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21 Seiten

in time

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Im Fernsehen lief Domian, und ein Anrufer berichtete, dass er sich ausschließlich in Frauen verlieben konnte, die silbernen Schmuck trugen. Jürgen Domian lachte zunächst über die Geschichte des Mannes, wurde dann aber wie immer ernst und ging ohne mit der Wimper zu zucken auf den Fetisch ein. Wenn er Frauen sah, erzählte der Anrufer, die Silberschmuck trugen, sprach er sie oft an, und wenn er eine Beziehung hatte, musste die Partnerin auch beim Sex den Schmuck tragen. Die nächste Anruferin hatte das Problem, dass sie ein Verhältnis mit dem Mann ihrer Schwester hatte und nicht wusste, wie sie es beenden sollte. Domian redete mit Engelszungen auf sie ein und riet ihr, dass sie sich über ihre Gefühle klar werden sollte und dann rasch eine Entscheidung treffen musste.
Ramona sah die Sendung oft, auch wenn sie sich manchmal fragte, ob tatsächlich alle Probleme und skurrilen Auswüchse, die dort geschildert wurden echt waren. Heute konnte sie sich allerdings nur schlecht konzentrieren, denn etwas anderes beschäftigte sie. Felix war noch immer nicht zurück, obwohl er seit fast einer Stunde überfällig war, und die typische Angst, die wohl jede Mutter empfand, wenn ihr Sohn nicht nach Hause kam, hatte von ihr Besitz ergriffen. Ihr Kopf sagte ihr, dass Felix nur wie so oft die Zeit vergessen hatte oder hatte vergessen wollen. Immerhin war der Junge siebzehn, und sie wusste selbst zu gut, wie unangenehm es war, sich in jenem Alter in der Disco von den Freunden zu verabschieden und zuzugeben, dass man um eins zuhause sein müsse. Und dennoch machte sich ein flaues Gefühl in ihrem Magen breit, dass sie immer hatte, wenn er sich verspätete, ein Gefühl, dass die schlimmsten Visionen in ihr hervorrief. Sie malte sich aus, dass einer seiner Freunde, die sie leider nicht kannte, etwas getrunken hatte und dennoch Auto fuhr, keine Kontrolle mehr über den Verkehr hatte, von der Straße abkam, und weiter wollte sie sich den Gedanken gar nicht ausmalen, sie dachte an vieles, was sie über Drogen gehört und gelesen hatte, und nicht zuletzt stellte sie sich auch düstere Gestalten vor, die ihren Jungen mit Silberschmuck behängten und ihn dann zwangen, ein Verhältnis mit jemandes Schwester einzugehen.
Nur zu gut wusste sie, dass diese Ängste mit neunundneunzigprozentiger Sicherheit unbegründet waren, aber es blieb doch immer noch dieses eine Prozent der Ungewissheit, die es ihr unmöglich machte, ins Bett zu gehen, auch wenn sie schon seit Stunden müde war. Außerdem mischte sich Wut unter die Sorge, weil es schon viel zu oft Streit gegeben hatte, weil sie ihm trotz der letzten Woche verhängten Ausgangssperre erlaubt hatte, wegzugehen, und weil er es wieder einmal schamlos ausnutzte. Und schon jetzt konnte sie sich haarklein ausmalen, wie es ablaufen würde, wenn er endlich zurückkam. Sie würde ihm Vorhaltungen machen, er würde sie nicht ernst nehmen, sie würde sauer werden und damit drohen, ihn nie wieder in die Disco gehen zu lassen, er würde lachen und dann sagen, dass er müde sei, und am Ende würde sie sich ärgern und fragen, was sie in ihrer Erziehung falsch gemacht hatte. Dabei war sie eigentlich der Meinung, nicht auf ganzer Linie versagt zu haben. Immerhin hatte sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Sohn, konnte mit ihm über vieles reden und hatte das Gefühl, dass er sie als Freundin und nicht lediglich als Erziehungsberechtigte ansah. Das war immerhin mehr als manche anderen alleinerziehenden Mütter von sich behaupten konnten. Vielleicht war aber auch gerade das der Fehler. Vielleicht nahm Felix sie zu wenig ernst und zweifelte an ihrer Autorität. Jedenfalls schien er sich einen Dreck um die Zeiten zu scheren, die sie ihm mitgab, wenn er am Wochenende, wie er sagte, feiern ging.
Jürgen Domian hatte seine Sendung inzwischen beendet, Ramona hatte umgeschaltet und verfolgte nun mehr oder weniger interessiert die Wiederholung einer Gerichtsshow, in der ein Lehrer angeklagt war, der angeblich seine Schülerin verführt hatte. Gab es eigentlich auch noch normale Leute in diesem Land?
Es war fast drei Uhr als Ramona endlich hörte wie die Haustür aufgeschlossen wurde. Inzwischen war sie doch eingenickt, aber in dem Moment, in dem sie wach wurde, kehrte der Ärger, den sie empfand zurück und sie fing ihren Filius im Flur ab. Felix war verschwitzt, seine Haltung schlaff, und er wirkte müde.
„Na, angenehme Nacht gehabt?“, fragte sie betont ruhig.
Der Junge nickte nur stumm und erwiderte, dass er jetzt allerdings nur noch in sein Bett wolle. Während er sich schon von ihr abwandte, ergriff sie seine Schulter und hielt ihn auf.
„Einen Moment noch, Freundchen“, mahnte Ramona in strengem Ton, „erinnerst du dich zufällig noch daran, was wir ausgemacht hatten?“
Felix seufzte und ein Ausdruck von Schuldbewusstsein trat in seinen Blick. Er schien genau zu wissen, was los war, aber genauso sehr schien er auch zu wissen, dass die Nacht den Ärger wert gewesen war.
„Komm schon“, bat er matt, „jetzt stress doch hier nicht rum. Ich bin echt fertig.“
Dann machte er sich von ihr los und steuerte mit schweren Schritten auf sein Zimmer zu. So einfach würde sie es ihm allerdings nicht machen, sagte Ramona zu sich selbst, blies gequält die Luft und damit auch die angestaute Wut aus und folgte ihm. Felix hatte kein Licht gemacht und sich mit Schuhen auf sein Bett fallen lassen. Der Schweiß stand ihm noch immer auf der Stirn, seine geschlossenen Augenlider zuckten noch immer zu dem Technobeat, der noch in seinem Kopf war, während seine Arme jedoch schlaff auf der Bettdecke lagen und sein Brustkorb sich wie nach anstrengender Arbeit schnell hob und senkte. Ramona blickte auf ihn herab und hätte beinahe Mitleid bekommen. Trotzdem zwang sie sich, hart zu bleiben, denn so ging es nicht weiter. Sie hatte keine Lust, jeden Freitag und Samstag nicht schlafen zu können, außerdem war Felix erst siebzehn und diese ständigen Besuche in irgendwelchen Clubs behagten ihr gar nicht.
„Jetzt hör mir mal zu...“, begann sie ihre Moralpredigt, und Felix öffnete ergeben die Augen, in denen die Pupillen müde glänzten und tat zumindest als höre er ihr zu.
Bemüht ehrlich und ohne Vorwürfe versuchte sie ihm ihre Bedenken zu erklären, doch noch während sie sprach, wusste sie, dass sie nicht auf Verständnis traf. Ihre Worte drangen in sein eines Ohr ein, wurden im Kopf von den Beats und dem Pfeifen, das er aus der Disco mitgebracht hatte, übertönt und sickerten dann unbeachtet zum anderen Ohr wieder hinaus. Mechanisch nickte er, was vermutlich heißen sollte, ja, beruhige dich und nun zieh Leine, ich bin nämlich echt fertig.
„Ramona“, antwortete er nach einer Weile und ließ sie innehalten, „wenn du dir echt Sorgen machst und nur mein bestes willst... dann hilf mir jetzt aus meinen Klamotten raus, lass mich schlafen und weck mich morgen Mittag mit 'nem starken Kaffee.“
Seine Frechheit ließ sie erstarren, und sie schluckte schwer. Das musste sie sich echt nicht bieten lassen, schon gar nicht von einem Halbstarken, der sich einen Dreck um die Vorschriften seiner Mutter scherte. Er müsste eigentlich glücklich sein, dass ich ihm überhaupt so viele Freiheiten lasse, sagte sie sich, und dann fiel ihr auf , dass sie sich schon fast anhörte wie ihre eigene Mutter als sie in Felix Alter gewesen war.
„Okay, ich mache dir einen Vorschlag...“
Der entschiedene Tonfall seiner Mutter ließ Felix hellhörig werden, und er widmete ihr tatsächlich noch einmal seine geschätzte Aufmerksamkeit.
„Ich drücke heute noch mal beide Augen zu“, fuhr Ramona fort, „aber wenn du dich nur noch ein einziges Mal nicht an unsere Abmachungen hältst, dann werde ich beim nächsten Mal mit dir mitkommen und den ganzen Abend nicht von deiner Seite weichen, hast du verstanden?“
Felix legte die Stirn in Falten, und sein Gesichtsausdruck sagte ihr, dass er sie in diesem Augenblick für völlig durchgeknallt erklärte. Wahrscheinlich hatte er sogar Recht damit, und die Idee würde als dümmste Erziehungsmaßnahme in die Geschichte der Pädagogik eingehen, aber immerhin stimmte er ihr zu, wenn auch nur, um sie endlich los zu werden und schlafen zu können.
Als Ramona sich zum Gehen wandte, erhob Felix sich noch einmal träge, streifte seine Schuhe ab, aus denen sich sofort eine dicke Schweißwolke erhob, dann ließ er sich wieder auf die Matratze fallen und sank ins Reich der Träume. Leise und inzwischen auch übermüdet, schloss Ramona seine Tür und konnte jetzt endlich auch ins Bett gehen. Bevor sie einschlief, schoss ihr noch einmal ihr im Nachhinein recht unüberlegter Vorschlag durch den Kopf, und da sie sich mal geschworen hatte, in ihrer Erziehung konsequent zu sein, hoffte sie, dass Felix sich in nächster Zeit wider Erwarten doch an ihre Abmachungen halten würde.

