214


21 Seiten

Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 17, 18 u. 19

Romane/Serien · Spannendes
© Palifin
Kapitel 17

Sieben Wochen später brauste bei herrlichem, nachmittäglichen Sonnenschein ein klappriger, verstaubter Mercedes die holperigen, schmalen Straßen und Wege entlang. Die Zäune waren zum Teil niedergerissen, nur wenige Kühe und einige Ziegen grasten auf den von Butterblumen und Gänseblümchen übersäten Wiesen. Hier und da sah man auch vereinzelt Campingzelte, aus denen dünner Rauch empor kringelte. Die Sandwege staubten mächtig, denn es hatte seit einiger Zeit nicht mehr geregnet, während der Wagen an den halb verrotteten Häusern, Stallungen, Garagen und Hütten vorbei kurvte.
Wildhühner flatterten auf, als der Mercedes schließlich vor dem einzigen Haus in dieser Gegend, das noch einigermaßen gut im Stande zu sein schien, zum Halten kam. Der etwas liederlich angezogene Chauffeur stieg mit umständlichem Gehabe aus und lief zögernd die alten, steinernen Treppen des Hauses empor.
Er klingelte und schon öffnete eine schlanke, junge Frau mit langen, blonden Zöpfen die Tür und begrüßte ihn überrascht. Nach einem kurzen Gespräch rief sie einen Namen in den dunklen Flur des geräumigen Fachwerkhauses. Der Chauffeur brauchte nicht lange zu warten, denn sofort zeigte sich ein junger, hoch aufgeschossener Mann im Eingang, der ihn neugierig und etwas skeptisch musterte.
Das Mädchen unterbreitete ihrem dunkelhaarigen Bekannten in knappen Worten und schwungvollen Gesten das Anliegen des Besuchers und so nickte George schließlich dem Chauffeur Gün-ther Arendts freundlich zu und gemeinsam mit Gesine führte er den etwas korpulenten Mann zunächst in den Flur und nach wei-teren, kritischen Befragungen hinab in den Keller.
Der Chauffeur musste sich bücken und schmal machen, um durch die Tür des bunten Küchenschrankes zu klettern und dann durch eine weitere in den von Hand betriebenen Fahrstuhl zu gelangen. Er seufzte erleichtert, als es endlich hinab ging in das ehemalige Kohlebergwerk, welches die Maden als gemütliche Wohnanlage ausgebaut hatten. Hoffentlich würde er das alles bald hinter sich haben, denn er litt unter Platzangst, wenn es allzu tief hinab ging, aber was tat man nicht alles für Günther Arendt.
Wenig später fand der Chauffeur die Gesuchte, welche er noch heute zu seinem Chef bringen sollte, in einem kleinen, nur von einer einzigen Glühlampe beleuchteten Raum. Die schlanke, dunkelhaarige Frau trug zu seiner Überraschung ein Baby in den Armen, lief damit auf und ab und war wohl gerade dabei, es in den Schlaf zu wiegen.
Leider hatte er die Tür aufgerissen, ohne vorher anzuklopfen und so war Margrit vor Schreck zusammen gefahren und hatte dadurch Irmchen geweckt. Die Kleine schrie auch sofort herzerweichend und Margrit funkelnde Augen hefteten sich deshalb auf den für diese schrecklichen Zeiten ziemlich unpassend gekleideten Herrn.
„Äh ... tschuldigung!“, stammelte dieser betroffen, was aller-dings im lauten Geschrei Irmchens unterging.
„Wie bitte?“, hakte Margrit deshalb nach und das konnte man hören, da Irmchen gerade ein Bäuerchen machte und somit für einen Moment Stille eingetreten war.
Der Chauffeur räusperte sich vorsichtig. „Entschuldigen Sie mein stürmisches Eindringen aber ...“
„Wer sind Sie?“, fiel ihm Margrit jetzt einfach ins Wort. Sie klopfte dabei der Kleinen beruhigend auf den Rücken. Ver-dammt, sie hatte eigentlich gar keine gute Ader für Babys, aber Renate war nun mal nicht da.
„Ach so, ja“, ächzte der Chauffeur abermals betreten. „Wie unhöflich von mir.“ Er deutete rasch eine Verbeugung an. „Norbert Kühne, mein Name!“, stellte er sich vor und dann klär-te er Margrit über den Grund seines Kommens auf.
Als er geendet hatte knurrte Margrit verdrießlich: „Soso, Gün-ther Arendt will mich also sprechen! Das ist wirklich sehr inte-ressant, dass er das überhaupt wagt“, Margrit brach ab, um Atem zu holen, denn allzu heftig war plötzlich ihr Herzschlag gewor-den, „nach alledem, was er mir angetan hat!“, setzte sie hinzu und plötzlich hatte sie Mühe, die Tränen zurück zu halten.
„Wieso? Ich verstehe nicht recht!“, ächzte der Chauffeur konsterniert.
„Sie scheinen nicht Bescheid zu wissen!“, zischelte Margrit, lief dabei wieder mit dem Kind auf und ab, dem allmählich die Augen immer kleiner wurden.
„Allerdings!“, knurrte der Chauffeur nun auch etwas ungehal-ten.
„Nun, vor etwa vier Wochen schickte Günther Arendt den Anführer der Spinnen hierher.“
„Kenne ich, das ist der Mike!“, erklärte der Chauffeur und grinste, denn er mochte die Spinnen ziemlich gerne.
„Mike hat dann auch sofort meine Kinder entdeckt. Irgendje-mand muss Günther Arendt informiert haben!“ Irmchen war jetzt eingeschlafen und Margrit blieb deshalb stehen.
„Ach, hatten Sie etwa hier ihre Kinder versteckt?“, warf der Chauffeur verdutzt ein, dann schüttelte er fassungslos den Kopf. „Da brauchen Sie sich nicht großartig zu empören. Kinder in unseren Organisationen sind nun wirklich nicht erlaubt!“
„Bei den Spinnen schon!“
„Das mag sein!“
„Aber ich hatte für den Aufenthalt meiner Kinder bezahlt!“ Margrit wischte sich mit der freien Hand eine Träne aus dem Augenwinkel.
„Ich glaube nicht, dass sich unser Oberhaupt bestechen lässt!“, entgegnete der Chauffeur jetzt in ziemlich scharfem Tonfall. Doch dann wurde seine Stimme gleich wieder freundlicher, denn eigentlich hatte Günther Arendt von ihm verlangt, sich bei Margrit irgendwie einzuschmeicheln. „Aber Sie machen mich neugierig. Wie ist denn diese Geschichte ausgegangen?“, setzte er interessiert hinzu.
„Glücklicherweise war George gerade zugegen gewesen und hatte sich schützend vor die Kleinen stellen können. Er hatte Mike erklärt, dass er die Kinder sofort zu meiner Mutter bringen würde, wenn Mike sie in Frieden ließe!“
„Und?“
„Wollte Mike natürlich nicht ... ach George, erzählst du den Rest bitte?“ Margrit legte das Kind, das nun fest eingeschlafen war, behutsam in einen Korb, welcher auf dem Boden in einer ruhigen Ecke der kleinen Kammer stand.
Der Chauffeur unterdrückte einen Seufzer, denn eigentlich wollte er so schnell wie möglich aus diesen unterirdischen Tunneln verschwinden, und wendete sich George mit scheinbar aufmerksamer Miene zu.
„Okay!“, begann George. „Na ja, das Ganze war im Grunde gar nicht so schlimm!“
Abermals seufzte der Chauffeur unauffällig.
„Jetzt untertreib bitte nicht George!“ Margrit putzte sich gründlich die Nase mit Taschentuch, das sie gerade hervorgeholt hatte.
