis vergessen.
Ich verdrehe die Augen, denn schon bei mir vor zehn Jahren hat diese Ausrede nicht gezogen. Und wenn doch mal, dann hieß es meist nur: „Mit Turnschuhen kommste hier nicht rein.“ Dabei waren wir damals doch immer stolz gewesen, wenn wir, obschon noch lange nicht volljährig, das Wochenende mehr in einer dunklen, stickigen Disco als zuhause mit den Eltern Wetten-Dass-guckend verbracht hatten. Außerdem gab es damals am Eingang meist noch einen dieser schicken Stempel auf den Handrücken, statt der Karten, die man heute bekommt, mit den vielen Löchern und Zahlen darauf, die sowieso nie jemand begreift. Die Stempel konnte man am Montag wenigstens als Beweis anbringen, dass man wirklich dort in dieser Oase des Erwachsenwerdens und der Selbstbestimmung gewesen war. Nur war es dumm, wenn man eigentlich gar keine Erlaubnis gehabt hatte, die Nacht in dieser die Jugend verderbenden Zone zu verbringen, und dann sonntags vor dem Mittagessen die blauschwarze Farbe vom Handrücken abzurubbeln bis die Haut ganz rot war, was leider meist auch nur unzureichend gelang.
Später als wir dann schon achtzehn waren und den ersten eigenen Honda Civic, ja, Honda, denn der Generation Golf waren wir ja knapp entsprungen, fuhren, war es eine zeitlang besonders in oder cool, wie man damals noch sagte, an einem Wochenende mehrere Discos aufzusuchen. Dann konnte man nämlich am Montag darauf gleich mehrere dieser Stempel vorweisen, und wer die meisten hatte, konnte sich etwas darauf einbilden.
Das war übrigens damals der einzige Vorteil, auf dem Land zu wohnen, denn dort gab es fast immer eines dieser Zeltfeste, auf denen alle immer testeten, wie viel Alkohol man denn vertragen konnte, ohne dass der Krankenwagen gerufen werden musste, auf denen man auch noch Stempel abstauben konnte...
Mannoman, bin ich froh, dass die Zeiten vorbei sind.
 
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Kommentare  

Hi, eine nette Story, gefällt mir ;-)

Kleine Meerjungfrau (07.01.2007)

UPS, die Pünktchen

Sabine Müller (30.09.2006)

Hallo gefällt mir gut und erinnert mich auch an das Fetenleben in meinem Heimatörtchen. Viele, die noch nicht ausgeflogen sind, tanzen dort immer noch auf jeder Katzenparty herum. Mit der Zeit wird das langweilig... Nett geschildert und auf den Punkt gebracht. LG Sabine

Sabine Müller (30.09.2006)

Hübsche kleine Reflexion. Keine Handlung, aber hier brauchts auch keine. Five Points.

Stefan Steinmetz (27.02.2002)

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