Der folgende Tag war ein Samstag, Ramona weckte Felix nicht wie verlangt mittags mit einem starken Kaffee, darum wachte er erst nachmittags auf und beschwerte sich dann, dass sie ihn geweckt hatte. Langsam machte sie sich Gedanken, dass sie sich einen kleinen Macho heranzüchtete, und das war wirklich das letzte, was sie wollte. Sie hatte ihre Lektionen mit Männern gelernt, wusste, dass es solche und solche gab, war sich aber bewusst, dass solche, also die Machos und Arschlöcher, deutlich in der Überzahl waren. Bisher hatte sich Felix jedoch ganz passabel entwickelt, schien ein ganz brauchbarer Mensch zu werden, nur seine Wochenenden machten ihr nach wie vor Sorgen. Es war noch gar nicht lange her, dass er angefangen hatte, am Wochenende feiern zu gehen, und sie gönnte es ihm ja auch, nur die Tatsache, dass er fast ausschließlich mit älteren Freunden unterwegs war und seine Begründung, er bräuchte das tanzen, um dem Alltag zu entfliehen, stimmte sie nachdenklich.
Der restliche Nachmittag war für Felix vom Fernsehprogramm, für sie von Hausarbeit geprägt, und als es dann abends war, eröffnete er ihr, dass er heute noch mit René losziehen wollte, was eine nervenaufreibende Diskussion über seine Ausgangsperre nach sich zog.
„Also gut, um ein Uhr bist du wieder hier“, verlangte Ramona, „und denk an meine Drohung, die ich wahr mache, wenn du auch nur eine Minute zu spät kommst.“
Felix rollte mit den Augen und starrte zur Decke als erhoffe er sich von dort oben Beistand. In der Wohnung über ihnen wohnte allerdings nur die alte Frau Thierfelder, und von ihr hatte Felix bestimmt keine Schützenhilfe zu erwarten.
„Ach komm schon, Ramona“, bat er, „es ist Samstag und da ist es absolut peinlich, wenn ich gehen muss, noch bevor es am schönsten ist.“
Jetzt war es Ramona, die ihren Blick zur Decke wandte, doch die Nachbarin von oben würde auch ihr nicht helfen.
„Also gut, bis um zwei, aber wehe dir, wenn du auch nur eine Sekunde zu spät wieder hier bist.“
Sie wusste, dass dieser Kompromiss ihn noch lange nicht zufrieden stellte, aber ebenso gut wusste er auch, dass sie sich nicht weiter erweichen lassen würde. Ramona konnte im Grunde nur hoffen, dass er nicht, sobald er achtzehn war, all ihre Vorschriften in den Wind schlug und gar nicht mehr auf sie hörte. Vielleicht würde er ja eines Tages verstehen, dass sie es nur gut mit ihm meinte, dass sie sich lediglich Gedanken um seinen Werdegang machte, dass sie alles versuchte, damit er einen vernünftigen Schulabschluss machte und irgendwann ein besseres Leben führen konnte als sie das bisher getan hatte. Noch bevor sie den Gedanken zuende gedacht hatte, schoss ihr die Frage durch den Kopf, wie viele Eltern und Kinder diese Gespräche wohl schon geführt hatten oder aber jetzt gerade in diesem Augenblick führten. Sie selbst hatte schließlich vor etlichen Jahren mit ihren Eltern schon die gleichen Streitigkeiten ausgetragen, und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, hatte sie bis heute noch nicht eingesehen, was daran schlimm sein sollte, wenn man sich am Wochenende die Nächte um die Ohren schlug.
„Felix“, rief sie ihm zu als sie ein Auto vor der Tür hörte und ihr Sohn sich schon zum Gehen wandte, „ich geb dir bis drei Uhr Ausgang, aber das ist echt mein letztes Wort.“
Felix nickte, grinste ihr zu und verschwand dann. Ramona hoffte nur, dass er wenigstens diese Zeit einhalten würde. Als sie sich wenig später vor den Fernseher setzte, ertappte sie sich dabei, dass sie sich wünschte, zu wissen, was er eigentlich die Nacht hindurch trieb. Natürlich konnte sie sich vorstellen, was in einer Disco ablief, denn sie selbst war früher auch ständig unterwegs gewesen, andererseits war das allerdings auch zwanzig Jahre her, und seitdem hatte sich manches geändert und war bestimmt nicht mehr so brav wie damals. Alles, was sie bisher aber über Drogen und Gewalt in der Technoszene gehört hatte, ließ sie an ihrem Wunsch zweifeln, und darum konzentrierte sie sich wieder auf das Fernsehprogramm.
Sie war längst eingeschlafen als Felix nach Hause kam, wurde aber wach als er die Wohnungstür geräuschvoll ins Schloss fallen ließ. Ein Blick auf ihre Armbanduhr sagte ihr, dass es nicht drei Uhr war, sondern bereits zwanzig nach fünf, draußen begannen die ersten Vögel zu zwitschern, und statt Wut kam kroch jetzt Enttäuschung in Ramona hoch.
„Felix!“, rief sie in den dunklen Flur hinein.
Es dauerte einen Moment, dann erschien er in der Türöffnung, blass wie ein Gespenst, augenscheinlich erschöpft und mit müdem, glasigen Blick. Vorhaltungen wären jetzt zwecklos, denn ihre Worte würden wie schon oft unbeachtet in seinem inzwischen leeren Gehirn verhallen. Darum fragte sie lediglich wie es gewesen war und bat wenigstens um den Ansatz einer Erklärung, warum er sich einen Dreck um ihre Abmachungen kümmerte.
„Ach, Ramona, das verstehst du nicht“, meinte er gönnerhaft und wischte sich den Schweiß von der Stirn, „wenn du richtig tanzt, dann bist du wie im Rausch, dann merkst du nichts mehr außer der Musik, dann bist du irgendwie jenseits von Raum und Zeit...“
Jenseits von Raum und Zeit und damit wahrscheinlich von jeglicher zeitlichen Absprache entbunden, vollendete sie den Satz in Gedanken. Was wie eine billige Ausrede klang, meinte er allerdings ernst, zumindest hatte sie das Gefühl, er wolle ihr klar machen, dass er nicht absichtlich die Uhr aus seinen Gedanken verbannte, sondern allen Ernstes mehr oder weniger unbeabsichtigt für ein paar Stunden aus der Realität entwich.
„Du hast Recht“, gab sie monoton zu, „ich verstehe es nicht. Aber nächste Woche werde ich es verstehen.“
Damit erhob sie sich von Sofa, drängte sich an ihrem Sohn vorbei, der übrigens wieder mal verschwitzt war als hätte er sportliche Höchstleistungen vollbracht, und steuerte auf ihr Schlafzimmer zu. Felix rief ihr nach, was das denn jetzt bedeuten solle, und sie erinnerte ihn eindringlich an ihr Versprechen oder besser gesagt ihre Drohung, die sie nun wahr machen wollte. Dann zog sie die Tür hinter sich zu und ließ ihren Sohn verstört zurück.