„Nun, es kam dabei zu einem kleinen Kampf“, erklärte Geor-ge unwillig, „bei dem Mike unterlag!“
„Kleiner Kampf, hehe ... typisch George!“, kicherte Gesine.
„Und warum erzählst du ihm nicht die Sache mit dem Messer?“, fauchte Margrit. „Mike hatte plötzlich sein Messer gezogen, der hinterhältige Mistkerl, obwohl es verboten ist, untereinander mit Waffen zu kämpfen.“
„Nun mal ruhig Blut, ja?“, fiel ihr der Chauffeur ins Wort.
„Margrit hat aber Recht!“, bestätigte Gesine ebenso aufgeregt. „Mike hätte dich mit diesem Messer echt verletzen können, George!“
George grinste schief. „Ja und? Hat der doch nicht geschafft! So ist Mike nun mal, kann eben nicht verlieren.“
Gesine kicherte verwirrt, hingegen schienen Margrits Augen kleine Blitze nach George zu werfen.
„Ja und?“, beantwortete der Margrits Blicke. „Jetzt hat der halt eine weitere Narbe im Gesicht. Ist mir leider passiert bei die-sem Gerangel ... tja, das hat er nun davon!“ George zuckte die breiten Schultern.
„Na, wenn die Kinder bei Ihrer Mutter sind“, meldete sich jetzt wieder der Chauffeur, „ist das wohl nicht allzu schlimm, oder? Sie können doch Ihre Kleinen jederzeit besuchen.“
„Da hat er nun wirklich Recht!“, mokierte sich Gesine.
„Aber“, Margrit schluckte, „ich sehe die Kinder jetzt nur noch gelegentlich, weil ich hier so viel zu tun habe und sie fehlen mir halt!“, setzte sie richtig trotzig hinzu.
„Entschuldige schon“, knurrte George jetzt ebenso verdrieß-lich wie Margrit, „aber du hast dich wirklich affig! Es geht doch sowohl deiner Mutter als auch deinen Kindern wirklich nicht schlecht! Habe neulich sogar von dir vernommen, dass sich Muttsch inzwischen eigenhändig Fleisch zu erjagen versteht.“
Margrit runzelte nun erst recht die Stirn. „Das ist es ja gerade, was ich nicht begreifen kann. Seit wann ist Muttsch mit ihren schlechten Augen dazu fähig, sich Wild zu schießen? Und wie macht sie das Anschleichen mit ihren alten Knochen? Beim letzten Besuch ist mir sogar Munk untreu geworden. Der wohnt jetzt wegen der vielen Fleischreste ebenfalls bei Muttsch.“
„Wer ist denn hier Munk?“, erkundigte sich der Chauffeur verdutzt.
„Nur eine Katze!“, erklärte Gesine kichernd.
„Ein Kater!“, verbesserte sie George.
„Etwa dieses total verjüngte Geschöpf?“ Der Chauffeur konnte nun auch ein kleines Schmunzeln kaum unterdrücken. „Aber, was ist denn an der ganzen Sache so tragisch?“
„Ach, Muttsch und die Kinder tun immer so geheimnisvoll“, jammerte Margrit. „Wenn ich sie irgendetwas frage, ist aus ihnen keine vernünftige Antwort heraus zu bekommen!“ Margrit wischte abermals an ihren Augen herum. „Das ist doch alles irgendwie verrückt! Ich sage euch, hier kommt man noch wegen der verrückten Hajeps restlos durcheinander!“
George und Gesine konnten Margrit noch immer nicht zustimmen, dafür aber der Chauffeur. „Nun, eben wegen dieser hochgefährlichen Hajeps schickt mich Günther Arendt zu ihnen, liebe Marina.“
„Margrit“, verbesserte sie ihn und schnäuzte nochmals in ihr Taschentuch. „Was will er denn von mir?“
„Es geht um ihre letzte Begegnung mit Hajeps, insbesondere um Munjafkurin und Warabaku, dem Offizier einer uns bekannten Einheit, die wir im Fachjargon mit H-1 bezeichnen!“, brachte der Chauffeur ziemlich aufgeregt hervor.
„Gesine, hast du wieder alles herum erzählt?“, fauchte Margrit. „Also wirklich, manchmal hasse ich das richtig!“
Gesine senkte ein bisschen verlegen den Kopf.
„Nehmen Sie doch Gesine mit“, schmetterte Margrit zornesrot hervor, „die plaudert anscheinend so gern!“
„Das haben wir bereits getan! Aber nun sind Sie an der Reihe!“
„An der Reihe!“, äffte Margrit ihn spöttisch nach. „Ich weiß gar nicht, was ihr habt. Günther Arendt hat doch so viele Menschen nach Zarakuma geschickt, die dürften inzwischen einen immensen Berg an Wissen über die Hajeps an unsere Wissenschaftler weitergereicht haben.“
„Es war zwar viel, aber leider nur Unbedeutendes, und das nutzt uns so gut wie nichts!“
„Tja, schlau sind sie eben, die Hajeps! Und was nun?“
„Eher tückisch! Kommen Sie mit! Es geht um unser Volk!“
„Soso, es geht schon wieder um unser Volk!“, knurrte Marg-rit. „Das sind eigentlich immer die typischen Worte, die unser werter Kanzler verwendet, wenn er erreichen will, dass ich mich doch noch dazu durchringe, nach Zarakuma zu gehen.“ Margrits lebhafte Augen blitzten den Chauffeur feindlich an. „Wenn er so etwas vorhaben sollte, sage ich Ihnen gleich, dass Sie es sich sparen können, mich mitzunehmen, denn ich bin nicht lebensmüde!“
„Nein, nein, dergleichen verlangt Herr Arendt natürlich nicht von Ihnen“, wehrte er aufgeregt ab. „Es dreht sich wirklich nur um eine Auskunft. Na ja, so ganz genau weiß ich das natürlich nicht“, räumte er ein. „Wer kennt schon die Pläne unseres Be-fehlshabers!“
„Werde ich auch pünktlich wieder zurück gebracht?“, fragte Margrit skeptisch. „Denn George und ich wollten noch einige Besorgungen machen, bevor es dunkel wird.“
„Margrit, sei nicht so frech“, knurrte George jetzt echt verär-gert. „Günther Arendt ist unser Oberhaupt. Du verdankst ihm deinen Aufenthalt hier und wenn er von dir verlangt, dass du umgehend bei ihm zu erscheinen hast, dann ist das wie ein Be-fehl, dem du Folge zu leisten hast. Die Besorgungen mache ich schon alleine und Sie, mein werter ... wie war doch gleich ihr Name?“
„Könnt mich ruhig beim Vornahmen nennen, so wie alle. Ich bin der Norbert!“
„Also, Norbert, du brauchst Margrit nicht zurück zu bringen. Ich hole sie ab, ist für mich ein Abwasch sozusagen!“
„Na schön, wenn ihr euch so einig seid, was ihr mit mir machen wollt, werde ich wohl gehorchen!“ Margrit beugte sich noch einmal zärtlich zu Irmchen hinab. „Artig sein ohne mich!“, wis-perte sie.
„Das wird sie ganz bestimmt!“, bemerkte Gesine. „Weil ich immer nach ihr schauen werde.“
„Du Drückebergern, solltest du nicht dem Nölke beim Verziehen junger Salatpflänzchen helfen?“ Margrit zwinkerte Gesine zu, doch die schaute schnell weg. Margrit seufzte und deckte das Kind mit einer weichen Decke zu, die sie an den Zipfeln und am Korb festband, damit sich Irmchen nichts über den Kopf ziehen konnte.
„Gock, gooock, gock, du Glugge!“, machte Gesine und bewegte dabei ihre Finger, als wären sie ein Schnabel. „Weißt du was? Das, was ich mache, geht dich einen feuchten Schmutz an! Sei lieber froh, dass ich hier bin!“
Margrit überhörte Gesine einfach. „Es wird aber nur ein kurzes Gespräch sein“, wandte sich sie sich stattdessen wieder an den Chauffeur und machte dabei leise die Tür hinter sich zu, „und es wird nicht viel dabei herauskommen!“
„Und wenn nicht viel dabei herauskommt, so wird es vielleicht mehr sein, als wir erwarten!“, meinte der Chauffeur leise.

Kapitel 18

Nach einer etwa einstündigen Fahrt war Margrit da. Es war ein wunderschönes Rathaus, vor dem sie hielten, da dieses alte Ge-bäude mitten in Kitzingen noch völlig unbeschädigt war, ebenso sämtliche anderen Häuser in dieser herrlichen Stadt. Margrit at-mete auf, denn das war für sie ein völlig überraschender, neuer Anblick. Wenn man hier so stand, mitten auf dem großen Platz, umgeben von kostbaren Säulen und Skulpturen, konnte man meinen, es gäbe keine Hajeps, die Erde wäre nie von Außerirdischen erobert worden. Es gab auch noch viele Läden, in denen Händler für Lebensmittel Wertgegenstände eintauschten und umgekehrt. Am teuersten, so erklärte der Chauffeur, wäre Treibstoff, denn die Versorgung mit dem, was in den Tanks in den verlassenen Städten und Dörfern übrig geblieben war, wäre durch die stark zerstörten Straßen ziemlich aufwändig. Die Anlagen der Sonnen- und Windenergie, soweit sie nicht zerstört wor-den waren, würden lediglich einen Großteil des Strombedarfes für die Haushalte decken, waren aber für Elektrofahrzeuge zu kostbar. Die Fabriken für die Produktion von Wasserstoff für die Brennstoffzellen waren alle dem Erdboden gleich gemacht worden, sodass die einzige Antriebsalternative Fahrzeuge mit Solarzellen waren, deren Wetterabhängigkeit und kurzen Reichweiten die Verwendung stark einschränkten.
Dann beklagte er, dass sein Handy nicht mehr richtig funktio-nieren würde. Es hätte zeitweilige Ausraster und niemand war in der Lage es zu reparieren. Der Arbeitswille der Menschen war durch die ständige Angst gelähmt, denn niemand wusste, ob er das, was er gesät hatte, auch ernten würde. Die Zahl der unge-pflügten Äcker, verwahrloster, verlassener Häuser und herumlie-gender Müll, der trotz der jetzt friedlichen Zeiten dem Betrachter ein beklemmendes Bild bot, wurde immer mehr. Hier aber, vor und im Rathaus, war es noch schön. Zwar war der Fahrstuhl defekt, aber die Treppen waren mit Teppichen belegt und fast alle Lampen funktionierten noch.
Margrit keuchte ein wenig, als sie endlich in der obersten Eta-ge angelangt war. Kaum, dass sie geklopft hatte, wurde die Tür auch schon aufgerissen und Günther Arendt begrüßte Margrit überschwänglich, indem er beide Arme ausbreitete und die schlanke Gestalt an sich drückte. „Ach, Margrit, Sie glauben ja gar nicht, welch ein Felsbrocken mir vom Herzen gefallen ist, weil ich Sie endlich vor mir stehen sehe!“
Mit einer knappen Handbewegung forderte er sie auf, ihm ge-genüber am großen Schreibtisch in einem der tiefen Sessel Platz zu nehmen, und er bot ihr sogar eine der kostbaren Zigaretten an. Margrit lehnte dankend ab, ließ sich aber wohlig in den Sessel zurückfallen und ihr Blick wanderte staunend durch den von großen Fenstern lichtdurchfluteten Salon.
„Das ist gar nichts gegenüber dem unvorstellbaren Prunk der Hajeps!“, wehrte der Bundeskanzler bescheiden ab und lachte verkrampft. Er schien sich etwas unbehaglich zu fühlen. Margrit wusste, dass in der Nähe Zarakumas etliche Städte noch völlig unversehrt waren und dass Günther Arendt diese Städte besuchte und den Menschen auf diese Weise bewies, dass sie noch ein Oberhaupt hatten, an welches sie glauben konnten.
Er faltete ein wenig linkisch seine Hände über dem blankpo-lierten Tisch, stützte sein Kinn darauf und begann dann vorsich-tig: „Sie werden sich vielleicht wundern, weshalb ich Sie so eilig herbestellt habe ...“
„Allerdings!“, erwiderte sie knapp, denn sie war ihm eigentlich noch immer ein bisschen gram.
„Nun, ich bin nicht zufrieden, überhaupt nicht mit dem zu-frieden, was sich in letzter Zeit so alles ereignet hat!“, begann Günther Arendt leise. „Auf der einen Seite sieht es zwar noch immer recht gut für uns aus, auf der anderen aber ganz und gar nicht! Nur ein kleines Beispiel dafür: Die Hajeps schweigen plötzlich, keinerlei Nachrichten! Verstehen Sie das? Ich meine, das ist doch irgendwie nicht normal!“
„Da bin ich ganz ihrer Meinung!“ Sie lehnte sich vorsichtig in dem weichen Sessel zurück. Welch ein herrliches, fast vergesse-nes Gefühl nach all diesen Jahren.
„Sehen Sie, Margrit, ich frage Sie“, er brach ab, strich sich ziemlich nervös das strähnige Haar aus der gelichteten Stirn, ehe er weiter sprach, „kann man einem Hajep trauen?“
Sie schaute, noch immer ein wenig abgelenkt, in sein Gesicht, das ihr erstaunlicherweise nicht nur blass, sondern auch ziemlich unausgeschlafen erschien. „Nein!“, sagte sie stirnrunzelnd.
„Das war eine klare Antwort und die ist für mich sehr wichtig“, erklärte er. „Zwar sieht für den Normalbürger noch immer alles friedlich aus, jedoch, ist es nicht direkt unnatürlich fried-lich?“
„Weiß nicht.“ Sie löste ihre Augen von den herrlichen Mustern der Zimmerdecke.
„Die Hajeps haben den Überfall durch Loteken auf Zarakuma so locker weggesteckt als wäre nichts gewesen. Außerdem haben sich die Loteken noch immer nicht völlig aus den hajeptischen Gebieten verzogen, verhalten sich aber still. Nach wie vor schi-cken wir Menschen nach Zarakuma, die noch immer reich beschenkt heimkehren. Es hat kein größeres Gefecht mehr gegeben. Das alles dürfte uns doch eigentlich gefallen!“ Der Kanzler ließ sich mit melancholischem Blick ebenfalls in seinen Sessel zurückfallen. „Natürlich bin ich in gewisser Weise froh, dass die Menschheit für ein Weilchen Ruhe vor den furchtbaren Attacken der Hajeps hat, denn jeder Tag zählt, den wir leben können, doch wie geht es weiter?“
„Wieso fragen Sie sich das plötzlich?“
„Na, diese außerirdischen Biester planen doch irgendetwas!“, sagte er mit herabhängenden Mundwinkeln. „Es ist alles viel zu ruhig, wissen Sie.“ Er beleckte sich die trockenen Lippen. „Das Ganze ähnelt auffallend der Ruhe vor einem Sturm!“ Er holte tief Atem. „Ich sage ihnen: Dieser Agol schätzt Überraschungen! Der holt ganz plötzlich aus und gibt nicht nur den Loteken und Jisken eine saftige Ohrfeige, wir Menschen bekommen dabei auch eine, die wir allerdings nicht mehr überleben, denn er will uns ausrotten!“
„Uns Menschen auch?“ Ihr Herz krampfte sich zusammen und sie fuhr mit dem Oberkörper hoch. „Weshalb? Wir haben uns doch weder mit Jisken noch mit den Loteken verbrüdert, nicht mal entflohene Sklaven haben wir bei uns versteckt! Welche Anzeichen gibt es dafür?“, fragte sie fassungslos.