Die kommende Woche verlief ereignislos, Felix redete nicht darüber, dass er seine Mutter am Wochenende mitnehmen musste, und auch Ramona vermied dieses Thema. Inzwischen war sie sich nämlich nicht mehr sicher, ob sie die Aktion tatsächlich durchziehen wollte, denn immerhin war es sowohl für Felix wie auch für sie einigermaßen peinlich, wenn er seine alte Mutter mitschleppte. Sie konnte sich ausmalen, wie seine Freunde über die 'alte Schnecke' da hinten lästerten, sah Felix jetzt schon mit rotem Kopf in einer Ecke stehen, und auf eventuelle Pöbeleien und Fragen, warum das Altersheim Ausgang hatte, von anderen Discobesuchern, konnte sie ebenfalls verzichten. Sie fühlte sich zwar nicht alt, doch in einem Kreise von Jugendlichen, die im Schnitt zwei Jahrzehnte jünger waren als sie, war es bestimmt leicht, Depressionen zu bekommen. Sie erinnerte sich noch zu gut an ihre letzte Affäre vor ein oder zwei Jahren mit einem Mann, der nur vier Jahre jünger gewesen war als sie selbst. Selbst der hatte eines Tages mit ihr Schluss gemacht mit der Begründung, sie sei ihm zu alt und er wolle nach etwas frischerem Ausschau halten. Wenn sie dem schon nicht gut genug gewesen war, wollte sie gar nicht erst wissen, was all die jungen Hüpfer in der Disco von ihr denken würden. Andererseits hatte Felix es immerhin darauf angelegt und sie quasi offen herausgefordert, mit ihm zu kommen. Es stand somit ihre Angst gegen die Neugierde und den vielleicht kindischen Wunsch, ihrem Sohn eine Lektion zu erteilen, und die ganze Woche über kämpften beide Seiten in ihr, ohne dass sie fähig war, eine Entscheidung in die eine oder andere Richtung zu fällen.
Es war bereits Donnerstag als Felix beim Abendessen beiläufig bemerkte, dass er am Freitag mit René ins 'Space' fahren wolle. Ramona horchte auf, atmete einmal tief durch, dann fragte sie: „Ist mir Recht. Und wann wollen wir los?“
Fast hätte sich Felix an seinen Spaghetti verschluckt, doch dann versteinerte er nur und guckte sie ernst und durchdringend an. Ramona musste sich auf die Zunge beißen, damit sie nicht über seine Reaktion lachen musste, aber sie schaffte es immerhin, ein todernste Miene zu machen.
„Sag mal“, fragte Felix mit einer leichten Unsicherheit in der Stimme, „das ist doch jetzt wohl nicht dein Ernst, oder?“
Ramona wusste, dass es jetzt kein Zurück mehr gab, und darum antwortete sie ihm schlicht, sie habe ihm den Vorschlag gemacht, er sei letzten Samstag nicht pünktlich zuhause gewesen, und nun müsse er wohl oder über mit ihr zusammen auf die Piste gehen. Während sie sprach wechselte Felix Gesichtsfarbe in ein blasses Weiß, und sie konnte sich nur zu gut vorstellen, was in diesem Moment in ihm vorging. Er durchsuchte wahrscheinlich seine Gehirnwindungen nach eine Möglichkeit, wie er sie doch noch loswerden konnte oder überlegte, unter diesen Umständen, den Abend ausfallen zu lassen.
„Ramona, hast du eigentlich 'ne Ahnung wie peinlich das ist?“
Ja, die hatte sie durchaus, gab es aber nicht zu und beharrte nur stur darauf, dass er ja vorher gewusst habe, mit welchem Risiko sein Zuspätkommen verbunden war. Eine innere Stimme warnte sie, das ganze nicht auf die Spitze zu treiben und auszusteigen, solange ihr Sohn noch mit ihr sprach, aber sie ignorierte die Stimme und wollte jetzt ein für alle mal in Erfahrung bringen, was bei Felix dafür sorgte, dass er Zeit und Raum vergaß.
„Das meinst du jetzt als schlechten Scherz, oder?“, wagte Felix einen letzten Vorstoß, und wieder blieb Ramona hart und schüttelte nur den Kopf.
Mit einem „du bist echt nicht mehr ganz frisch“ verließ er daraufhin den Raum und knallte die Küchentür wütend hinter sich ins Schloss. Nachdenklich stützte Ramona den Kopf auf ihre Hände und fragte sich abermals, ob sie eben einen nicht wieder gutzumachenden Fehler begangen hatte. Sie hatte Angst, dass sie Felix jetzt wirklich zum Gespött machen würde, und sich dazu, und dass es fürchterlich dumm war, was sie vorhatte. Auf der anderen Seite sagte sie sich aber auch, dass sie immerhin noch keine hundert war, und da die Szene angeblich für Offenheit und Toleranz stand, konnte es schließlich kein Weltuntergang sein, wenn sie Felix eine einmalige Lektion erteilte. Sie hatte ja gar nicht vor, die ganze Nacht über wie sein Kindermädchen neben ihm zu stehen, wusste allerdings auch nicht genau, was sie denn die ganze Nacht hindurch machen sollte.