Der Bundeskanzler richtete sich ebenfalls wieder auf, lehnte sich weit über den Schreibtisch zu Margrit hinüber und sah ihr trostlos in die Augen. „Manchmal denke ich: Günther, das alles, was du weißt und was außer dir nur ganz wenige wissen, hältst du bald nicht mehr aus, das wird dich eines Tages zerreißen! Tja, es gibt bereits Anzeichen dafür, Margrit!“, sagte er, plötzlich wieder sehr leise und kleine Schweißperlen traten auf seine Stirn.
„Na“, Margrit streichelte beruhigend seine Hand, die jetzt ei-nen Kugelschreiber ergriffen hatte und lauter kleine, fahrige Striche auf dem oberen Rand eines Ordners malte, „was haben Sie denn auf einmal?“ Aber er malte einfach weiter und schwieg beharrlich.
„Na los“, flüsterte sie sanft, „rücken Sie endlich raus damit! Das wird mich schon nicht umhauen!“ Sie dachte scharf nach und brachte dann stockend hervor: „Ist vielleicht inzwischen ... irgendetwas Furchtbares mit den Menschen, die Sie nach Zara-kuma geschickt haben, passiert?“ Sie merkte, dass ihr dabei wieder dieser schreckliche Kloß im Hals saß, und schon hatte sie wieder die furchtbaren Bilder Mariannas vor Augen.
Günther Arendt schaute Margrit immer noch nicht an, als er langsam und zögerlich nickte. „Die hajeptischen Wissenschaft-ler“, keuchte er, während er die Striche sorgfältig in große Kringel verwandelte, „meinen, inzwischen endgültig erkannt zu haben, dass die Gene unserer Spezies sich absolut nicht mit denen der Hajeps verbinden lassen. Ihre ganze Mühe, die vielen Versuche und Tests waren also vergeblich!“
„Ja und?“, rief Margrit noch immer irritiert. „Das wissen wir doch längst und das ist noch lange kein Grund, Menschen“, sie hielt inne, versuchte dabei vergeblich, diesen schrecklichen Kloß herunterzuschlucken, „die friedlich nach Zarakuma kommen, schlecht zu behandeln!“ Ihr Herz schlug plötzlich wieder wie rasend. „Was ist denn mit diesen Leuten passiert?“
Seine Hand hielt endlich still, der Kugelschreiber fiel klap-pernd aus den schlaff gewordenen Fingern und rollte vom Tisch. Das kümmerte den Skorpion wenig, er ließ sich wieder in den Sessel zurückfallen. Völlig in sich zusammengesunken begann er endlich mit kaum hörbarer Stimme: „Margrit, ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, dass sich die Hajeps dazu bekennen, kaum Gefühle zu haben.“
„Doch, das ist mir bekannt!“, entfuhr es ihr ebenso luftknapp. „Aber was hat das mit uns zu tun?“
„Aha, es ist schon mal gut, dass Sie das wissen.“ Er atmete tief durch. „George hatte mir das neulich so erklärt: Sie spüren nur sehr starke Reize und scheinen daher neidisch auf andere Völker zu sein, weil sich die noch an Dingen zu erfreuen vermö-gen, welche die Hajeps als langweilig und eintönig abgetan ha-ben. Phantasie zum Beispiel oder etwa die Freude über die Schönheit der Pflanzen und Tiere, das Entspannen bei lieblicher Musik, das alles ist ihnen fremd. Hingegen harte Rhythmen, laute, schrille Töne, grelle Farben, scharfe Speisen, massiv ausgelebter Zorn, lassen sie erst spüren, dass sie leben.“ Der Kanzler schwieg für einen Moment und faltete die Hände in seinem Schoß. „Und nun dürfen Sie raten, wie die Außerirdischen letzte Woche mit den Menschen, die nach Zarakuma kamen, umgegangen sind.“
Margrits Augen weiteten sich, ehe ihre Lippen die schrecklichen Worte formen konnten: „Begegneten sie ihnen etwa mit grundlosem Hass?“
„Nun, als grundlos sehen die Hajeps ihren Hass wohl nicht an. Außerdem hielten sie noch nie viel von den Menschen und nun haben wir auch noch versagt, weil wir ihnen bei der Züchtung neuer Kreaturen mit unseren Genen nicht helfen konnten.“
„Nein“, krächzte Margrit fassungslos, „es sind doch erst unge-fähr sieben Wochen vergangen, seit ich Munjafkurin und diesem Wara ... na ... Dings begegnet bin. Damals haben die noch dar-über debattiert, dass einige Hajeps und Hajepas sich nicht damit abfinden wollen, ihre Menschenpartner für nur drei Tage haben zu dürfen.“
„Dieser Offizier von H1 heißt übrigens Warabaku und das, was Sie da sagten, mag es auch heute noch geben, aber die Meisten dieses merkwürdigen Volkes sind der Lumantis inzwischen überdrüssig geworden. Margrit“, krächzte er, „erst haben uns die Hajeps unseren Lebensraum genommen, dann unsere Technik, dann unsere Infrastruktur und nun auch noch unseren Stolz!“
„Stolz? Wieso Stolz? Was meinen sie damit?“, ächzte Margrit verwirrt.
„Es ist inzwischen schon eine große Ehre, Menschen für nur noch einen Tag nach Zarakuma schicken zu dürfen!“
„Was? Aber Sie schicken doch niemanden mehr dort hin, oder?“, ächzte sie verzweifelt.
Er schien nach Worten zu suchen und dabei irgendwie mit den Tränen zu kämpfen. „Doch, das tue ich, Margrit!“, sagte er endlich.
Sie schluckte, aber dann wurde sie wütend. „Also, das kann ich einfach nicht begreifen!“, fauchte sie. „Warum machen Sie denn so etwas? Ganz im Gegenteil sollten die Menschen künftig gewarnt werden! Dann hätten Sie und Ihre Leute auch endlich ihren Seelenfrieden und ...“
Da begann der Kanzler plötzlich wie ein Wahnsinniger laut und schrill zu lachen. Die mühsam zurück gehaltenen Tränen ließen sich nicht mehr aufhalten und liefen ihm über das erschöpfte, ausgemergelte Gesicht. Er nahm die Brille ab und verstohlen wischte er sie sich von den Wangen und rang nach Luft. „Oh Margrit, Ihre Bemerkungen sind manchmal wirklich zu köstlich!“ Der Bundeskanzler räusperte sich energisch und sah sie nun finster und zornig an.
„Inzwischen müssen wir immer wieder Menschen nach Zarakuma schicken, sonst ist es mit der gesamten Menschheit aus!“
„Wer sagt das?“
„Die Obrigkeit Zarakumas! Sie drohen uns und das können sie sehr gut, weil sie die besseren Waffen haben.“
„Ein Menschenopfer an die Hajeps also?“
Günther Arendt nickte verzweifelt.
Margrit wollte wütend von ihm abrücken, doch der Sessel war zu schwer, verhakte sich leider im Teppich.
„Was sollte ich denn sonst machen?“, ächzte er und ließ die Arme schlaff zu beiden Seiten seines Sessels baumeln. „Es ist so furchtbar, wehe es gelingt diesen Menschen nicht, unserem Feind Freude zu bereiten, dann sind sie verloren!“ Er vergrub sein er-hitztes Gesicht für einen Moment in seinen großen Händen und fuhr sich dann mit einer fahrigen Geste wieder über Stirn und Haar. „Was habe ich inzwischen schon für entsetzlich zugerich-tete Menschen gesehen und mit ihnen sprechen müssen.“ Seine Augen flackerten merkwürdig und die Lider schimmerten abermals feucht. „Die meisten sterben“, krächzte er, „kaum, dass man sie auf einer Bahre von Zarakuma abgeholt und zu mir gebracht hat.“ Er schluchzte nun wie ein Kind hinter seiner vor dem Mund gehaltenen Hand. „Die Augen dieser Menschen, ich werde nie vergessen, wie sie mich ansahen. Margrit, ich habe sehr wohl ein Gewissen, denn ich fühle mich wie ein Verbrecher und alles kam so plötzlich, ich hatte nicht mit solch einer Wandlung unseres Feindes gerechnet, aber ich hätte es mir denken sollen!“ Er lehnte den Kopf nach hinten, blickte starr zur Decke, die Hände zu Fäusten geballt und versuchte sich so zu beruhigen.
Margrit bemühte sich ebenfalls, die Fassung zu behalten, aber irgendetwas in ihrem Magen rumorte unangenehm.
„Was ist mit Oworlotep?“, fragte sie schließlich.
„Oworlotep, Oworlotep!“, brabbelte er und fuhr mit dem Oberkörper hoch. Er setzte sich die Brille wieder auf und blickte drein wie ein zorniger Junge. „Was haben Sie bloß mit dem! Ich weiß nur, dass er erst kürzlich in Würzburg Begadam begegnet ist und den sofort eigenhändig aufgeknüpft hat.“
„Begadam?“, wiederholte Margrit erstaunt. „Er hat sich also den engsten Vertrauten Chiunatras geschnappt und gleich an Ort und Stelle er ... erhängt?“
„Richtig, mitten in der Nacht und recht dekorativ! Begadam soll am nächsten Morgen irgendwie lustig ausgesehen haben, wie er da so baumelte. So haben mir das jedenfalls Mike und Jonas geschildert.“
„Furchtbar“, ächzte Margrit fassungslos. „Oworlotep ist wirk-lich der reinste Wüterich! Das hat er bestimmt aus Rache ge-macht, weil Chiunatra mit Begadam und Gulmur durch diesen Anschlag in Zarakuma so viele Gefangene befreien konnten. Aber vielleicht war das nicht Oworlotep, der Begadam so einfach ...“
„Sämtliche Gefangenen konnten sie übrigens nicht befreien. Die anderen waren nämlich in einem Gefängnistrakt tief unter der Erde eingesperrt, was weder Chiunatra noch Begadam gewusst hatten, aber warum reden sie sich Oworlotep schön, Margrit?“ Günther Arendt lehnte sich wieder über den Schreibtisch. „Stört es Sie etwa, dass er eine reißende Bestie sein könnte? Oworlotep scheint eine höchst gefährliche Kreatur zu sein und großen Einfluss in den hajeptischen Armeen zu haben, das sollten Sie wissen.“ Er ächzte plötzlich, denn sein Bein war eingeschlafen und er bewegte es hin und her. „Leider wissen wir noch immer nicht, welche Position er im hajeptischen Volk hat. Sie scheinen ihn zu mögen!“, setzte er plötzlich hinzu.
„Das nicht gerade, aber ...“, sie brach ab.
„Aber?“, hakte er gespannt nach.
„Ich weiß nicht, irgendwie sehe ich Hoffnung in ihm!“
„Ich denke, sie trauen keinem Hajep über den Weg? Verdammt, Margrit, Sie widersprechen sich!“ Der Kanzler kicherte plötzlich wieder hysterisch. „Ausgerechnet in Oworlotep noch irgendeine Hoffnung zu sehen, tzissis!“
„Ich kann mir das auch nicht erklären, aber ich denke … ich meine ...“
„Wenn Sie so auf Oworlotep setzen, warum sind Sie dann nie nach Zarakuma gegangen?“, donnerte er plötzlich zornig los.
Sie senkte schuldbewusst den Kopf. „Ich ... na, ja“, Margrit ruckelte unruhig in ihrem Sessel hin und her, „habe eben ir-gendwie Angst vor ihm!“
„Sehr verständlich, die hätte ich inzwischen auch“, räumte er kleinlaut ein, „denn nach allem, was ich über ihn gehört habe, scheint er einen großen Einfluss in Scolo zu haben und sogar von Pasua mehr als geduldet zu sein. Loteken und Jisken fürchten ihn gleichermaßen, denn er scheint nicht nur unberechenbar sondern auch außerordentlich gefühlskalt zu sein. Dass Sie damals ausgerechnet dem entwischen konnten, das wird ihm nicht gefallen haben!“
Sie überging seine letzte Bemerkung. „Sie meinen also, Owor-lotep ist der Agol und vielleicht auch der Oten?“, erkundigte sie sich stattdessen neugierig.
„Das will ich damit nicht gesagt haben. Neueste Nachforschungen haben gezeigt, dass Atabulaka der Oten ist.“
„Ata ... wer?“
„Atabulaka, Margrit!“
„Atabulaka!“, wiederholte Margrit verdutzt. „Wie kommt es, dass ich diesen Namen noch nie gehört habe?“
„Das ist die Absicht unseres Feindes gewesen, doch nun kommt dieser Name doch an die Öffentlichkeit. Atabulaka hatte Gerüchte verbreiten lassen, dass Oworlotep der Agol wäre, weil sich Atabulaka damit gegen Attentate schützen will!“
„Also wissen noch nicht einmal die Jisken und die Loteken, wer nun wirklich der Agol ist und Atabulaka benutzt Oworlotep sozusagen als sein Schild?“, fragte Margrit einfach weiter.
„Tja, so könnte man das sehen!“ Günther Arendt kratzte sich ein wenig linkisch hinter dem Ohr. „Wir werden uns immer sicherer, dass Atabulaka jener Oten ist, von dem so viel gespro-chen wird. Zwar hat er mehr und mehr Schwie¬rigkeiten mit den Jisken und Loteken, aber wer hätte die nicht? Deswegen sind auch die drei Montios und der Undasubo - mein Gott!“ Er sah plötzlich fragend und ratlos drein.
„Ja?“, horchte Margrit gespannt.
„Wir wissen nicht mehr, wer derzeit unser Undasubo ist! Gis-terupa ist nämlich kürzlich abgesägt worden, weil er mitgeholfen hatte, dass die Gefangenen aus Zarakuma entkamen. Jedenfalls dürfen Sie raten, wer die neuen Montios eingewiesen hat.“
„Oworlotep?“
„Mein Gott!“, schnaufte er. „Der natürlich nicht! Überall hatte Atabulaka seine Hände im Spiel und ...“
„Aber im Schlepptau hatte er Oworlotep, nicht wahr?“
Der Kanzler musste lachen und diesmal klang sein Gelächter weich und entspannt. „Sie wollen unbedingt Oworlotep als Anführer, warum?“
Margrit errötete, dann zuckte sie mit den Achseln. „Ich weiß auch nicht, aber ich hätte es irgendwie wirklich ganz gern, das muss ich zugeben! Ich würde dann der Menschheit eine Chance zum Überleben geben.“
Er starrte sie erstaunt und fassungslos an. „Aber Margrit, was wollen Sie dem dann sagen? Wollen Sie ihm sagen: hallo, da bin ich, die Margrit, und nun sorge mal dafür, dass ihr die Menschen in Frieden lasst und die Erde für immer verlasst?“ Er ließ sich wieder zurück in den Sessel fallen und lachte abermals ein Weil-chen merkwürdig vor sich hin.
„Ja, so ungefähr!“, erwiderte sie trotzdem bockig.