Den ganzen Freitag über redete Felix kein Wort mit ihr und wollte sie damit offenbar zwingen, von ihrem Vorhaben abzuweichen. Erst als Ramona sich abends in Schale warf und im Bad vor dem Spiegel stand, brach er sein Schweigen und erklärte ihr nochmals wie deplaziert sie in einem Club sein würde. Egal, wie überzeugend seine Argumente auch waren, Ramona blieb konsequent.
„Jetzt komm schon, du weißt doch im Grunde gar nicht, was du da sollst.“
Auch damit hatte er leider nicht Unrecht.
„Und wenn schon. Was bitte ist denn so schlimm daran, wenn ich in eine Disco gehe? Meinst du etwa, ich bin zu alt, um mich zu amüsieren?“
Nein, das meinte er nicht, er habe ja auch nichts dagegen, wenn sie in eine Disco ging, nur das müsse ja nicht ausgerechnet der Club sein, in dem auch er war, und überhaupt könne sie doch mit Techno gar nichts anfangen. Er würde bestimmt nicht blöd sein und sich die ganze Nacht von ihr beaufsichtigen lassen, grummelte er vor sich hin, sie würde schon sehen, was sie davon habe.
Wenig später klingelte es, und Felix öffnete seinem Freund René die Tür.
„Warte noch kurz, ich muss mich noch fertig machen“, hörte Ramona ihn sagen, „ach und übrigens, meine Alte will unbedingt, dass wir sie mitnehmen.“
Ramona lauschte angestrengt, bekam aber trotzdem nicht mit, wie die erste Reaktion Renés auf diese Ankündigung war. Das einzige, was sie mitbekam war, dass Felix es tunlichst vermied, seinem Kumpel die wahren Gründe, warum sie sie begleiten würde verschwieg, sondern stattdessen erklärte, sie habe wohl den Arsch offen und sei vielleicht in einer Art Midlifecrisis. Na super, das fing ja gut an!
Als Felix in seinem Zimmer verschwand, um sich umzuziehen, überwand sich Ramona, ins Wohnzimmer zu gehen und einen ersten Blick auf diesen Jungen zu werfen, den sie bisher noch nicht kennen gelernt hatte. Falls dieser René total entsetzt war, konnte sie die Sache immer noch abblasen. René saß auf dem Sofa und blätterte in einer Zeitschrift als Ramona eintrat. Sie selbst setzte sich ihm gegenüber in den Sessel und fragte ihn, ob er etwas trinken wolle. Dann behauptete sie, einfach mal einen Einblick in die ihr unbekannte Welt des Nachtlebens erhaschen zu wollen und wartete gespannt auf die Reaktion des jungen Mannes.
„Ich finds toll, dass sie für Neues offen sind“, kommentierte René mit einem Lächeln, „und ich bin ziemlich sicher, dass es ihnen im 'Space' gefallen wird.“
Sein Lächeln hielt an, seine braunen Augen betrachteten sie ohne jede Spur von Unehrlichkeit und Ramona fiel ein Stein vom Herzen. Sie hatte wahrscheinlich noch mehr Angst gehabt, sich lächerlich zu machen, als Felix, doch dieser Junge hatte es geschafft, ihr die Furcht zu nehmen. Entweder war er ein guter Schauspieler und wollte nicht unhöflich erscheinen, oder aber es machte ihm tatsächlich nichts aus, sie mitzunehmen.
„Und wieso bist du davon überzeugt?“, hakte sie weiter nach, während sie sich langsam entspannte und René ausgiebig musterte, ob er ihr nicht doch nur etwas vorspielte.
Er wisse es nicht genau, erklärte er, lehnte sich im Sofa zurück und zuckte mit den Schultern, es sei einfach ein Gefühl, und Felix habe es schließlich auch sofort gefallen, nachdem er ihn das erste Mal auf einen Rave mitgenommen habe. Außerdem sei es immer wieder schön, neue Leute mit in den Club zu nehmen, es wäre nämlich ermüdend, jedes Wochenende mit der gleichen Clique loszuziehen. Wie sehr Ramona auch suchte, es gab keine Anzeichen von Falschheit in seiner Stimme, und die Art, wie er sie nicht als Mutter, sondern eher als Freundin von Felix behandelte, schmeichelte ihr. Vielleicht würde es ihr tatsächlich gefallen und ihre Sorge war umsonst gewesen.
In diesem Augenblick platzte Felix ins Zimmer, er hatte sich umgezogen, war aber noch nicht mit sich zufrieden und bat René, noch ein bisschen Geduld zu haben. Seine Mutter würdigte er keines Blickes, offenbar war er jetzt enttäuscht, dass sie die letzte Chance, noch abzuspringen, auch hatte verstreichen lassen. Er verschwand also wieder in seinem Zimmer, wühlte in seinem Kleiderschrank herum und zog sich abermals um. Nach einem prüfenden Blick in den Spiegel verwarf er auch dieses Outfit und setzte die Suche fort. Irgendwann stand René auf, folgte Felix, und Ramona sagte sich, dass er ihm wohl mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Komisch, dachte sie, wenn René sonst vor der Tür stand, konnte es ihm gar nicht schnell genug gehen, aus dem Haus zu kommen. Wahrscheinlich wollte er die Zeit längstmöglich hinauszögern, da ihm die Angelegenheit immer noch peinlich war und er trotz allem noch hoffte, seine Mutter würde zuhause bleiben, wo sie seiner Meinung nach hingehörte.
Nach einer Weile kam René zurück ins Wohnzimmer, allerdings ohne Felix, und Ramona fragte entsetzt, ob der denn immer noch nichts zum Anziehen gefunden habe. Soweit sie wusste, war sein Kleiderschrank kleiner als ihrer, und selbst, wenn er alles angezogen hatte, was sich darin befand, müsste er inzwischen mit allen möglichen Kombinationen durch sein.
„Was zum Anziehen hat er schon gefunden“, erklärte René grinsend, „aber jetzt muss er sich noch die Haare stylen.“
Ramona war völlig neu, wie eitel ihr Sohn war, vor allem, weil sie ihn sonst ab und zu darauf hinweisen musste, nach einer durchtanzten Nacht zu duschen, oder nach einer Woche endlich mal ein frisches T-Shirt anzuziehen.
Dann aber war es endlich soweit, Felix stand in der Tür und präsentierte sich der breiten Masse, allerdings nicht, um sich und sein Outfit bewundern zu lassen, sondern um sich zu beschweren, ob sie da noch lange sitzen wollten oder ob man endlich los könne. Ramona und René warfen sich einen vielsagenden Blick zu, dann erhoben sie sich folgsam und die Nacht konnte beginnen.