„Das machen Sie mal mit dem!“ Wieder nahm er die Brille ab und wischte sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln. „Wissen Sie eigentlich, dass die Hajeps sich nach den strengen Regeln eines Kastensystems richten?“ Günther Arendt lehnte die Fingerspitzen seiner beiden Hände gegeneinander. „Das Moradum besteht aus etwa sieben Kasten. Die höchste Kaste soll sich nicht auf unserer Erde aufhalten, sondern in Sinapal, der Hauptstadt Hajeptoans. Sie wird von den Hajeps ehrfürchtig Setarier genannt. Diese steht in engem Kontakt zu der zweithöchsten, der Kaste der Jastra. Von denen leben bereits einige auf unserem Planeten. Die Kaste darunter ist die der Elteks, danach kommen die Lischkos, danach erst die Pasblemer. Die Menschen, welche wir nach Zarakuma schickten, durften bisher nur mit den beiden untersten Kasten, denen der Kutmats und der Gowanus, Kontakte haben, ganz selten auch zu den Soldaten aus der Kaste der Pasblemer. Die Menschen durften sich nur in dem äußersten Ring der ersten Mauer Doska Ygons aufhalten. Es war ihnen nie erlaubt worden, in die nächsten Ringe Zarakumas zu gelangen. Gespräche wurden kaum geführt“, brabbelte er aufgebracht und seine Hand tastete nervös über den weichen Plüsch seiner Armlehne, „weil wir halt den hohen Maßstäben, nach denen die Hajeps andere Lebewesen beurteilen, in keiner Weise gerecht wurden. George hat mir das neulich so verständlich gemacht: Hajeps sehen Menschen als tierähnliche, aber dennoch instinktlose Gattung an, mit einer unkontrollierten hohen Sensibilität. Das äußert sich in einer Lebensart, die früher oder später eine große Gefahr für den gesamten Planeten Erde wird. Der Mensch denke viel zu wenig über sich selbst, über seine Umgebung und über die Zukunft nach. Dies wäre ein untrügliches Zeichen für seine gejakin - Hirnrissigkeit!“
„So eine Frechheit!“, schnaufte Margrit empört. „Aber das ist vielleicht eine von Georges verrückte Übersetzungen!“
Günther Arendt hob abwehrend die Hand. „Margrit, sagen Sie nichts gegen George. Der ist nämlich einer meiner besten Profi-ler.“
„Ach, auf einmal!“, grinste sie.
„Grinsen Sie nicht, außerdem gibt es nur noch einen, der ihm ebenbürtig ist.“
„Ach nein, und wer ist das?“ Margrit schaute sich dabei nach allen Seiten um.
Er räusperte sich fast feierlich, sah Margrit fest an und fuhr dann in sachlicher Tonlage fort. „Es ist der einzige Profiler, der bis an die Spitze der Macht kommen könnte, wenn er wollte. Margrit, ich setze auf Sie, Sie sind unsere einzige Hoffnung!“
Margrit runzelte die Stirn. „Sie fangen ja doch wieder mit die-sem Thema an und ihr Chauffeur versprach mir ...“
Günther Arendt hob abwehrend beide Hände als wolle er sich ergeben. „Nichts für ungut Margrit, war ja nur eine kleine, launi-ge Bemerkung von mir. Ich wollte nur damit andeuten, was allein Sie vollbringen könnten.“
Sie schluckte. „Und wenn ich nicht lebend wiederkäme?“
„Dann, tja, dann ...“, er zuckte hilflos mit den Schultern und seine rot umrandeten, unausgeschlafenen Augen hinter den Bril-lengläsern begannen seltsam zu glänzen. Er ließ sich zurück in den Sessel fallen, schloss die Lider, versuchte ruhiger und ausge-glichener zu atmen. „Sie könnten es aber für uns tun, Margrit! Sie könnten die Hajeps stoppen! Sie haben die einzigartige Gabe, mit ihnen in engeren Kontakt kommen zu können. Und seien sie ohne Sorge, Munjafkurin würde ihnen dabei helfen!“
„Munjafkurin?“, krächzte sie hoffnungslos.
„Sehr richtig, Munjafkurin, aber auch einige andere Hajeps wollen Sie dabei unterstützen!“
„Und woher wissen Sie das alles?“
„Wie Ihnen sicher bekannt ist, hat Gesine ein recht enges Verhältnis zu Munjafkurin.“
„Treffen die beiden sich denn immer noch?“, entfuhr es Margrit erschrocken. „Wie leichtsinnig!“
„Das ist allein Gesines und Munjafkurins Sache. Jedenfalls bot ich Gesine an, wenn sie mir alles über Munjafkurin erzählt, würde ich ihr das Stück von Danox wieder geben.“ Günther Arendt stellte nun so ganz nebenbei zu Margrits Verwunderung ein kleines, sonderbares Behältnis vor sich auf den Schreibtisch, welches Margrit irgendwie bekannt vorkam. „Sie haben gehört - Danox!“, wiederholte er dabei etwas energischer. „Der kleine Roboter ist jetzt leider zerbrochen und ich müsste Ihnen eigent-lich böse sein, dass Sie ihn mir damals nicht gleich gegeben ha-ben, als er noch völlig unbeschädigt gewesen war.“ Er drehte und wendete dabei das sonderbare Fläschchen im Licht hin und her und die Flüssigkeit darin änderte, je nachdem wie das Tagelicht darauf fiel, seine Farbe.
Margrit war überrascht, also hatte irgendjemand Günther Arendt alles über Danox erzählt. Sie konnte sich schon denken, wer das gewesen war und bemühte sich, Günther Arendts Rüge zu überhören. Außerdem faszinierte Margrit die merkwürdige Flasche. Was wollte der Bundeskanzler damit?
Doch der schien gedanklich immer noch bei Danox zu sein. „Tja, und wegen Ihnen gibt es jetzt wohl drei Stücke von Danox“, fuhr er leise fort. „Wir Menschen haben nur zwei da-von, oder?“ Er sah Margrit plötzlich scharf an. „Margrit, sollten Sie das dritte besitzen und vor mir verstecken?“ Seine langen Finger ließen endlich die Flasche los.
„N ... nein!“, stotterte sie entgeistert. Gesine hatte wohl nicht nur alles verplappert, sondern auch noch eine falsche Beschuldi-gung geäußert. Wie konnte sie ihn nur vom Gegenteil überzeu-gen?
„Lügen Sie mich auch nicht an?“, knurrte er, war dabei aufge-standen und um den Schreibtisch herum gelaufen.
„Warum sollte ich das tun?“, krächzte sie. Er näherte sich ihr nun von hinten. Seltsamerweise lief Margrit ein Gänseschauer den Rücken hinab. „Das dritte Teil wird wohl noch immer irgendwo im Wald herum liegen!“, setzte sie ziemlich hastig hinzu.
„Kann ich Ihnen das auch glauben, Margrit?“ Ganz langsam legte er seine Hände auf ihre Schultern
„Doch, ich war bisher immer ehrlich!“ Unpassenderweise meinte sie jetzt, eine Tür in der Nähe klappen zu hören. „Ganz im Ernst!“, ächzte sie. „Wenn ich dieses Stück von Danox noch hätte, würde ich es Ihnen geben, nach all dem Schrecklichen, was Sie mir erzählt haben.“
Vom Flur tönte inzwischen Stimmengeraune und dann ver-nahm sie auch Schritte. Kamen Günther Arendt noch andere Leute zu Hilfe? Warum hatte er die merkwürdige Flasche auf den Tisch gestellt? Was konnte er damit vorhaben?
„Und?“, fragte sie, um ihn irgendwie von diesem grässlichen Thema abzulenken. „Hatten Sie bei Munjafkurin Erfolg?“
„Sehr!“ Seine kalten Finger ließen überraschenderweise ihre Schultern los und er begann stattdessen, auf dem weichen Perser-teppich rastlos hin und her zu laufen. Währenddessen wurde auch die Tür von dem Raum nebenan aufgerissen, das Stimmengemurmel wurde erheblich lauter. Irgendjemand wurde wohl begrüßt und dann klappte die Tür wieder zu. Margrit atmete er-leichtert aus. Wieder fiel ihr Blick auf die eigenartige Flasche. Was hatte Günther Arendt damit vor?
„Zu meiner Freude erfuhr ich“, berichtete der Bundeskanzler derweil weiter, „dass nicht nur Munjafkurin, sondern auch viele seiner Kameraden ihr eigenes System hassen.“
„Wie das?“, fragte sie und rätselte, was das für eine merk-würdige Flüssigkeit in dem seltsamen Behälter sein könnte. „Wa-rum hassen die Hajeps ein System, das ihnen ganz offensichtlich großen Luxus bietet und sie so mächtig gemacht hat?“
Günther Arendt blieb vor einem seiner großen Fenster stehen und schaute zum Park hinab. „Nun, zumindest Munjafkurin scheint wirkliche Gründe für seinen Hass zu haben“, sagte er leise.
Margrit beugte sich vor, um das flaschenartige Gebilde etwas gründlicher in Augenschein zu nehmen. „Sie dürfen übrigens diesen verrückten Behälter ruhig anfassen, Margrit!“, ermunterte er sie, doch sie schüttelte nur abwehrend den Kopf. Das Ding sah irgendwie gefährlich aus, andererseits ähnelte es einem kleinen Nagellackfläschchen. „Oh Gott“, ächzte sie betroffen, „habe ich Ihnen dieses Ding nicht damals selber angeschleppt?“

Kapitel 19

„Sehr richtig!“ Er wendete sich zu ihr herum und sah dabei ziemlich bekümmert aus. „Ich wollte Sie testen, Margrit. Schade, dass ihnen das wieder eingefallen ist!“
„Wieso schade? Das ist doch gut! Dieses Fläschchen, wenn ich das so nennen darf … “
„Durchaus, denn es sieht ja, auch wenn es ein wenig seltsam geformt ist, so ähnlich aus!“
„Also, dieses Fläschchen kam von den Jisken“, fuhr sie auf-geregt fort. „Georges Cousin Robert hatte es bekommen und ich habe es Ihnen damals gegeben, doch Sie wussten nicht, wie man es öffnet, aber wohl schon, dass darin ein gefährliches Serum enthalten sein müsste, womit man die Hajeps infizieren könnte. Doch auf welche Weise, war Ihnen noch nicht so recht klar.“
„Donnerwetter, das wissen Sie also auch noch!“, rief er mit ehrlicher Anerkennung und nahm wieder im Sessel ihr gegenüber Platz. Er zog ein Schubfach auf. „Wie Ihnen sicher bekannt ist“, begann er und legte eine schmale Pappschachtel zu dem Fläsch-chen auf den Tisch, „hat das hajeptische Volk eine recht stabile Gesundheit.“
„Das ist mir allerdings nicht bekannt“, platzte sie einfach da-zwischen. „Oworlotep verriet mir, dass Hajeps sonderbare Aller-gien quälen und sie scheinen unter einer furchtbaren Erbkrank-heit zu leiden, die ihre Hände verkümmern lässt.“
„Ja, das schon“, wehrte der Kanzler ziemlich genervt ab, „aber sonstige Krankheiten, welche durch Bakterien oder Viren übertragen werden, wurden auf Hajeptoan bereits vor Jahrhun-derten besiegt, denn die Asabs und Howane der Hajeps sind nicht nur Ärzte, sie sind gleichzeitig Forscher und wie Jäger hinter allem her, was ihr Volk krank machen könnte. Und immer, wenn es neue, fremde Planeten zu erobern galt, wurden zuvor winzige Zelltierchen dorthin gesendet, um Krankheitserreger auf-zunehmen. Kleine, am Boden liegende, als Steine getarnte Käfige senden nach einiger Zeit ein besonderes Duftsignal und fangen die Zelltierchen damit wieder ein.“
„Und das alles hat Ihnen Munjafkurin mitgeteilt?“, staunte Margrit mit echter Bewunderung.
„Richtig und zwar über Gesine, Margrit!“
„Und wer sammelt die Käfige wieder ein?“
„Roboter aus Biomaterial. Ich habe sie neulich wieder in einem der Filme bewundert, die wir vor Jahren gemacht haben. Interessante Wesen, wirklich! Sie sind nur etwa zwanzig bis dreißig Zentimeter groß, grauhäutig, sehen irgendwie aus wie nackte, missgestaltete Kleinkinder mit schwarzen, sehr großen Glubschaugen! Chilkis werden sie genannt und die Hajeps nutzen sie für alles Mögliche. Und diese Roboter fliegen dann mit Raumgleitern zu einem Forschungszentrum, in unserem Fall zum Ganalea, das sich in der Nähe unserer Erde befinden soll.“ Er machte wieder eine nachdenkliche Pause ehe er fortfuhr. „Sie sehen also, wie gut ausgerüstet Hajeps gegen Krankheitserreger sind, die sie über alles zu fürchten scheinen! Es ist daher so gut wie unmöglich, Krankheitserreger gegen Hajeps zu erfinden! Daher danke ich dem jiskischen Forscher Balsaton wirklich sehr“, er ergriff das Fläschchen, hob es hoch und betrachtete es mit glänzenden Au-gen, „dem dieses Kunststück geglückt ist.“
„Und in diesem Fläschchen schwimmt also ... äh ...?“
„Ein genmanipuliertes Virus!“, half er ihr und lächelte sehr zufrieden. „Das ist unsere Hoffnung, Margrit. Die Chance der Menschheit, diese außerirdischen Biester für immer los zu wer-den!“
„Biester? Na ja, aber die werden davon nur krank, sterben nicht daran“, versuchte sie sich zu vergewissern.
„Margrit, Menschenskind, die Hajeps sollen doch daran sterben, natürlich nicht alle, nur die Jastra, deren zweithöchste Kas-te!“
„Wie kann denn Munjafkurin Leute seines eigenen Volkes derart hassen?“ Margrit runzelte die Stirn. „Und die Jisken sind aber auch ...“, sie stoppte mitten im Satz und fügte dann hinzu, „... kein besonders edles Volk?“
„Edel ist gut!“ Der Minister lachte.
„Und zur Kaste der Jastra gehört also Atabu ... na ... dings und ...“, sie zögerte einige Sekunden, ehe sie weiter sprechen konnte, „und Oworlotep ... also der doch wohl nicht so richtig, oder?“
„Natürlich, gehört er dazu! Ich weiß, Sie hängen irgendwie an ihm aber ...“
„Ich hänge an dem nicht irgendwie“, protestierte sie aufgeregt. „Es ist nur so, dass Oworlotep mir meine Jugend wieder gegeben hat. Wissen Sie, das ist ein wirklich großes Geschenk. Ich fühle mich ihm daher sehr zu Dank verpflichtet und ... “
„Aber Margrit!“, fauchte er. „Das war doch nur halb so unei-gennützig wie es ausgesehen hat. Hajeps sind nun mal totale Ego-isten. Das sollten Sie sich merken. Die Jastra wollten mit Men-schen eine neue Spezies zeugen und jetzt dürfen Sie raten, wes-halb Oworlotep Sie damals verjüngt hat.“ Er grinste sie jetzt ziemlich fies an.
„Sie meinen, er wollte ...?“ Margrit schluckte und dachte dabei ganz automatisch an Oworlotep und an seine roten Augen. Igitt, wo früher sogar winzig kleine Mäuse mit solchen Augen bei ihr Gänseschauer hatten erzeugen können. „Aber das hat er doch nicht wirklich gewollt!“, brachte sie, etwas heiser geworden, hervor. „Ich meine, dass er und ich ... dass wir beide zusammen ...?“ Und sie spürte, dass ihr bei diesem Thema mächtig heiß wurde. „Doch wohl eher nein, oder?“
„Ich bitte Sie, Margrit, Oworlotep selbst natürlich nicht!“ Gün-ther Arendts Stimme klang fast empört ob dieser ungeheuerlichen Anmaßung. „Oworlotep ist nun mal ein Jastra und lässt sich nicht zu so etwas herab. Das wissen wir inzwischen!“
„Ach so, tschuldigung!“, ächzte sie, knallrot im Gesicht.