Es war schon mindestens zehn Jahre her, dass Ramona in einer Diskothek gewesen war, und wie erwartet, hatte sich auch im Nachtleben in der Zwischenzeit etliches geändert. Es empfing sie nicht wie früher ein dunkler, stickiger Raum mit einer Spiegelkugel an der Decke, sondern zunächst einmal ein geräumiges Foyer, das Ausgänge zu gleich vier ganz und gar nicht stickigen Räumen mit unterschiedlichen Musikrichtungen hatte. An der Decke hing keine jämmerliche Spiegelkugel, stattdessen wurden die Tanzflächen von bombastischen Lichtanlagen erhellt, und Ramona kam es vor als sei sie auf einem riesigen Rummelplatz mit allen erdenklichen Angeboten, um nächtelang Spaß haben zu können, das ganze aufgefüllt mit lauter jungen Menschen, die hier nach dem ultimativen Kick suchten und ihn vermutlich sogar fanden. Noch mehr aber als die visuellen Eindrücke erschlug sie die Musik, die wie ein tosender Wasserfall aus unzähligen Lautsprecherboxen dröhnte und jedes andere Geräusch unter sich begrub.
Instinktiv sah Ramona sich nach Felix und René um, doch ihr Sohn hatte besseres zu tun als seine Mutter in die ihr unbekannte Welt einzuführen und verschwand sofort in einer Traube Tanzender, die alle in Richtung des erhabenen DJ-Pults drängten. Wie Gläubige vor ihrem Guru, schießt es Ramona durch den Kopf, und sie war froh, dass René noch bei ihr war und sie sich nicht alleine ihren Weg durch die Masse bahnen musste.
„Willst du erst mal was trinken?“, fragte er zuvorkommend, wobei ihr auffiel, dass er sie plötzlich duzte.
„Ja“, nickte sie“, ich glaube, das muss jetzt sein.“
Er schob sie sanft zu einer Theke, brüllte dem Mädchen dahinter etwas ins Ohr, und wenig später stand ein Glas Cola und eine Flasche mit irgendetwas vor ihnen, deren Inhalt nach in Alkohol getränkten Gummibärchen schmeckte. René erklärte hier, dass die meisten Besucher des Clubs nur hier waren, um dem Alltag zu entfliehen, dass die Musik ihnen dabei half, alles um sich herum zu vergessen, und dass dies alles im Prinzip eine einzige mächtige Droge war, Opium für das tanzende und ravende Volk sozusagen. Hier, in der großen Disco wurde Dance und Trance gespielt, erläuterte er, drüben im 'Space' Techno und Schranz, und somit konnte jeder genau das finden, wonach er suchte. Es sei wie eine positive Gegenwelt zur Wirklichkeit, ein Ort ohne Zwänge, ohne Stress, ohne Angst, und im Grunde eine einzige große Lüge. Ramona hörte ihm zu, fragte, warum er denn hier sei, worauf er lediglich mit den Schultern zuckte und ihr antwortete, sie könne es vielleicht verstehen, wenn sie lange genug hier blieb.
Während sie all denen zusah, die in der Tat die Welt um sich herum vergessen zu schienen, erinnerte sie sich an ihre eigene Jugend und daran, dass sie damals auch fast jedes Wochenende in einer Disco oder auf einer Party verbracht hatte. Ständig hatte es Streit mit ihren Eltern gegeben, die in der modernen Musik den Untergang des Abendlandes sahen, aber sie hatte diesen Ausbruch am Wochenende schon montags herbeigesehnt und sich jede Woche aufs Neue auf den Samstagabend gefreut, jene Nacht ohne Vorschriften und Verbote. Im Grunde hatte sich nicht viel geändert, nur dass alles größer, lauter und exzessiver geworden war. Damals hatte es noch keinen Techno gegeben und sie hatten zu New Order, Kraftwerk und Depeche Mode getanzt, aber es lief wohl auf dieselbe Sehnsucht nach Freiheit hinaus. Ramona konnte sich nur zu gut daran erinnern, dass sie den Ruf einer Partymaus gehabt hatte, und die Jungs waren ihr scharenweise nachgelaufen. Sie hatte auch kaum eine Gelegenheit ausgelassen und sich mindestens alle zwei Wochen neu verliebt, und selbstverständlich gab es auch immer wieder Abende, an die sie sich am nächsten Morgen wegen ihres Katers nicht erinnern konnte. Es war eine unbeschwerte Zeit gewesen, vielleicht sogar die schönste ihres Lebens, dachte sie und nahm sich im gleichen Augenblick vor, nicht zu streng mit Felix zu sein. Immerhin hatten ihr die Ausflüge ins Nachtleben damals doch nicht geschadet und alle Ermahnungen ihrer Eltern hatten nichts erreicht.
„Wo ist Felix eigentlich?“, fragte sie plötzlich an René gewandt, und er schlug vor, dass sie ihn suchen sollten.
Es war komisch, aber an Renés Seite kam sie sich nicht wie eine alte Schachtel vor, und selbst die Blicke, vor denen sie sich gefürchtet hatte, waren lange nicht so grausam wie sie es erwartet hatte. Genaugenommen schien sie nicht einmal aufzufallen, denn jeder hier war mit sich beschäftigt, und die, die sich die anderen ansahen, fanden andere Objekte, über die sie lästern konnten. Manchmal glaubte sie sogar, bewundernde oder neidische Blicke zu ernten und ertappte sich dabei, stolz darauf zu sein, in Begleitung eines gutaussehenden Typen wie René zu sein. Aus dem Augenwinkel heraus musterte sie ihn, sah an ihm hinauf und musste sich eingestehen, dass sie zu ihrer Zeit ihre Finger nicht von ihm hätte lassen können.
Bevor sie den Gedanken weiterverfolgen konnte, blieb René plötzlich stehen und deutete mit dem Finger in eine Richtung. Was er sagte, konnte sie hier in diesem kleineren Raum, in dem die Bässe noch lauter zu sein schienen, nicht verstehen, aber sie folgte seinem Blick und entdeckte dann Felix, der auf einem Podest ausgelassen tanzte und die Augen dabei geschlossen hatte. Ramona sah ihm eine Weile zu und es schien ihr als habe sie ihren Sohn noch nie so entspannt und glücklich gesehen. Seine Arme zuckten rhythmisch inmitten der Laserstrahlen, die den Raum durchfluteten, seine Beine und sein ganzer Körper schienen wie unter Strom zu stehen, und seine Füße bewegten sich so schnell als würden sie über den Boden fliegen. Einerseits verausgabte er sich völlig, andererseits schien er aber gerade dadurch Kraft zu schöpften, eine Kraft, die ihm diese hämmernde, harte Musik gab, die wie ein Strom durch seinen Körper fuhr und ihn offenbar auflud. Langsam verstand Ramona auch, warum er sich nur selten an ihre Vorschriften hielt, denn wie es aussah, konnte es für ihn nichts schöneres geben als das hier.
„Ich wusste gar nicht, dass Felix ein so guter Tänzer ist“, rief sie René zu.
Der lächelte und fragte dann, woher sie das auch wissen solle, da sie ihn ja leider noch nie begleitet hatte. Aber sie habe Recht, und es mache echt Spaß, ihm zuzusehen.
„Ich finde sowieso“, fuhr er fort, „dass es kaum was schöneres gibt als Leuten beim Tanzen zuzugucken.“
Ramona stellte fest, dass er sie unentwegt musterte, was ihr etwas unangenehm war, und sie fragte zurück, was er denn mit 'kaum' meinen würde, was denn schöner sei. Sein Grinsen wirkte ein wenig spöttisch und er unheimlich selbstsicher, während sie sich inzwischen vorkam wie ein kleines Mädchen, dass zum ersten Mal mit ihrem großen Bruder und dessen Freunden weggehen durfte.
„Na selber tanzen“, antwortete René, „Hast du Lust?“
Zuerst wollte sie ablehnen, aus Angst, sich nun doch noch zu blamieren, aber da zog er sie auch schon auf die Tanzfläche und überließ sie ihrem Schicksal. Er fing sofort an, sich zu bewegen, und machte auch noch eine gute Figur dabei, aber bei ihr dauerte es lange, bis sie sich an die schnellen Rhythmen und harten Bässe gewöhnt hatte. Irgendwann jedoch begann sie die Musik zu fühlen, schloss einfach die Augen und ließ sich von ihr treiben. Es war ihr egal, ob sie dabei blöd aussah, und es war ihr sogar egal, was René über sie dachte, denn in Gedanken versetzte sie sich zurück in die Zeit als sie auf dem Tanzboden eine gute Figur abgegeben hatte und die Jungs sich lechzend nach ihr umgedreht hatten. Damals hatte sie sich allein auf die Musik verlassen, und jetzt hoffte sie, dass ihr das immer noch gelingen würde.
Hinter ihren geschlossenen Lidern tauchte die Welt von damals wieder auf, sie erinnerte sich an vieles, an was sie zwanzig Jahre lang nicht gedacht hatte. Auch Felix Vater hatte sie auf einer Party kennen gelernt, er war ein Freund der besten Freundin einer ihrer Freundinnen gewesen, sie war von Anfang an in seinen tiefen braunen Augen versunken, und was den Rest des Abends über passiert war, blieb in einer dunklen Wolke des Alkohols verborgen. Jedenfalls hatten sie sich von da an öfter getroffen, waren bald ein Paar geworden, und irgendwann hatte er ihr einen Heiratsantrag gemacht und sie hatte ja gesagt. Dieses 'ja' war wohl der größte Fehler ihres Lebens gewesen. Von da ab hatte sich ihr Leben verändert, ihr frischgebackener Ehemann hatte verlangt, dass sie verantwortungsvoller wurde, er hatte sich um seine Karriere gekümmert und von ihr verlangt, sie müsse ihm ein geborgenes Zuhause bereiten, was im Klartext hieß, abends, wenn er nach Hause kam, hatte das Essen und sein Bier auf dem Tisch zu stehen. Rückblickend erschien sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen gewandelt zu haben, sie hatte zuerst versucht, die treusorgende Ehefrau zu spielen, dann aber festgestellt, dass sie sich nicht einfach aufgeben konnte und ein eigenes Leben führen wollte. Sie erwartete mehr als nur die Wohnung zu putzen, auf ihren Gatten zu warten und dann zuzusehen, wie er vor dem Fernseher ein Bier nach dem anderen in sich hineinschüttete, bevor er ins Bett ging und in Holzfällermanier laut schnarchte. Immer häufiger war es zum Streit gekommen, das Verliebtsein war langsam einem gestressten Alltag gewichen, und anstatt in der Woche zu arbeiten und am Wochenende tanzen zu gehen, war sie tagein, tagaus bemüht, sein Haus sauber zu halten und ihre Gefühle, die sich gegen das Eingesperrtsein auflehnten, unter Kontrolle zu halten. Einmal hatte sie ihm ihre Gefühle geschildert und verlangt, er solle mehr Rücksicht nehmen, doch danach wurde alles nur noch schlimmer, er hielt ihr vor, sie sei undankbar und würde nicht zu würdigen wissen, dass er sich den ganzen Tag für sie den Arsch aufriss. Als dann Felix geboren wurde, füllte sich die Leere in ihr für einige Zeit, aber es dauerte nicht lange, dann fühlte sie sich wieder eingesperrt und sehnte sich nach Selbstbestimmung. Die Streitigkeiten fingen von Neuem an, wurden sogar noch heftiger, und schließlich schaukelte sich das alles so sehr hoch, dass ihm auch einmal die Hand ausrutschte. Natürlich tat es ihm leid, und er schwor ihr, dass das niemals wieder vorkommen würde, nur leider vergaß er sein Versprechen bald und schlug sie erneut. Es dauerte danach noch eine ganze Weile, bis sie erkannte, dass es nicht weiterging, und als sie ihm endlich offenbarte, dass sie ihn verlassen wollte, kam es zu einem letzten großen Krach, der für sie mit einem gebrochenen Arm endete. Seitdem hatte sie ihn nie wieder gesehen und ihr Leben allein in den Griff zu bekommen versucht. Trotz aller Anstrengungen war es nie wieder so unbeschwert geworden wie vor ihrer Ehe. Männern trat sie seitdem vorsichtig gegenüber, nur ab und zu, wenn sie sich ganz sicher war, ließ sie sich auf eine Beziehung ein, aber sobald es ihr zu heiß wurde, zog sie sich zurück.
Als sie jetzt die Augen wieder öffnete, sah sie René vor sich, dem es offenbar gefiel wie sie tanzte, und es gelang ihr zum ersten Mal, ohne Bitterkeit an die Vergangenheit zu denken. Auch ihre Scheu hatte sie überwunden, fühlte sich nicht mehr alt und wurde sich bewusst, dass sie der Droge Techno anscheinend ebenso wie alle anderen hier verfallen war.
Sie wollte etwas sagen, doch ein Schwall elektronischer Musik, begleitet von einer Wolke aus nach Erdbeeren riechendem Kunstnebel und einem gewaltigen Blitzlichtgewitter der Stroboskope, wischte ihren Gedanken fort. Die Menschen um sie herum begannen zu kreischen, und alles kam ihr auf einmal unwirklich vor. Das mussten Felix und René meinen, wenn sie sagten, man könne aus der Realität abtauchen. Die Musik katapultierte die Tanzenden in eine andere Dimension, weit weg von allem, und auch in Ramona stiegen jetzt Glücksgefühle auf. Sie war geblendet vom hellen Licht, der Nebel um sie herum verschleierte alles, sie fühlte die Vibrationen der Musik durch jede Faser ihres Körpers wummern, und das einzige, was sie sah, war René, der dicht neben ihr tanzte. Ramona wünschte sich, dass dieser Moment enden würde, und in einem Ansturm von Begeisterung umarmte sie ihren Begleiter und blendete jeden Gedanken aus.

Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie mit René getanzt hatte, hatte jegliches Zeitgefühl verloren und war wie in Trance. Sie wusste nicht mehr, wer sie war, konnte sich nicht erinnern, welcher Tag heute war, wusste nicht einmal, ob es Tag oder Nacht war. Alles, was sie in den letzten Stunden gesehen, gehört und gespürt hatte war dieser unglaubliche Junge, und erst jetzt, als die Tanzfläche sich langsam leerte, wurde ihr bewusst, wo sie überhaupt war. Als hätte sie auf eine heiße Herdplatte gefasst, wand sie sich aus seiner Umarmung und bemühte sich, wieder klar zu denken.
„Was tue ich hier eigentlich?“, fragte sie entsetzt und zu ihrem Erstaunen laut.
René legte seinen Arm wieder um sie und sagte dann: „Du tanzt, vergisst alles um dich herum und tust nur das, was dein Gefühl dir sagt.“
Ramona wusste nicht, welcher Teufel sie geritten hatte, konnte sich nicht erklären, was mit ihr los war, sie merkte nur, dass sie sich in den letzten Stunden wohl gefühlt hatte wie schon lange nicht mehr. Sie hatte getrunken, hatte getanzt, und hatte René auch ein ums andere Mal geküsst. Das darf nicht sein, tönte eine Stimme in ihrem Kopf, und eine andere antwortete, es sei aber passiert und es half nichts, gegen Gefühle anzukämpfen. Was war denn mit ihr los? Wo war ihre Selbstkontrolle? Wieso hatte sie das alles geschehen lassen?
„Wollen wir ne Pause machen und noch was trinken?“, fragte René, „Du siehst ganz schön geschafft aus.“
Ramona nickte und folgte ihm an eine Theke, wobei sie versuchte, endlich wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Du hast dich gehen lassen und etwas gemacht, was nicht wieder gut zu machen ist, schrie die eine Stimme in ihrem Kopf. Du bist nur endlich mal aus dir herausgegangen und hast genau das getan, was du tun wolltest, hielt die andere Stimme dagegen.
An der Theke legte René wieder seinen Arm um sie und drückte sie an sich. Wieder stritten sich die beiden Stimmen in ihrem Kopf, die eine verlangte, etwas dagegen zu unternehmen, die andere erinnerte sie daran, dass sie sich nach seinen Zärtlichkeiten sehnte und gefälligst dazu stehen sollte. Ramonas Gedanken überschlugen sich, sie war einerseits entsetzt über sich selbst, andererseits war da ein wohliges Gefühl, das sie schon seit Jahren nicht mehr empfunden hatte. Langsam und vorsichtig betrachtete sie sich und René in dem großen Spiegel, der der Theke gegenüberlag. Sie sah ihr eigenes Spiegelbild, das so glücklich aussah wie schon lange nicht mehr, und sie sah René, der mit Abstand der bestaussehendste Typ in der gesamten Disco war. Ihr gefiel die Art, wie er tanzte, seine Figur, sein Gesicht, und in seinen braunen Augen wäre sie am liebsten versunken. Und dass auch er an ihr Gefallen fand, war keine Frage, denn warum sonst sollte sich ein junger Mann wie er so ausgiebig um sie bemühen. Es gab keinen Zweifel, Ramona hatte sich verknallt.
„Ramona?“, erst jetzt realisierte sie, dass René sie etwas gefragt hatte.
Schnell entschuldigte sie sich und redete sich heraus, sie sei in Gedanken woanders gewesen. Er witzelte, dass er das sehr deutlich gemerkt habe, dann fragte er, was sie denn nun trinken wolle.
„Ach, irgendwas hochprozentiges“, antwortete sie, „ich glaube, das brauche ich jetzt.“
Nach dem Drink zog er sie noch einmal auf die Tanzfläche, wo die Musik inzwischen ein wenig ruhiger geworden war. Außerdem hatte es sich etwas geleert, und sie hatten viel Platz zum tanzen. René zog sie jetzt dicht zu sich heran, legte seine Arme um sie und küsste sie wieder. Zuerst wollte Ramona sich wehren, doch ihre Hände umschlangen wie von selbst seinen Körper, sie drückte sich an ihn und genoss seine Berührungen. Sie spürte, dass sie von einigen Leute beobachtet wurden, aber das störte sie jetzt nicht mehr, sie nahm es als Kompliment, dass es René nichts ausmachte, mit ihr gesehen zu werden. Sie spürte wie seine Hände über ihren Körper wanderten, genoss den Schauer, der ihr dabei über den Rücken lief, und dann gingen auch ihre Finger langsam auf Wanderschaft. Zuerst fuhr sie ihm vorsichtig unter das T-Shirt, dann tastete sie sich bis zu seinem Po vor, und wieder vergaß sie beinahe, wo sie sich befanden. René zog sie jetzt noch näher zu sich heran, küsste sie unaufhörlich, und sie konnte etwas hartes in seiner Hose spüren.
„Was hältst du davon“, flüsterte er ihr ins Ohr, „wenn wir zu mir fahren und lieber da weitermachen?“
Dabei drückte er sie mit einer Hand nah an sich heran, während er mit der anderen zwischen ihre Beine fuhr. Und dann setzte es bei Ramona plötzlich aus. Wie ein Blitz zuckten Gedankensplitter durch ihren Kopf, die sie nicht fassen konnte, sie sah plötzlich rot, riss sich von René los und versetzte ihm eine schallende Ohrfeige und schlug danach voller Wut und ohne Kontrolle über sich zu haben auf ihn ein, bis er sich von ihr losriss, sie entgeistert anstarrte, den Kopf schüttelte und sich wortlos verdrückte.
Sie spürte förmlich wie sich die Blicke aller, die sich noch im Raum befanden in sie hinein bohrten, während sie sich abwandte und schnellstmöglich von der Tanzfläche verschwand. In einer Ecke sah sie Felix stehen, ging auf ihn zu und forderte ihn auf, mit nach Hause zu kommen. Felix rührte sich nicht, sondern schaute nur entgeistert zwischen René und ihr hin und her. Ramona wäre am liebsten im Boden versunken, sie war nicht mehr Herr ihrer Sinne, und da er keine Anstalten machte, mit ihr zu kommen, ließ sie ihn stehen und ging alleine dem Ausgang entgegen.
„Du bist doch echt nicht ganz dicht!“, hörte sie die Stimme ihres Sohnes hinter sich, „Vollkommen durchgeknallt oder was? Peinlicher geht’s ja wohl nicht!“