„Macht nichts. Wer weiß das schon? Nein, man hätte Ihnen wahrscheinlich nur mehrere Männer aus der untersten Kaste zu-geführt ...“
„Ach so! Gleich mehrere Männer!“ Komisch, Margrit hatte das Gefühl, als würde sie noch röter werden als sie es ohnehin schon war, darum wechselte sie schnell das Thema. „Aber woher konnte ihnen Munjafkurin erklären, was in diesem Fläschchen enthalten ist, wo er doch nicht zum Volk der Jisken gehört?“
„Keine so dumme Frage, Margrit. Vor langer Zeit führten die Jisken und Hajeps eine dramatische Schlacht um den bereits be-siegten Planeten Schough. Dort sollen fast ausschließlich Wis-senschaftler, Weltraumforscher und Philosophen gelebt haben.“
„Ein ganz und gar friedlicher Planet also?“
„Keine Ahnung.“
„Ich habe gehört, Danox stammt von diesem Planeten?“
„Ja, diese außergewöhnliche Waffe haben die Hajeps damals erbeutet.“
„Aber, wenn dort nur friedliche Wissenschaftler lebten“, ver-biss sich Margrit hartnäckig weiter in dieses Thema, „könnte es doch auch gut sein, dass Danox in Wirklichkeit gar keine Waffe ist, sondern womöglich ein ganz anderes Geheimnis in sich birgt!“
„Meinen Sie?“ Er zuckte irritiert mit den Achseln. „Das Ding wird aber von allen Außerirdischen Waffe genannt. Ich weiß allerdings nicht, was Danox übersetzt heißt. Ist mir auch egal. Habe mir noch nie darüber einen Kopf gemacht. Jedenfalls, als die Hajeps vor dem Sieg standen, konnten die Jisken noch Mun-jafkurin und einige seiner Kameraden in ihre Gewalt bringen und sie als Geiseln benutzen. Munjafkurin soll mit seiner Einheit in ein Gefangenenlager gekommen sein, in dem die schrecklichsten Zustände herrschten. Auch auf die Androhung, sämtliche gefan-genen Soldaten zu erschießen, zog Pasua die Truppen aus den einst von Jisken besetzten Gebieten Schoughs nicht ab. Da be-gannen die Jisken einen nach dem ande¬ren der Gefangenen vor laufender Kamera auf das brutalste umzubringen. Doch auch das konnte weder Pasua noch die Jastra erweichen. Dann erhielten die Jisken aber die freudige Kunde, dass es Balsaton, einem Hitamun, endlich geglückt wäre, ein Genvirus gegen die Hajeps zu entwickeln, das er Refenin - Vernichtung - genannt hatte, wie sinnig!“ Er kicherte. „Nun wollte man die restlichen Geiseln heimlich damit infizieren und dann zu den Hajeps fliehen lassen. Munjafkurin, der als nächster hingerichtet werden sollte, hatte aber noch ein Mittel eingenommen, das vorübergehend den Herzschlag und die Hirntätigkeit ausschalten konnte, als wäre man klinisch tot. Die Jisken fielen darauf herein und ließen ihn liegen, weil sie die anderen infizieren wollten. Als Munjafkurin langsam zu sich kam, stellte er sich weiterhin tot und konnte un-ter leicht gesenkten Lidern erkennen, wie das Mittel aussah, dass sie auch Adoraine, seiner Freundin, verabreichten. Wenig später floh dann Munjafkurin mit seinen Kameraden, die aber eine zu hohe Dosis von dem Mittel bekommen hatten und unterwegs an Herzversagen starben. Die Jisken hatten halt noch keine Erfah-rung damit.“
„Wie schrecklich!“, ächzte Margrit und hielt sich die Hand vor den Mund. „Jetzt kann ich Munjafkurins Hass begreifen!“
„Sehen Sie, lassen Sie mich aber trotzdem weiter erzählen. Später, als Munjafkurin schwerkrank von all den Strapazen in sein Raumschiff gebracht wurde, kümmerte sich niemand um seine Probleme, und weil er nicht mehr voll funktionstüchtig war, reihte man ihn sogar in die Kaste der Kutmats ein. Nur mit größter Energie gelang es ihm, sich wieder hochzuarbeiten, und noch heute wird er damit verspottet. Das alles vergisst er Pasua und den Jastras nicht.“
„Kann ich verstehen, und dafür bekam er oder Gesine dann von Ihnen den zweiten Teil von Danox?“, schmetterte sie ziem-lich ungläubig hinaus, denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass Günther Arendt ein solches Versprechen wahr machte.
„Nein, den bekam Munjafkurin für eine andere, viel wichtigere Auskunft.“ Er brach wieder sehr nachdenklich ab.
„Etwa für eine weitere Information über dieses Fläschchen?“
Der Kanzler schwieg für ein Weilchen und betrachtete dabei die Flasche wieder von allen Seiten. „Ja, so war es!“
„Und wie wirkt Refe ... na … dings?“, fragte sie, zerberstend vor lauter Anspannung.
„Tja, eine nette Krankheit ist das nicht gerade, Margrit.“ Er kratzte sich verlegen am Hals. „Lässt die Gedärme, den Magen, das Herz, die Lunge, alle Innereien zusammen schrumpfen. Man bekommt wahnsinnige Schmerzen, weil im Laufe eines Tages die Organe nicht mehr richtig arbeiten!“
Margrit erbleichte. „Was für furchtbare Dinge doch erfunden werden können! Und wie ist es möglich, dass sich dieses Virus verbreitet?“ Mit klopfendem Herzen wartete sie die nächste Antwort ab.
„Refenin stimuliert!“, erklärte Günther Arendt, nun noch etwas verlegener als zuvor.
„Stimu ... äh, wie? Ich meine, in wiefern?“ Margrit trommelte das Herz bereits bis zu den Ohren.
Der Kanzler gab sich einen Ruck. „Refenin steigert sexuelle Bedürfnisse. Es verbreitet sich über die Schleimhäute. Wer von Refeninviren befallen ist, wird versuchen, mit möglichst vielen Personen Sex zu haben. Gelangen die tödlichen Viren über die Schleimhäute ins Blut der Betroffenen, ist es um ihn geschehen! Kommt der Infizierte nicht schnell genug zu einer sexuellen Ver-einigung, wird ein raubtierähnlicher Trieb in ihm ausgelöst. Er wird sein Opfer beißen und ähnlich wie ein Vampir versuchen, sein Blut zu trinken.“

Fortsetzung folgt:
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Wie immer ein Kommi von mir. Nach wie vor spannende und humoristische Geschichte. Und wie geht`s weiter?

Evi Apfel (21.09.2019)

Sehr, sehr spannend. Liest sich federleicht und flüssig. Sehr gerne gelesen. Freue mich auf den nächsten Teil.

Marco Polo (14.09.2019)

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 20, 21, 22 u. 23  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 13, 14, 15 u. 16  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 8, 9, 10, 11 u. 12  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 3, 4, 5, 6 u.7  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 1 u. 2  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
Die Belfast Mission - Kapitel 11  
Die Couch  
Die Mördergrube ( 2. Steinzeitgeschichte )   
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 3, 4, 5, 6 u.7  
Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 8, 9, 10, 11 u. 12  
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
Counter

Counter Web De