„Hallo ihr Lieben, ich begrüße euch zu einer neuen Woche bei Domian, dem Eins-Live-Talkradio. Am Telefon begrüße ich jetzt Ramona, und Ramona ist neununddreißig Jahre alt.“
Sie merkte, dass ihre Hand, mit der sie den Telefonhörer hielt, leicht zitterte. Es war das erste Mal, dass sie bei einem Fremden anrief, noch dazu im Radio, um über ihre Probleme zu reden, aber sie wusste nicht, mit wem sie sonst hätte reden sollen. Jürgen Domians Stimme beruhigte sie etwas, und als er sie fragte, worüber sie mit ihm sprechen wolle, erzählte sie ihm die ganze Geschichte. Sie fing an mit der Tatsache, dass sie sauer wurde, wenn Felix zu spät nach Hause kam, berichtete dann von ihrer unsinnigen Drohung und dem vergangenen Wochenende, an dem sie diese Androhung wahr gemacht hatte. Und sie endete mit ihrem unerklärlichen Ausraster am Ende der Nacht, den sie sich bis jetzt noch nicht erklären konnte. Domian hörte ihr aufmerksam zu, und als sie geendet hatte, fragte er ruhig: „Um das noch mal besser zu verstehen: du hast das Gefühl, es hätte zwischen dir und diesem Jungen heftig geknistert, aber als er dir dann zu nahe kam, setzte bei dir eine Sicherung aus, und du hast ihn geschlagen?“
Leider ja, gab Ramona zu, sie war sich inzwischen sicher, dass sie auf dem besten Wege gewesen war, sich in René zu verlieben, nur verstand sie nicht, warum sie dann aggressiv geworden war.
„Und jetzt komme ich mir vor wie eine hysterische Alte, mein Sohn redet kein Wort mehr mit mir, und ich ärgere mich über das, was ich gemacht habe.
Noch einmal hakte Domian nach, was denn vorher genau passiert sei, wollte genau wissen, was sie für René empfunden hatte, und sie gestand sich ein, dass sie ihn auch jetzt noch äußerst anziehend fand, während sie sich auf der anderen Seite auch sagte, dass sie sich auf gar keinen Fall in einen Jungen verlieben durfte, der fast zwanzig Jahre jünger und noch dazu ein Freund ihres Sohnes war.
„Es war einfach so, dass ich mich an meine Jugend erinnert habe“, fuhr sie fort, „ich habe mich wieder jung gefühlt, hatte zuerst das Gefühl, die letzten Jahre etwas verpasst zu haben, und es hat mir geschmeichelt, dass René unser Altersunterschied völlig egal zu sein schien...“
Doch es war nicht nur das, wollte sie noch ausführen, es war auch die unwirkliche Atmosphäre und René selbst, der sie verzaubert hatte, und dann all diese Gedanken, die auf sie eingeströmt waren, die Erinnerungen an ihre Ehe, das Wissen, dass ihr Leben zuvor anders, besser gewesen war.
„Hat dieser junge Mann dich vielleicht auch an deinen Ehemann erinnert“, forschte Domian weiter, „zu jener Zeit, bevor die Streitigkeiten zwischen euch angefangen haben?“
Auch, wenn Ramona es ungern zugab, aber das war tatsächlich der Fall, sie hatte sich in der Disco ähnlich gefühlt wie damals als sie Felix Vater kennen gelernt hatte, Renés Augen hatten sie sogar an seine erinnert. Und wenn sie weiter darüber nachdachte, konnte es sein, dass genau dies der Grund für ihr Verhalten war. In ihrem Kopf war ihr Leben wie ein Film abgelaufen, vieles, was sie längst verdrängt hatte, kam wieder hoch, und nicht nur die positiven Dinge. Als René sie berührt hatte, waren ihr Erinnerungen gekommen, wenn sie mit Felix Vater intimer geworden war, an den Sex mit ihm und an all das, was sie damals durchgemacht hatte.
„Weißt du“, flüsterte sie mit gebrochener Stimme ins Telefon, „mein Mann wollte damals den Schein nach außen wahren, gaukelte sich selbst eine heile Welt vor, und wenn ich nicht mit ihm schlafen wollte, weil ich nichts mehr für ihn empfand, wurde er oft grob und hat sich genommen, was er wollte.“
Sie brach ab, denn das Sprechen fiel ihr schwer, und das Zittern, das vorhin nur aufgrund ihrer Nervosität aufgetreten war, hatte jetzt viel tiefere Ursachen.
„Hast du jemals mit jemandem darüber gesprochen, was damals passiert ist?“, fragte Domian besänftigend.
Nein, das hatte sie nicht, wem hätte sie es denn erzählen sollen? Hätte sie Felix vielleicht sagen sollen, dass er nicht aus Liebe, sondern unter Qualen gezeugt worden war? Hätte sie das alles noch einmal aufrollen sollen, wo sie doch froh war, als es endlich vorbei war?
Domian glaubte, sie habe die unterdrückten Gefühle, die sie für ihren Exmann empfand in dem Moment auf der Tanzfläche auf René projiziert, und das könne der Grund für ihr Ausrasten sein. Er bot ihr ein Gespräch mit seinem Psychologen an, was Ramona jedoch ablehnte, riet ihr dann aber, dringend mit jemandem über die Sache zu sprechen. Sie solle sich jetzt auf keinen Fall in sich zurückziehen, meinte er, vielleicht doch ernsthaft und ehrlich mit Felix über alles reden, denn er sei alt genug. Und wenn ihre Gefühle für René echt waren, und nicht nur aus dem Augenblick entsprangen, dann sollte sie auch mit ihm noch einmal ein Gespräch führen und doch bitte zu ihren Gefühlen stehen.
Ramona bedankte sich für den Rat, schluckte einmal schwer, dann versprach sie, es wenigstens zu versuchen, verabschiedete sich und legte den Hörer auf.
 
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Kommentare  

Und wieder mal auf eine tolle, und wohl auch schon etwas ältere Geschichte gestoßen.
Gefällt mir aber dennoch sehr gut.


Tis-Anariel (29.02.2012)

Spannend! Allerdings hätte während des letzten Gesprächs mit D. ein innerer Monolog gut gepasst. Ramonas Aha- Erlebnis halt, das man als Leser miterlebt. So wie du es geschrieben hast ist das Ende, hm, so aufgesetzt, und nicht so mitreißend wie die storie davor. Trotzdem 5 Points!

Karamba Karacho (21.01.2007)

toll rübergebracht und auch die innere darstellung von ramona ist dir gelungen *Lob* gefällt mir :)

*Becci* (25.04.2003)

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